Sport : Ping Pong mit sich selbst

Dortmunds Shinji Kagawa schießt beim 1:0 gegen Leverkusen das Tor des Tages.

von
Gut, besser, Kagawa. Der Dortmunder (in Gelb) ist seit Wochen in Topform. Foto: dapd
Gut, besser, Kagawa. Der Dortmunder (in Gelb) ist seit Wochen in Topform. Foto: dapdFoto: dapd

Viel größer hätte das Lob des gegnerischen Trainers kaum ausfallen können. „Dortmund spielt momentan den erfolgreichsten und besten Fußball in Deutschland“, hatte Robin Dutt vor der Dienstfahrt von Bayer Leverkusen ins Ruhrgebiet verkündet. Zum Bodensatz der Bundesliga gehören aber auch die Rheinländer nicht, schließlich reisten sie zum Duell Vizemeister gegen Meister an. Nur, dass die Leverkusener schon mal vergessen, wie toll sie Fußball spielen können. Deshalb sprach Stadionsprecher Norbert Dickel bei der Vorstellung der Mannschaften auch von einer „Wundertüte, mal Weltklasse, mal weniger gut“.

Gestern erwischte Leverkusen zwar keinen gebrauchten Tag, war beim 0:1 (0:1) vor 80 400 Zuschauern im Dortmunder Stadion aber weitgehend chancenlos, obwohl sie den Dortmundern alles abverlangten. „Dass wir gegen einen Gegner, der so gut verteidigen kann, nicht 40 Großchancen rausspielen, liegt auf der Hand“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp: „Da war Geduld gefragt.“

Um das ewige Thema bei Leverkusen in aller Kürze abzuhandeln: Michael Ballack durfte mal wieder seinen neuen Stammplatz auf der Bank einnehmen, den er 90 Minuten lang nicht verließ. Beim BVB kehrte Sven Bender, der seine Bandverletzung im Sprunggelenk in Rekordzeit ausgeheilt hatte, in die Startelf zurück. Vor allem in der ersten Halbzeit machten die Gäste ihre Sache recht gut, sie schafften es, die Räume im Mittelfeld zu verdichten, so dass die Dortmunder kaum dazu kamen, ihr gefürchtetes Gegenpressing aufzuziehen. Den Aktionen des Meisters fehlte die Leichtigkeit und die Präzision, viele Zweikämpfe weit weg von den Strafräumen machten das Spitzenspiel zur zähen Angelegenheit. „Es war nicht so spektakulär wie in den letzten Wochen“, sagte Kapitän Sebastian Kehl freimütig, „umso lieber nehmen wir die drei Punkte mit“.

Doch zunächst verdiente sich Leverkusen das Remis, weil die Mannschaft taktisch geschickt agierte und dabei noch den ein oder anderen gefälligen Konter startete. Alles in allem war es keine sehr ansehnliche Angelegenheit. „Wir haben das sehr geschickt und selbstbewusst verteidigt“, sagte Bayer-Trainer Robin Dutt, räumte jedoch auch ein, „dass uns nach vorn die Torgefahr abgeht“.

Als sich die frierenden Fans mit einer torlosen ersten Hälfte anfreundeten, hatte Shinji Kagawa seinen großen Auftritt. Herrlich war es, wie der Japaner mit sich selbst Doppelpass spielte, seinen Gegenspieler Vedran Corluka austanzte und den Ball im langen Eck versenkte. Eine feine Einzelleistung, die über manche Unzulänglichkeit hinwegtröstete. Seit Wochen befindet sich der kleine Dribbler in bestechender Form, auch gestern war er bei der Borussia wieder der Mittelpunkt des Spiels.

Aber sie haben in Dortmund auch noch andere gute Fußballer. Mats Hummels zum Beispiel, der kurz nach dem Wiederanpfiff Mittelstürmer Robert Lewandowski in Szene setzte. Seinen Schuss jedoch parierte der Leverkusener Torwart Bernd Leno. Dortmund bestimmte weiter das Spielgeschehen, nach einer Stunde zirkelte Subotic einen Freistoß knapp am Winkel vorbei, und kurze Zeit später scheiterte Kevin Großkreutz völlig freistehend am starken Leno.

Die Dortmunder beließen es gegen immer mehr nachlassende Leverkusener trotz deutlich mehr Möglichkeiten beim knappen Vorsprung und gewann damit auch ihr viertes Rückrundenspiel. Dazu kommt der souveräne Erfolg im DFB-Pokal in Kiel. Insgesamt schraubten die Dortmunder ihre Erfolgsserie auf nunmehr 15 Ligabegegnungen ohne Niederlage. Das gleiche Kunststück gelang der Mannschaft von Jürgen Klopp auch in der vergangenen Saison zwischen dem zweiten und 17. Spieltag. Wie die Sache seinerzeit ausging, ist bekannt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben