Sport : PGA-Championship: Woods triumphiert in der Verlängerung

In einem spektakulären Golf-Thriller hat sich Tiger Woods durch sein großartiges Können den nächsten denkwürdigen Triumph erspielt. Nach einer dramatischen Finalrunde verteidigte der Superstar bei den 82. PGA-Championship am Sonntag in Louisville (US-Bundesstaat Kentucky) im Stechen gegen Landsmann Bob May seinen Vorjahrestitel und schaffte damit das historische Triple. Als zweiter Spieler nach Ben Hogan 1953 gewann der 24-jährige Amerikaner drei Major-Turniere in einem Kalenderjahr, nachdem er im Juni die US Open und im Juli die British Open souverän für sich entschieden hatte.

"Das wird eins der größten Duelle sein, das ich jemals in meinem Leben gehabt habe. Hut ab vor Bob. Er spielte sein ganzes Herz aus", stellte der glückstrahlende Serien-Champion bei der Übergabe der silbernen "Wanamaker Trophy" anerkennend fest. Im Stile zweier Weltklasseboxer lieferte er sich vor 33 000 Zuschauern mit dem sieben Jahre älteren Grand-Slam-Debütanten aus Las Vegas auf dem Par-72-Kurs des Valhalla Golf Clubs einen über fünfstündigen Schlagabtausch, bei dem sie alle Höhen und Tiefen der Gefühlswelt mehrmals durchlebten. Die Rivalität erreichte ihren Höhepunkt, als beide die letzte Runde mit einem Birdie abschlossen und mit 270 Schlägen gleichauf lagen, so dass die Löcher 16, 17 und 18 noch einmal gespielt werden mussten. Dabei glückte Woods gleich am ersten Loch der entscheidende Birdie, der zum Gewinn seines insgesamt fünften Major-Turniers reichte und ihm 900 000 Dollar als Siegprämie bescherte.

May, der auf Rang 73. der Geldrangliste notiert war, kassierte als Verlierer des Stechens mit 540 000 Dollar mehr als zuvor bei seinen bislang in diesem Jahr gespielten 17-US-PGA-Turnieren. Mit nur 12 650 Dollar verabschiedete sich derweil Bernhard Langer als einziger deutscher Profi von den ungeliebten Championship, an denen er zum 14. Mal erfolglos teilnahm. Nach einer 71er-Runde mit vier Birdies und drei Bogeys kam er wie vier andere Spieler auf 288 Schläge und Platz 46.

Vor dem achten Loch hatte sich noch ein Septett reelle Siegchancen ausgerechnet: May (13 unter Par), Woods (12), der Gesamtdritte Thomas Bjorn (Dänemark/insgesamt 275), die viertplatzierten Greg Chalmers, Stuart Appleby (beide Australien), Jose Maria Olazabal (alle 276) und der auf Rang neun abgerutschte Scott Dunlap (USA/279), die alle mit 11 unter Par notiert waren. Nachdem Woods seine Führung am zweiten Loch durch einen Bogey an May abtreten musste und durch schlechtes Putten nach einem zweiten Bogey vor dem siebten Loch sogar zwei Schläge zurücklag, fand er zu seinem Spiel, dem nur May Paroli bieten konnte. Am 17. Loch zog er erstmals gleich. Auf den letzten zwölf Löchern gelangen Woods sieben, May fünf Birdies.

"Das Feuerwerk begann nach dem neunten Loch. Es wurde eine erbitterte Schlacht. Keiner wich zurück. Birdie für Birdie. Schlag für Schlag", konstatierte Woods, der erstmals seit 1937 - Denny Shute - einen Championship-Titel verteidigen konnte. Mit seinen 270 Schlägen nach vier Runden hält er nun die Punktrekorde in Relation zum Par von allen vier Major-Turnieren. Und auch mit seiner seit Januar eingenommenen Preisgeldsumme von 6,69 Millionen Dollar stieß er in neue Dimensionen vor. "Tiger ist einfach eine Welt für sich. Und ich durfte darin wenigstens einmal eindringen", sagte May und fügte hinzu: "Keiner hat erwartet, was ich gezeigt habe. Doch ich denke, nun allen gezeigt zu haben, das ich Golf spielen kann."

Woods wusste das schon vor ihrem Aufeinandertreffen. Beide übten jahrelang als Jugendliche in Südkalifornien im selben Club. May, der von 1996 bis 1999 auf der PGA-European-Tour spielte und hier voriges Jahr mit den British Masters sein einziges Turnier gewann, galt hier bereits als Star, als Woods dem Verein beitrat und einer Zeitungskorrespondentin prophezeite: "Ich werde alle Rekorde von Bob May brechen." Er sagte es und tat es bis heute, meinte May, der vergeblich hoffte, am Sonntag davon wieder etwas zurückzugewinnen.

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