Sport : Platz drei für den Zweiten

Jan Ullrich muss beim Weltcup-Rennen in Hamburg den Italienern Paolo Bettini und Davide Rebellin den Vortritt lassen

Martín E. Hiller

Hamburg. Der frenetische Jubel, mit dem Jan Ullrich gestern beim Einschreiben für die HEW-Cyclassics über 253 km empfangen wurde, schien dem Zweiten der Tour de France fast schon unangenehm zu sein. „Jan, du bist unser Held“, skandierten die Menschen. Das erste Weltcup-Rennen nach der Tour in Hamburg war nicht nur der richtige Platz, um den zurückhaltenden Radsportler für seine Leistungen in Frankreich hochleben zu lassen, es war im Grunde auch der erste richtige Wettkampf seit Paris für den Hamburg-Sieger von 1997.

Ullrich sagte zwar vor dem Start, er sei „sehr froh, dass ich mit Hannover das zweite Kriterium in dieser Woche gewonnen habe“, doch auch er wusste, dass kleine Rennen wie Hannover oder Graz, das Toursieger Lance Armstrong für sich entscheiden konnte, eher dem Schaulaufen und Geldverdienen für die großen Namen der Tour gewidmet sind. Die erschöpften Wasserträger der Teams Bianchi, US Postal oder Telekom ruhen sich dagegen in den ersten Tagen nach der großen Schleife aus. Zu den Fahrern, die den Sieg im Gesamtweltcup anstreben und in Hamburg auf den Punkt fit sein wollten, gehörten der Führende in der Gesamtwertung, der Flame Peter van Petegem und seine Verfolger Michael Boogerd (Niederlande), Dario Pietri und Paolo Bettini (beide Italien). Von den ersten zehn der Weltcupwertung fehlten nur Tyler Hamilton (USA) und der Dritte von Paris, Alexander Winokurow aus Kasachstan.

Diesem Favoritenkreis sollte auch der Sieger von Hamburg entstammen: Paolo Bettini vom Team Quickstep gewann vor seinem Landsmann Davide Rebellin (Gerolsteiner) den Endspurt einer fünfköpfigen Ausreißergruppe, die sich am Wasenberg, einer der wenigen Steigungen des weitgehend im Stadtgebiet Hamburg ausgetragenen Rennens vom Feld abgesetzt hatte und nicht mehr eingeholt werden konnte. In der Gesamtwertung führt van Petegem (203 Punkte), der als 23. ins Ziel kam, nun nur noch knapp vor Bettini (200).

Den größten Applaus des Publikums heimste jedoch bei der anschließenden Siegerehrung Jan Ullrich ein. Der Wahlschweizer wurde Dritter. „Wenn ich schon am Berg so mitdrängle, dann muss ich auch versuchen, bis ins Ziel mitzuhalten. Ich freue mich sehr über den dritten Platz“, sagte Ullrich. Eine Million Zuschauer hatten sich entlang der Strecke eingefunden. „Die Zuschauer sind so fanatisch hier, da kannst du gar nicht langsam fahren“, sagte Ullrich, der nach 253 Kilometern in 5:58:20 Stunden zeitgleich mit Bettini und Rebellin ins Ziel kam. Telekom-Fahrer Erik Zabel gewann den Sprint des Hauptfeldes und sorgte mit seinem sechsten Platz für noch mehr gute Laune in der Mönckebergstraße, wo rund 50 000 Menschen die Zielankunft verfolgten.

Schließlich wurde Ullrich nach seinen Zukunftsplänen befragt. Der Dritte von Hamburg, der entlang der Strecke immer wieder „Danke, Jan“ auf dem Asphalt lesen konnte, hielt sich bedeckt. „Kann sein, ich fahre die Vuelta, kann auch sein, ich fahre die WM. Im Moment würde ich aber am liebsten nur Urlaub machen“, sagte Ullrich. „Ich bin kaputt.“

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