Ping Pong in Peking : Gute Seiten, schöne Seiten

Unsere Olympiareporter spielen sich die Bälle zu. Heute will Friedhard Teuffel unbedingt noch was loswerden.

Friedhard Teuffel[Peking]
Friedhard Teuffel
Friedhard Teuffel berichtet aus Peking für den Tagesspiegel über Olympia.Foto: Q

Falls wir es noch nicht losgeworden sind: Diese Olympischen Spiele hatten auch eine schöne Seite. Das heißt, eigentlich waren es 100 000 schöne Seiten. So viele freiwillige Helfer gab es. In ihren blau-weißen Hemden waren sie überall zu finden. Sie haben uns jedes Mal zu dritt oder viert am Eingang den Weg ins Pressezentrum gewiesen, als beträten wir einen wunderbaren Süßwarenladen. Sie haben uns aus Busfahrplänen vorgelesen. Uns chinesische Schriftzeichen auf Zettel geschrieben, damit der Taxifahrer wusste, wohin er uns bringen sollte. Und die Raumtemperatur erhöht, wenn die Lüftungsanlage uns zu vereisen drohte.

Ein uns unbekannter Kollege aus Deutschland hat einmal im Hotel genervt reagiert, als sie ihn durch die Sicherheitsschleuse baten. Er wollte nicht durchgehen. Seinen Rucksack wollte er auch nicht durchleuchten lassen. Er hat mit den Augen gerollt und sie angeknurrt. Sie haben ihn angelächelt und gesagt: „Thank you for your cooperation."

Einen anderen Kollegen haben sie kurz irritiert, als sie ihn an der Sicherheitsschleuse baten, zum Beweis der Ungefährlichkeit einen Schluck aus seiner Kontaktlinsenflüssigkeit zu trinken. Schließlich durfte er doch so passieren, durchgewinkt hat ihn ein Helfer mit Brille.

Die freiwilligen Helfer umweht keine Dopingdebatte. Sie waren das Beste, was diese Spiele zu bieten hatten. Der Sonnenschein im Dunst von Peking. Natürlich dürfen wir das eigentlich nicht schreiben. Wir müssen schreiben, dass sie alle abgerichtet waren. Uns einzulullen, dass wir uns wohl fühlen und nicht berichten, dass die Kommunistische Partei korrupt ist und Olympia ein Bluff. Aber so kurz vor dem Abschied können wir das vielleicht einmal außen vor lassen.

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