Ping Pong in Peking : Marcelinho und André Heller

Unsere Olympiareporter spielen sich die Bälle zu. Heute verabschiedet sich Benedikt Voigt.

Benedikt Voigt
Benedikt Voigt berichtet aus Vancouver für den Tagesspiegel über die Winterspiele.Foto: Q

Irgendetwas muss mit dem Wahrnehmungsvermögen des Olympiareporters nicht stimmen. Als er am Sonntagmorgen um kurz vor sechs Uhr aus dem Deutschen Haus auf die Liangmaqiao-Straße trat, hatte er ein Déjà-vu-Erlebnis. Ihm kam es vor, als hätte er das alles vor acht Wochen nach dem Endspiel der Fußball-Europameisterschaft schon einmal gesehen. Kein Chinese befindet sich auf der Straße, dafür deutsche Fans mit deutschen Fahnen, die am Straßenrand sitzen und übermüdet nach einem Taxi winken. Einige deutsche Hockey-Fans singen noch ein letztes Mal: „Olé, olé, olé, super Deutschland, super Deutschland.“ Peking, an diesem morgen eine deutsche Stadt?

Und dann dieses Basketballendspiel. Ein Blick auf den Videowürfel zeigt: 61:69 - zur Halbzeit? Normalerweise sind so viele Punkte das Endergebnis. Ein Münchner Kollege ruft begeistert an: „Das ist das beste Basketballspiel, das ich je gesehen habe.“ Der Olympiareporter sieht einen 17-jährigen Spanier, der es mit den NBA-Stars Jason Kidd und Chris Paul aufnimmt – und sich immer wieder durchsetzt. Er sieht Rudy Fernandez, der sich fünfmal durch die Beine dribbelt und dann einen Dreier trifft – gegen Kobe Bryant, den besten Basketballer der Welt. Und plötzlich chinesische Zuschauer, die zum ersten Mal in 17 Tagen nicht mehr das ewige „Jiayou“ rufen. Stattdessen hört man: „Xibanya“ – Spanien. Der Kollege von der Zeitung „Arizona Republic“ schüttelt nur noch fassungslos den Kopf, als Spanien kurz vor dem Ende noch einmal auf vier Punkten herankommt: „Unfassbar, dieses Spiel ist unwirklich.“ Und was macht eigentlich David Beckham unter den Zuschauern?

Am Morgen war der Olympiareporter aufgewacht und hatte den Fernseher angemacht. Es lief das Volleyballballfinale zwischen Brasilien und den USA. Ein Volleyballer hieß Ball, ein anderer Marcelinho. Das Seltsamste aber war jener Name, der auf der Trikotrückseite des langen blonden Brasilianers vermerkt war: André Heller. Wird Zeit, dass die Spiele vorüber sind.

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