Sport : Pflichtfach Ethik

Robert Ide

Geldgierig, korrupt, machtgeil: Das ist das Bild, das viele Deutsche von der Fifa haben. Dieses Bild stimmt. Und dieses Bild stimmt nicht.

Ja, die WM wird bis zur Schmerzgrenze vermarktet. Ja, der Weltverband hat seine Sponsoren und VIPs übervorteilt, etwa bei der Zuteilung der Eintrittskarten. Und: Ja, die Bürokraten aus Zürich leiden unter einem Kontrollzwang.

Das Image wird dem Fußball-Weltverband dennoch nicht gerecht. Schließlich haben die deutschen Organisatoren bis hin zur Regierung die Fifa-Regeln bereits bei der Bewerbung anerkannt. Die WM ist keine deutsche Veranstaltung, sondern eine globale, die ohne Sponsoren nicht mehr finanzierbar wäre. Und die Fifa ist eine internationale Organisation, die mit Entwicklungshilfe den Fußball in armen Ländern unterstützt. Dass Präsident Joseph Blatter auf diese Art Loyalitäten finanziert, ist ein Teil der Geschichte. Dass sich Neulinge wie Togo und die Elfenbeinküste für das Turnier qualifizieren konnten, ein anderer.

Gerade in Deutschland spürt die Fifa, dass ihr Image dem eigenen Geschäft schadet. Kurz vor der WM beschwört Blatter daher die guten Werte des Sports. Eine unabhängige Ethikkommission soll Korruptionsfälle von Funktionären ahnden. Ein längst fälliger Schritt, doch auch hier bleiben Zweifel: Denn nach Blatters Vorstellung soll die Fifa-Regierung – das Exekutivkomitee – bestimmen, wer sie künftig kontrolliert. Ist das unabhängig genug?

Es scheint, als benötige Deutschland ein wenig Nachhilfe in Sachen Fifa. Und die Fifa in Sachen Transparenz.

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