Sport : Picasso, Rambo, Torjäger Italiens Francesco Totti besetzt viele Rollen

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Guimaraes Giovanni Trapattoni vergleicht Francesco Totti gern wechselweise mit Michel Platini und Pablo Picasso, dem früheren französischen Fußball-Regisseur also und dem spanischen Maler. Trapattoni ist sich manchmal nicht so sicher, wem Totti gerade mehr ähnelt. Am Montagabend hätte der Trainer der italienischen Nationalmannschaft nicht lange überlegen müssen, wenn er für Totti einen Vergleich gesucht hätte: Rambo hätte sich angeboten. Totti, der Kapitän der Italiener, war gegen die Dänen in der 90. Minute brutal gegen das linke Knie von Rene Henriksen gesprungen. Und Trapattoni konnte nach dem enttäuschenden Spiel seines Teams beim besten Willen nur sagen: „Auch Totti war heute nur einer von zehn Feldspielern.“

Kurioserweise muss das für Totti nicht automatisch als verbale Ohrfeige geklungen haben. Gut möglich, dass dem 27-Jährige vom AS Rom der Satz sogar gefallen hat. Trapattonis Lobeshymnen gehen ihm nämlich auf die Nerven. „Keiner darf sich dem anderen überlegen fühlen. Auch Trapattoni sollte wissen, dass solche Kommentare meine Verantwortung nur noch mehr steigern“, hatte er vor dem Spiel gesagt. Seine Rolle ist doch sowieso klar definiert, das sagt er jedenfalls. „Ich bin der Kapitän, meine Kollegen müssen mich respektieren.“

Sie tun es ja, die Kollegen, und dass sie es tun, ist auf den ersten Blick durchaus bemerkenswert. Zumindest, wenn man nicht bloß den Fußballprofi Totti sieht, sondern den Menschen. In Italien hat der gebürtige Römer, der Romanesco spricht, den inzwischen selten zu hörenden Dialekt der Einheimischen, nämlich auch die Rolle als Lachnummer. Totti gilt, nun ja, nicht gerade als der Hellste. Über ihn kursieren Witze wie: „Tottis Bibliothek ist abgebrannt. Sie hatte zwei Bücher. Totti ist total sauer: ,Ich habe das zweite doch noch gar nicht ausgemalt.‘“

Irgendwann hatte es begonnen mit diesen Witzen. Irgendwann hatte das Ganze eine Dynamik erhalten, die Totti nicht mehr steuern konnte. Am Anfang war er noch sauer, dann reagierte er souverän. Er konnte die Welle von Witzen nicht mehr stoppen, also kommentierte er sie mit größtmöglicher Selbstironie. Er veröffentlichte einen Band mit Totti-Witzen, erzählte in Interviews, welche ihm am besten gefallen und nahm damit dem Hohn die Schärfe. Außerdem spendete er die Einnahmen aus dem Buchverkauf Unicef, das finden die Fans hinreißend. In Rom gehören seine Autogramme zu den begehrtesten Unterschriften.

Aber den Respekt erwirbt sich trotzdem in erster Linie der Fußballer Totti. Beim AS Rom war er in der vergangenen Saison Antreiber, Regisseur und mit 20 Treffern auch bester Torschütze des Vereins. Er hat einen unwiderstehlichen Antritt und schlägt entscheidende Pässe. Normalerweise. Nicht gegen Dänemark, da fiel er nur durch sein rüdes Foul auf.

Dass Trapattoni jetzt aber wenigstens für kurze Zeit die Heldenverehrung des Francesco Totti auf ein erträgliches Maß reduziert, freut nicht bloß den Kapitän. Alessandro del Piero, Tottis Stürmerkollege im Nationalteam, gehen die Hymnen auch auf die Nerven. „So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere nicht erlebt, nicht einmal, als Zinedine Zidane bei uns in Turin spielte“, hat er gesagt. Das war vor dem Dänemark-Spiel. Jetzt hat del Piero erst mal seine Ruhe. Tsp

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