Ping Pong in Peking : Verwirrung mit Bändchen

Unsere Olympiareporter spielen sich die Bälle zu. Hier schreibt Friedhard Teuffel über Anti-Protest-Protest

Friedhard Teuffel
Friedhard Teuffel berichtet aus Peking für den Tagesspiegel über Olympia.Foto: Q

Ein letztes Mal bitten wir um Aufmerksamkeit für das brisanteste Schmuckstück der Sportgeschichte. Über kein Accessoire wurde so viel diskutiert, noch nie gab es so viele Schlagzeilen, und von einer Massenproduktion eines anderen Schmuckstücks hat die Sportgeschichte bisher auch noch nichts zu berichten. Aber dies hier hat es geschafft, es ist – das Protestarmbändchen. In zwei Farben gehalten und versehen mit der Aufschrift „SPORTS FOR HUMAN RIGHTS“. Und angeblich 90 000 Mal verteilt.

Es gibt nun tatsächlich einen aktuellen Anlass, das Bändchen aus Plastik noch einmal zu erwähnen. Offenbar ist nämlich auch den Chinesen nicht verborgen geblieben, dass dieses Bändchen massenweise in ihr Land kommen sollte, und deshalb wehren sie sich nun mit den gleichen Mitteln. An Journalisten wurde eine kleine rote Schachtel verteilt. Inhalt: fünf Plastikarmbändchen. In fünf verschiedenen Farben. Also fünf olympische Plastikringe. Inzwischen sind auch schon die ersten chinesischen Helfer zu sehen, die alle fünf an ihrem Handgelenk tragen. Klar, eine Verwirrungstaktik. Wenn alle protestieren, protestiert keiner mehr. Oder so. Die Chinesen glauben nun dieses westliche Demonstrationswerkzeug stumpf gemacht zu haben. Deshalb an uns alle: noch genauer hinsehen: ein türkisgrünes Bändchen = Protest, ein gelbes = Lance Armstrong, also für die Freigabe von Doping, fünf Bändchen = chinesischer Gegenprotest und zehn Bändchen = schlechter Geschmack.

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