Platz drei in der Bundesliga : Herthas Dardaiismus

Pal Dardai möchte nicht nur einen Absturz von Hertha BSC wie in der vergangenen Rückrunde verhindern. Der Trainer der Berliner will in der zweiten Saisonhälfte vor allem: noch einmal 30 Punkte holen.

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Dank der Kurve. Nach dem Sieg über Darmstadt im letzten Spiel des Jahres 2016 verabschiedete sich Herthas Mannschaft von den Fans.
Dank der Kurve. Nach dem Sieg über Darmstadt im letzten Spiel des Jahres 2016 verabschiedete sich Herthas Mannschaft von den Fans.Foto: dpa/Gambarini

Fast sah es aus, als flüchtete Pal Dardai in die Weihnachtsferien. Entschiedenen Schrittes verschwand Herthas Trainer im nicht öffentlichen Bereich des Olympiastadions. Nicht aber, ohne seiner Mannschaft ein paar lobende Worte hinterhergerufen zu haben. „Kompliment: 30 Punkte sind nicht wenig, und sie sind nicht unverdient. Ich bin darüber glücklich“, sagte der 40 Jahre alte Ungar. Er habe seinen Spielern gesagt, sie sollten nach Hause gehen, schön essen und trinken und ein bisschen Abstand gewinnen. Am 3. Januar möchte er eine ausgeruhte und nach Erfolgen hungernde Mannschaft wieder auf dem Trainingsgelände begrüßen. Denn Dardais Ziel hat es in sich: „Wir wollen in der Rückrunde wieder 30 Punkte holen.“

Das ist doch mal eine Ansage. Gefühlt hat Hertha seit Menschengedenken keine 30 Punkte in einer Rückrunde geholt. In der zurückliegenden waren es 18. Nach Platz drei zu Weihnachten sackte Hertha bis auf Platz sieben durch und verpasste einen internationalen Startplatz. Und so fühlten sich am Ende die geholten 50 Punkte nicht so gut an, wie sie es eigentlich für eine unerfahrene Mannschaft wie Hertha waren.

Doch die Berliner haben sich erneut eine verheißungsvolle Ausgangslage erspielt. Erneut überwintert Hertha als Tabellendritter. Manager Michael Preetz sprach von einer „großartigen Runde“ und einer „fantastischen Zwischenbilanz“. Vor einem Jahr hatte Hertha 32 Punkte auf dem Konto, allerdings auch ein Spiel mehr. Bekanntlich endet die Hinserie der laufenden Bundesliga-Saison mit dem ersten Spiel im neuen Jahr, Hertha tritt am 22. Januar bei Bayer Leverkusen an.

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Rückblick auf die bisherige Bundesliga-Hinrunde
Rückblick auf die bisherige Bundesliga-Hinrunde

Den Grundstein für den Erfolg haben die Berliner im Olympiastadion gelegt. Das 2:0 gegen Darmstadt am Mittwochabend war der siebte Heimsieg im achten Heimspiel. Bei 21 geholten Punkten waren nur die Bayern besser (23), das allerdings mit einem Heimspiel mehr. Allerdings spielte auch der Spielplan der Liga den Berlinern in die Füße. Im Olympiastadion empfing Hertha nicht die stärksten Mannschaften, wie die Bayern, Leipzig oder Dortmund. Andererseits kann Hertha dann in der Rückrunde vielleicht die Auswärtsbilanz aufbessern. Mit nur neun Punkten nach 16 Spieltagen rangieren die Berliner im Mittelfeld.

„Beste Hertha? Ich weiß nicht“, meint Dardai

Ohnehin wird es für die Berliner darauf ankommen, die Rückrunde mutiger und robuster anzugehen. „Wir müssen schlau sein und gut arbeiten“, sagte Dardai. „Wir sind nicht in der Champions League und es ist nichts Besonderes, in der Winterpause Dritter zu sein“, sagte Vedad Ibisevic. Bereits vor einem Jahr hatte er vor einem Einbruch in der Rückrunde gewarnt.

„Nach dem letzten Jahr wissen wir, was zu tun ist“, sagte Preetz, der von einer Weiterentwicklung der Mannschaft sprach. Das Team ist spielerisch weiter, flexibler und hat mehr Lösungen im Vorwärtsgang. Vor allem konnten prominente Ausfälle wie die von Vladimir Darida, John Anthony Brooks und Mitchell Weiser gut kompensiert werden. „In der Rückrunde werden wir sehen, ob wir auch stressresistenter geworden sind“, sagte der Manager.

Ganz bewusst haben Manager und Trainer vor der Winterpause ein ambitioniertes Ziel ausgegeben. Summierte 60 Punkte wären eine „Hausnummer“, wie Preetz sagte. Aber die zurückliegende Rückrunde hätte eben einige Ansatzpunkte geliefert. So wolle man ganz bewusst die Messlatte und den Druck hochhalten, man werde vielleicht auch härter trainieren. Vor einem Jahr überwog letztlich die Angst, die gute Platzierung verlieren zu können, nicht jeder konnte den dritten Platz richtig einordnen. Und auch der Führung fehlte es an Führungsstärke.

Neulich ist Pal Dardai gefragt worden, ob es die beste Hertha-Mannschaft sei, die es seit vielen Jahr gegeben hat. Es sehe alles ganz ordentlich aus, sagte er, „aber beste Hertha, ich weiß nicht“. Er könne damit nicht viel anfangen. Er besitzt einen gesunden Realismus. Der Dardaiismus besagt, dass das sportliche Abschneiden auf das kollektive Zusammenspiel zurückzuführen ist. Von der individuellen Klasse ihrer Einzelspieler haben die Berliner nicht Deutschlands drittbeste Mannschaft. Die Frage wird deshalb auch sein, was etablierte Teams machen, wie Leverkusen, Schalke oder Gladbach, die vor einem Jahr hinter Hertha lagen und in der Rückrunde an den Berlinern vorbeizogen. Jetzt hat Hertha vielleicht sogar eine bessere Chance, den einen oder anderen auf Abstand zu halten.

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