Pierre-Michel Lasogga im Interview : „Hauptsache, ich weiß, was ich kann“

Pierre-Michel Lasogga spricht im Interview über echte Mittelstürmer, den Aufschwung mit dem Hamburger SV und seinen Traum von der Nationalmannschaft.

von
Pierre-Michel Lasogga, 24, hat seine Profikarriere bei Hertha BSC in Berlin begonnen. 2013 wechselte er, zunächst auf Leihbasis, zum Hamburger SV, für den er in bisher 62 Bundesligaspielen 23 Tore erzielt hat. Einmal war Lasogga für die Nationalmannschaft nominiert, zum Einsatz kam er allerdings nicht.
Pierre-Michel Lasogga, 24, hat seine Profikarriere bei Hertha BSC in Berlin begonnen. 2013 wechselte er, zunächst auf Leihbasis,...Foto: AFP

Herr Lasogga, neulich stand in der „Bild“, Sie seien ein Held, aber noch kein Idol.

Ein Held? Das stand da, wirklich? Jetzt bin ich platt.

Immerhin haben Sie den HSV mindestens einmal vor dem Abstieg gerettet. Was aber fehlt Ihnen noch zum Idol?

Wahrscheinlich ein paar Jahre Lebenserfahrung. Ich bin ja kein Uwe Seeler oder Horst Hrubesch und kann mich auch nicht mit irgendeinem Plan in diese Richtung entwickeln. Ich kann nur hart für die Sympathien der Fans arbeiten. Alles andere ist Schicksal.

Sie spielen sehr körperbetont. Fühlen Sie sich mitunter auf den Spielertypen des bulligen Mittelstürmers reduziert, der ein bisschen aus der Mode gekommen ist?

Es stimmt schon, dass ich ein Strafraumstürmer bin, ich will meine Tore vorne in der Box machen. Das kann ich am besten. Aber wenn man sich die Spiele mal genau anschaut, sieht man, dass ich mir die Bälle auch aus dem Mittelfeld hole und sie verteile. Wer das nicht tun will und lieber bei seiner vorgefertigten Meinung bleibt, dem kann ich nicht helfen. Es soll ja sogar Leute geben, die sagen, Cristiano Ronaldo sei ein schlechter Fußballer. Die Hauptsache ist doch, dass ich weiß, was ich kann. Und der Trainer natürlich.

Ist es Ihnen wichtig, dass die Leute Sie als Menschen richtig einschätzen?

Ich erlebe es oft, dass ich Fans im Supermarkt treffe, die hinterher sagen: „Du bist ja viel netter als im Fernsehen!“ Nicht immer kann man diese Nähe heutzutage noch herstellen, aber sie ist mir wichtig, damit man sich auch mal austauschen kann.

Warum sind Sie im Fernsehen nicht nett?

Wer ist schon nett, wenn er gerade vom Platz kommt und 1:2 verloren hat? Ich bin ehrgeizig, ich will gewinnen, und diese Einstellung braucht ein Profi doch auch.

Aber steht Ihr unbedingter Siegeswille Ihnen nicht manchmal im Weg?

Klar, manchmal will ich mit dem Kopf durch die Wand. Aber ich habe dazugelernt und arbeite weiter an mir.

Der bisherige Höhepunkt Ihrer Karriere war das Tor beim 1:1 im zweiten Relegationsspiel gegen Fürth im Mai 2014. Wie haben Sie dieses Spiel erlebt?

Wir haben damals acht Spiele nicht gewonnen. Auch das Hinspiel gegen Fürth zu Hause endete nur 0:0. Das war grausamer Fußball, ganz schlimm. Und dann fährst du auf der letzten Felge nach Fürth und weißt, dass der HSV erstmals absteigen kann. Die Anspannung im Mannschaftshotel war enorm, das hat man in jedem Raum gespürt. Ich habe das jetzt schon zwei Mal erlebt. Das reicht für den Rest meiner Karriere.

Erzählen Sie von Ihrem Tor.

In der 14. Minute kam die Ecke, ich ging mit dem Kopf hin, und der Ball war drin. Der 40-Kilo-Rucksack auf meinen Schultern fiel plötzlich ab. Die Freude war einfach grenzenlos.

So grenzenlos, dass Sie nach dem Abpfiff vor der Fürther Ersatzbank feierten.

Mein Gott, das gehört doch zum Fußball dazu! Ich hatte ja auch Beleidigungen vom Gegner hinnehmen müssen, die wollen Sie gar nicht kennen. Außerdem hier mal ’ne Sense von hinten und da mal ’n Pferdekuss. Dass ich da mal überreagiert habe, ist doch irgendwie nachvollziehbar, oder? Hinterher haben wir uns kurz ausgesprochen, Shakehands – und fertig. Ich würde es immer wieder so machen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben