Sport : Pfiffe für die Mannschaft

Hertha BSC rief zur Mitgliederversammlung - Manager Dieter Hoeneß erntet Gelächter und räumt Fehler ein

Michael Rosentritt

Berlin - Herthinho wackelte mit einem starren Lächeln durch das ICC. Maskottchen können nicht anders. Das von Hertha BSC macht da keine Ausnahme. Gleichwohl war die Stimmung vor der gestrigen Mitgliederversammlung durchaus gereizt. Für den Berliner Bundesligisten wird die Saison als die vielleicht schlechteste seit dem Aufstieg vor zehn Jahren in die Geschichte eingehen. Ein momentaner zwölfter Platz bei einer hohen Verschuldung hat die Mitglieder in Rage gebracht. Aber Mitglieder von Hertha BSC sind Leid geprüft. Bernd Schiphorst, der Präsident des Vereins, der erneut mit der Versammlungsleitung beauftragt war, heimste gleich zu Beginn den ersten Beifall ein. Schiphorst hatte vermeldet, dass die Nutzer des Parkhauses am Ende der Veranstaltung ihre Parkscheine frei stempeln lassen können.

Ganz so einfach hatte es die Bundesligamannschaft nicht. Traditionell bat Manager Dieter Hoeneß den Kader auf das Podium. Doch erstmals seit Jahren wurden die Profis mit Pfiffen und Buhrufen bedacht. „Außer Zecke könnt ihr alle gehen“, schmetterte es der Mannschaft aus dem Auditorium entgegen. Hinter Zecke verbirgt sich der Spieler Andreas Neuendorf, dessen Vertrag mit dem Saisonende ausläuft. „Macht jetzt nicht alles kaputt. Und dann positiv in die Zukunft“, rief er in den Saal des ICC. Zuvor hatte Trainer Karsten Heine etwas gesagt. Etwa, dass der Herthaner an und für sich schon „bessere Jahre erlebt“ habe, und dass es „nicht viel schön zu reden gibt“. Die Mannschaft habe unter seiner Führung den Klassenverbleib gesichert, nicht mehr und nicht weniger.

Während Heines Worte weitgehend mit Applaus quittiert wurden, warteten die Mitglieder auf Äußerungen von Dieter Hoeneß gestern sehr lange. Für einen Teil der Mitglieder hat Hoeneß die Krisensaison zu verantworten. Überraschenderweise wurde sein Gang zum Mikrofon mit aufmunterndem Applaus begleitet. Seine Worte fanden dann nicht immer Zustimmung, oft gab es Pfiffe, Pfuirufe oder aber offene Gegenworte. „Wenn die Ergebnisse ausbleiben, kommt Kritik“, sagte Hoeneß. Auf seine Bemerkung, er könne mit Kritik gut umgehen, erntete er schallendes Gelächter. Herthas mächtigster Mann schlug einen großen Bogen. „Im Moment fühlen sich viele Leute berufen, auf Hertha rumzutrampeln, denen es nicht zusteht“, sagte er.

Dieter Hoeneß wirkte angeschlagen. „Im Grunde ist diese Mannschaft intakt“, rief er den Mitgliedern entgegen. „Wir haben viel Positives, aber auch noch eine Menge Aufgaben zu lösen.“ Er sagte nichts zum auslaufenden Vertrag von Trainer Heine, er sagte nichts zu eventuellen Neuverpflichtungen. Bis Ende Mai werde eine Entscheidung in der Trainerfrage getroffen. Hertha werde Spielmacher Bastürk ersetzen und die Abwehr verstärken. Lediglich einen Fehler räumte er ein: „Einen Tapetenwechsel“, sprich Trainerwechsel, „hätte ich früher vollziehen müssen.“

In den verbleibenden drei Jahren seiner Amtszeit wolle er „Hertha fit für die Zeit danach machen“, sagte er. Michael Preetz „wird künftig auch nach außen hin mehr Stellung beziehen“. Überzeugen konnte er mit diesen Aussagen nur einen Teil der 1200 Mitglieder im Saal.

Der für Finanzen zuständige Geschäftsführer, Ingo Schiller, päsentierte gestern Zahlen, die weitgehend kommentarlos hingenommen wurden. Schließlich handelte es sich um noch nicht bestätigte Zahlen, da das Geschäftsjahr erst in sechs Wochen endet. So geht Hertha zum 30. Juni 2007 von einem seit Jahren erstmals positiven Ergebnis im operativen Geschäft aus. Das Geschäftsjahr 2005/ 2006 hatte Hertha mit einem Rekordverlust abgeschlossen. Knapp 17 Millionen Euro betrug zum 30. Juni 2006 der Jahresfehlbetrag. Der hatte dazu geführt, dass der Bundesligist zu diesem Zeitpunkt einen historischen Höchstschuldenstand (55,4 Millionen Euro) zu vermelden hatte.

Im Zeitraum vom 30. Juni 2006 bis zum 30. Juni 2007 rechnete Hertha BSC mit einer Rückführung der Schulden von 55,4 Millionen Euro auf 46,9 Millionen Euro. Der Trend, die roten Zahlen weiter zu reduzieren, soll auch danach fortgesetzt werden. Zum 30. Juni des kommenden Jahres ist eine Rückführung der Schulden auf 43,4 Millionen Euro geplant, bei einem Etat von knapp 63 Millionen Euro. Diesen Plan beschleunigen könnte die geplante Ausgabe von so genannten Genussscheinen im Wert von 25 Millionen Euro. Dieser Abschluss steht aber erst noch bevor. Gestern wurde der Vertrag den Mitgliedern nicht präsentiert.

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