PIERRE-MICHEL LASOGGA : Die subtile Rache an den Ex-Klubs

Ein guter Stürmer, so heißt es, denkt nicht nach, er folgt einfach seiner Intuition. So war es am Samstag gegen Viertel nach fünf, als Pierre-Michel Lasogga den Ball zum 3:3- Endstand ins Leverkusener Tor grätschte. Und so war es auch in den Momenten danach: Der Stürmer lief hinter dem Tor zurück aufs Feld, griff sich mit der rechten Hand das Hertha-Wappen auf der linken Brust seines Trikots und hielt es an seine Lippen. In Zeiten, in denen Fußballer schon vor dem Spiel eine möglichst ausgeklügelte Jubelchoreografie planen, vertraute Lasogga nur seinem Instinkt. „Das kam einfach so aus mir raus“, sagt er. „Ich habe Hertha sehr viel zu verdanken, und ich identifiziere mich zu hundert Prozent mit dem Verein.“

Es hätte schon eine Menge böser Wille dazugehört, die Geste auch als Provokation gegen Bayer Leverkusen auszulegen, gegen jenen Klub also, der vor anderthalb Jahren nicht die geringste Anstrengung unternommen hatte, den Spieler aus der eigenen A-Jugend weiter zu binden, sondern ihn stattdessen nach Berlin ziehen ließ. Lasogga entschied sich für eine subtilere Form der Bestrafung – und vereitelte mit zwei Toren Leverkusens Auswärtssieg. „Ich habe eine gute Bilanz gegen meine Ex- Klubs“, sagte Herthas Mittelstürmer. Gegen Essen traf Lasogga im Pokal, in der Liga erzielte er gegen Wolfsburg das Siegtor, gegen Bayer sicherte er Hertha wenigstens einen Punkt. „Und Schalke kommt ja noch“, sagt er.

Lasogga ist ohne Zweifel eine der positiven Erscheinungen bei Hertha BSC, zumal es im Sommer doch erhebliche Zweifel gab, ob er den Sprung von der Zweiten in die Erste Liga problemlos meistern würde. Inzwischen ist er mit sechs Toren Herthas bester Torschütze. „Seine Karriere nimmt den Verlauf, den wir uns erhofft haben“, sagt Trainer Markus Babbel. „Er ist 19, es gibt also gute Hoffnung, dass da noch mehr kommt.“ Diese Hoffnung ist nicht unbegründet. Lasogga mag nicht mit dem größten Talent gesegnet sein, an Eifer aber steht ihm kaum jemand nach. „Es gibt Stürmer, die arbeiten viel, und es gibt Stürmer, die stehen immer richtig“, sagt Babbel. „Pierre arbeitet viel und steht richtig. Das ist eine schöne Kombination.“ sth

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