Sport : Pferdewetten: Fünf Mark auf Sieg und einen Espresso

Ingo Wolff

Rainer Appold ist ein Genussmensch. Er wählt den italienischen Wein zum Essen und nicht den südafrikanischen. Der ist bei der Hitze einfach zu schwer, sagt Appold. Er kennt sich darin bestens aus, schließlich ist Appold Gastronom und hat jahrelang in der Führung einer Schweizer Restaurant- und Hotelkette gearbeitet. Nur bei Pferden, speziell bei Rennpferden, da kennt sich der Geschäftsmann nicht so gut aus. Trotzdem will Rainer Appold den Pferdesport in Deutschland revolutionieren. Er will die Pferdewetten wieder hoffähig machen, will sie aus den dunklen und anrüchigen Buchmacherstuben herausholen. "Lifestyle-Erlebnis" nennt Appold das.

Rainer Appold ist Geschäftsführer der Sisal Autototo Deutschland. Sisal stammt aus Italien und bietet Wettbistros an. Restaurants oder Cafes, wo die Gäste bei ihrem gewöhnlichen Plausch einfach nebenbei wetten können. Entweder an kleinen Displays oder einfach beim Wirt: Fünf Mark auf Sieg und einen Espresso, bitte.

In Italien erzielt der Rennsport so einen Großteil seines Wettumsatzes. Über 13 000 dieser Bistros gibt es in Italien, in Frankreich, England und den USA haben ähnliche Anbieter ebenfalls Erfolg. "In Frankreich findet man diese Terminals an jeder Ecke, in jedem noch so kleinen Bistro", sagt Appold. Die deutschen Dachverbände für Trab- und Galoppsport hofften vor zwei Jahren auf einen ähnlichen Boom, als sie Sisal das erste Mal mit einem Exklusivvertrag ausstatteten. Es musste etwas passieren, denn die Wettumsätze brechen seit Jahren kontinuierlich ein. Die Zocker zieht es nicht mehr auf die Bahn, sondern zum Buchmacher. Der kann mit guten Quoten locken, da er nichts von seinen Gewinnen an die Bahnen abführen muss. Einzig die Rennübertragung müssen die Buchmacher bezahlen. Bei Sisal ist das anders. Von jeder Wette fließen Anteile des Gewinns zurück.

Doch in den zwei Jahren seit Beginn der Kooperation ist Sisal mit der Idee nur wenig vorangekommen. Appold sieht das Problem vor allem in den bisherigen Mitarbeitern, "das waren Pferdefreaks, und die haben Wirte ausgesucht, die auch Pferdefreaks waren". Aus diesem Teufelskreis konnte Sisal nicht herauskommen. Nur 80 solcher Wett-Gaststätten gibt es bisher, 2400 hatte Sisal beim Start anvisiert. Deshalb wurde vor knapp zwei Monaten Rainer Appold zu Sisal geholt. Er, der nur was von Gastronomie versteht und nichts von Pferden.

Zuerst hat er alle großen Brauereien besucht. "Das sind unsere Multiplikatoren", sagt Appold. Erst wenn die Wirte von den Brauereien über die Idee informiert wurden und sich dafür begeistern können, kommt einer der neuen Vertriebsagenten, die nun keine Pferdespezialisten mehr sind, zur Kontrolle. Dabei ist die Art der Gaststätte fast egal. Nur: "Der Wirt muss ein bestimmter Typ sein", sagt Appold. "Er muss animieren können und hinter der Idee stehen." So will Appold eine neue Klientel für das Wetten begeistern. "Wir beide stehen zusammen am Tresen und unterhalten uns. Dann setzen wir beide jeweils fünf Mark auf ein anderes Pferd. Dazu müssen wir nichts vom Pferdesport verstehen und haben trotzdem unseren Spaß."

Neben ihm sitzt Hermann Gerbaulet und nickt nachdenklich. "Ein hervorragendes Konzept", sagt der Präsident des Berliner Trabrennvereins. "Aber wenn das nicht klappt, könnte es der Untergang für den gesamten Rennsport sein."

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