Sport : Planen für die Zweite Liga

Claus Vetter

Die Capitals sind immer wieder für neue Negativnachrichten gut. Der Berliner Klub, dem die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) zum 30. April die Lizenz gekündigt hat, ist noch höher verschuldet, als bisher bekannt war. Statt 3,6 Millionen drücken die Capitals 4,5 Millionen Euro an Schulden. Dies gab Geschäftsführer Michael Wuscher bekannt. Erst Mittwoch vergangener Woche hat sich der ehemalige Hauptgesellschafter der Capitals, Egon Banghard, von seinen 97 Prozent Anteilen an der Capitals GmbH getrennt. Eine nicht näher benannte Gruppe Berliner Kaufleute hatte den Klub für die symbolische Summe von einem Euro übernommen. Vorschnell war wieder von einer Rettung des DEL-Klubs die Rede gewesen.

Eine Million mehr oder nicht, was soll es schon? Um so etwas haben sich die Verantwortlichen der Capitals in der Vergangenheit eher selten geschert. Trotzdem, die Situation hat durch die gestrigen Ausführungen von Wuscher eine neue Qualität bekommen. Der Geschäftsführer der Berliner hatte einen Sonderprüfungsbericht der DEL zum Thema Schuldenstand der Capitals studiert und war auf Ungeheuerliches gestoßen. "Der Bericht beinhaltet eine Position von 700 000 Euro an Verbindlichkeiten nicht", sagte Wuscher. "Da ging es um eine Lohnsteuerproblematik aus der Vergangenheit." Eine Summe, die Wuscher vorlag, die seine Vorgänger bei den Capitals anscheinend bei der Lizenzerteilung vor der Saison nicht angegeben haben.

Laut Wuscher "ein Formfehler" - leider einer der Sorte, der den Capitals ihr Vorhaben, die Lizenz vor dem Schiedsgericht der DEL zurückzuerhalten, erschweren kann. Schließlich liegt nun ein Verstoß gegen die Lizenzauflagen vor. Wuscher hat die DEL bereits davon informiert: "Sonst hätte man uns das Ding noch um die Ohren gehauen." Kann immer noch passieren. So sieht es jedenfalls Andreas Ulrich. "Dieser Umstand entzieht den Capitals eine Argumentationsgrundlage, ihre Lizenz zurückzubekommen", sagte der Sprecher der DEL gestern. "Außerdem bestätigt er die Entscheidung der Gesellschafter der DEL, dem Klub die Lizenz zu entziehen."

Wuscher hat indes bei den Capitals eine "weitere Sonderprüfung" gestartet. Zudem wurden die Spieler informiert, dass sie ihre für die nächsten Tage versprochenen Gehälter vorerst nicht bekommen. Zwei Monate spielen die Akteure der Capitals schon ohne Salär. "Schließlich besteht nun die Gefahr, dass wir die Lizenz nicht zurückbekommen", sagte Wuscher. "Die Mannschaft hat das akzeptiert, war erstaunt über unsere Offenheit."

Trotz der neuesten Hiobsbotschaft wollen die neuen Gesellschafter der Capitals nicht aufgeben, stellte Wuscher klar. "Wir werden in die Gespräche mit der DEL ganz schnell reingehen, innerhalb von 14 Tagen wollen wir Ergebnisse." Bis dahin halte sich auch der vorläufige Insolvenzverwalter noch mit der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zurück. Immer noch nicht ist vom Untergang der Capitals die Rede. "Es besteht noch eine Aussicht, das Unternehmen zu retten." Notfalls auch unterklassig: "Es ist durchaus vorstellbar, dass wir durch ein Insolvenzverfahren gehen und dann in der Zweiten Liga spielen."

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