Sport : Pirna statt Berlin

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Von Martin Neumann

Pirna. Leicht verträumt, umgeben von den ersten Ausläufern der Sächsischen Schweiz, liegt das Städtchen Pirna nur unweit der Landeshauptstadt Dresden. Es geht langsam zu in der malerischen Altstadt von Pirna mit dem weitläufigen Marktplatz in der Mitte. Doch im Gespräch ist die Kleinstadt derzeit weniger durch ihre touristischen Reize als durch die Mittelstreckenläufer der LG Asics Pirna. Bei Wind und Wetter trainiert die Gruppe unter der Leitung von Klaus Müller in den umliegenden Hügeln oder im kleinen Stadion – auch im Winter. Eine Halle gibt es hier nicht.

Nach dem krankheitsbedingten Saisonabbruch des bekanntesten Läufers, Wolfram Müller, haben seine Trainingspartner Franek Haschke und René Herms beeindruckende Leistungen in den zurückliegenden Wettkämpfen gezeigt. Bei den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid Anfang Juli verwirklichte Herms gleich zwei Träume in einem Rennen. Der Junioreneuropameister über 800 Meter schlug erstmals Nils Schumann und blieb auch zum ersten Mal unter 1:46 – der Wegmarke zur Weltklasse. „Es war ein tolles Gefühl, am Olympiasieger vorbeizugehen", sagt Herms.

Der gerade 20-Jährige wird zur EM, die am 6. August in München beginnt, von Franek Haschke begleitet. Der in Berlin aufgewachsene 1500-m-Läufer hat sich vor zwei Jahren der Trainingsgruppe von Klaus Müller angeschlossen. „Die Umstellung von der Großstadt auf Kleinstadt war schon komisch. Dafür können wir hier optimal trainieren", sagt Franek Haschke. Doch der Kontakt in die Hauptstadt ist nicht abgerissen. „Außerhalb der Wettkampfsaison fahre ich fast jedes zweite Wochenende zu meinen Eltern", sagt der 21-Jährige.

In der Pirnaer Trainingsgruppe hören alle auf den 60-jährigen Klaus Müller. Er hat die jungen Läufer mit einem intensiven Wintertraining zur EM gebracht. An manchen Tagen stehen die Dauerläufe im hügeligen Gelände früh morgens auf dem Trainingsplan. Nicht zuletzt, weil René Herms noch zur Schule geht. Alle Läufer trainieren gemäß ihrem Leistungsstand in einem bestimmten Tempo. „Jeder soll nach seinem Leistungsstand trainieren. Es kann nicht sein, dass alle Läufer gemeinsam beginnen und sie dann nach und nach abfallen", sagt Müller.

Für München hat Müller klare Ziele vorgegeben. „Franek Haschke soll ins Finale kommen, René Herms ins Halbfinale. Alles weitere wäre ein Zubrot." Gerade Haschke konnte nach dem Ausfall von Wolfram Müller überzeugen. Beim Golden-League-Rennen in Rom trat er erstmals gegen den Weltrekordler Hicham El Guerrouj über die Meile an und schlug sich in 3:55,85 achtbar. „Das war eine wichtige Erfahrung auch im Hinblick auf die EM", sagt der Sportsoldat.

Während Haschke schon einige Jahre zur deutschen Spitze zählt, ist Herms erst im letzten Jahr, nachdem er sich als Jugendlicher den deutschen Meistertitel bei den Erwachsenen holte, bekannt geworden. Doch zunächst zeigte sich der in Pirna geborene Herms nicht besonders trainingsfleißig. „Der René ist von Natur aus ein fauler Charakter. Das gilt für die Schule und für den Sport", sagtsein Trainer. Und Wolfram Müller fügt hinzu. „Früher war ihm sein Computer manchmal wichtiger als das Training." Das hat sich aber mit der Zeit geändert. Mittlerweile konzentriert sich Herms voll auf den Sport. Sein Abitur wurde auf zwei Jahre gestreckt und 2003 geht es dann zur Sportförderkompanie der Bundeswehr. Aber vorher soll noch die eine oder andere Bestzeit fallen.

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