Philipp Kohlschreiber : Gefangen im Mittelmaß

Philipp Kohlschreiber hat die von ihm selbst geweckten Erwartungen in seiner Karriere nur selten erfüllt. In Halle verliert er das deutsche Halbfinal-Duell überraschend gegen Thomas Haas.

Petra Philippsen
Zu viel versprochen. Nach seinem Sieg gegen Rafael Nadal ist Philipp Kohlschreiber im Halbfinale von Halle ausgeschieden. Foto: dapd
Zu viel versprochen. Nach seinem Sieg gegen Rafael Nadal ist Philipp Kohlschreiber im Halbfinale von Halle ausgeschieden. Foto:...Foto: dapd

Es gab Zeiten, da vertrat das Management von Philipp Kohlschreiber die These, man könne mit seinem Klienten ganze Stadien füllen. Er sei das neue Zugpferd des deutschen Tennis, ein Publikumsmagnet. Es diente ihnen als Argument, um bei den Verhandlungen mit deutschen Turnierverantwortlichen die Höhe ihrer geforderten Antrittsgagen für Kohlschreiber zu rechtfertigen. Die Ansprüche klafften schon damals weit mit der Realität auseinander, gezahlt wurde meist dennoch. Das schon zu Beginn seiner Karriere überhebliche Auftreten des Augsburgers brachte ihm besonders bei den arrivierten deutschen Profis viel unterschwellige Feindseligkeit ein. Für Thomas Haas beispielsweise war Kohlschreiber nie mehr als ein Emporkömmling, der noch keine großen Leistungen nachgewiesen hatte. Dass Haas vor seiner Halbfinalpartie beim ATP-Turnier in Halle am Samstag gegen ihn sagte: „Philipp ist ein harter Brocken hier in Halle“, ist wohl das höchste Lob, das ihm je über die Lippen kommen wird. Dass er ihn dann noch mit 7:6 und 7:5 bezwang, war für Haas gewiss eine Genugtuung.

Nach wie vor ist Haas kein Fan von Kohlschreiber, zuletzt hatte es am Rande der Davis-Cup-Partie in Bamberg Spannungen zwischen den beiden gegeben. Doch nun musste sich der ehemalige Weltranglistenzweite Haas verkneifen, was er wohl lieber über seinen Kontrahenten gesagt hätte. Denn Kohlschreiber hatte im Viertelfinale von Halle den siebenmaligen French-Open-Champion Rafael Nadal bezwungen, und das ist per se erst einmal ein Erfolg, der sich nicht wegleugnen lässt. „Das ist ein Traumtag für mich“, schwärmte Kohlschreiber dann auch. Doch auch er selbst wusste, dass er zwar eine beherzte und gute Leistung gezeigt, der Mallorquiner aber mehr mit sich und der schweren Umstellung von Sand auf Rasen gekämpft hatte.

Und vielleicht hielt sich die Euphorie über Kohlschreibers großen Coup auch deshalb etwas in Grenzen, da man inzwischen davon ausgehen muss, dass der nächste Schritt nicht mehr folgen wird. Es sind nur sporadische Erfolge, die aber keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Denn obwohl seit jenen Anfangszeiten inzwischen gut sechs Jahre vergangen sind, so hat sich an Kohlschreibers Ausgangslage doch wenig verändert. Damals wie heute steht er innerhalb der Top 40 der Weltrangliste, höher als bis Platz 22 hat er es nicht gebracht. Mittlerweile ist er 28 Jahre alt, und zuletzt gab es zwischen den steten Aufs und Abs vor allem eines: viel Mittelmaß. „Wir sind gute Spieler, aber keine herausragenden“, hatte Kohlschreiber nach seinem Zweitrundenaus bei den French Open über sich und seine Mitstreiter Florian Mayer und Philipp Petzschner gesagt. Es klang jedoch wie eine Ausrede und nach jemandem, der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat.

Denn im Grunde war Kohlschreiber auch in Paris wieder hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Schließlich hatte er zuvor in München gewonnen, und die Auslosung der French Open meinte es für die ersten Runden gut mit ihm. Doch der Argentinier Leonardo Mayer, die Nummer 62 der Welt, wurde für Kohlschreiber zur unüberwindlichen Hürde. Zutiefst frustriert war er nach seiner Niederlage jedoch nicht. Schade sei es gewesen, sagte er, „aber es geht weiter“. Auf diese Art lief es bisher immer: Nach einem Turniersieg, meist beim Heimspiel, folgte das frühe Scheitern auf der großen Bühne. So holte Kohlschreiber im Vorjahr zwar den Titel in Halle, gewann bei den vier Grand Slams aber insgesamt nur ein einziges Match.

Auch der jüngste Triumph in München zeigte keine nachhaltige Wirkung. Bei den Masters-Turnieren in Madrid und Rom kam das schnelle Aus, die Euphorie verpuffte sofort. Wenn überhaupt, überzeugt Kohlschreiber bei heimischen Turnieren. Die Zuschauer in Deutschland klatschen zwar nicht so, wie sie es für Haas tun, doch auch Kohlschreiber ist hier als Lokalmatador beliebt. Hilfreich wäre allerdings, wenn er in Wimbledon beweist, dass sein Anspruch jenseits vom Mittelmaß liegt.

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