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Platz drei in der Champions League : BR Volleys feiern größten Erfolg der Klubgeschichte

Vor heimischer Kulisse in der Max-Schmeling-Halle haben sich die BR Volleys am Sonntagnachmittag Platz drei in der Volleyball-Champions-League gesichert. Der Deutsche Meister aus Berlin gewann eine umkämpfte Partie gegen Belchatow 3:2.

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Die BR Volleys gewannen den Fünf-Satz-Krimi gegen Belchatow.
Die BR Volleys gewannen den Fünf-Satz-Krimi gegen Belchatow.Foto: dpa

Der Tiger kam zu spät. Das Maskottchen der BR Volleys war herbeigeeilt, doch die Berliner Volleyballer waren sich schon in die Arme gefallen und hüpften geschlossen auf und ab. Wer nicht mitsprang, fasste sich ungläubig an den Kopf oder schrie seine Freude heraus.

Wie Champions-League-Sieger feierten die Volleys, dabei hatten sie nur das kleine Finale und die Bronzemedaille in eigener Halle gewonnen. Aber das auf beeindruckende wie nervenaufreibende Art und Weise, in einem Fünf-Satz-Krimi gegen Skra Belchatow. Das 3:2 (25:21, 19:25, 25:20, 26:28, 23:21) dauerte fast drei Stunden, der hochüberlegene 3:0-Finalsieg von Zenit Kasan gegen Resovia Rszeszow begann mit deutlicher Verspätung. Die Berliner mussten daher noch länger auf die Siegerehrung und ihre Medaillen warten, aber das trübte die Freude nicht.

„Das ist unglaublich, eine Belohnung für alles, was wir uns über Jahre erarbeitet haben“, sagte Mark Lebedew. Der Trainer lief mit ebenso großen Augen herum wie seine Spieler, ließ sich von Bundestrainer Vital Heynen beglückwünschen. Die ganze Enttäuschung über die Halbfinalniederlage am Vortag gegen Kasan war grenzenloser Freude gewichen.

Die Berliner vergaben sieben Matchbälle, die Polen drei

Es war beeindruckend, mit wie viel Einsatz sich die Verlierer des Vortages in dieses kleine Finale warfen. Die Volleys hechteten jedem Ball hinterher, aber auch der Polnische Meister, der seit einem Monat in einer kleinen Formkrise steckt, gab sich nicht auf und zeigte seine ganze Klasse vor 9025 Zuschauern.

Die ersten beiden Sätze waren noch eindeutig, der erste ging an die Gastgeber, angeführt vom anfangs starken Scott Touzinsky. Im zweiten Satz antworteten die Polen, lautstark angefeuert von ihrem gelben Fanblock und am Ende auch von den Fans aus Rszezow, den polnischen Landsleuten. Die Anhänger der Volleys mussten vom Hallensprecher ständig zum Mitmachen animiert werden, doch am Ende hallten mit zunehmender Intensität auch „BRV“-Sprechchöre durch die Halle. Neben dem Feld hatten Robert Kromm, der Probleme in der Annahme hatte, und Tomas Kmet, der schon am Vortag an Wadenkrämpfen litt, auf der Bank Platz genommen. Für sie kamen Felix Fischer und Francesco de Marchi ins Spiel. Beide Reservisten zeigten starke Leistungen und entschieden den dritten Satz für die Volleys. „Ich war angepisst, dass ich vorher nicht so viel gespielt habe, da kam der ganze Frust raus“, sagte Mittelblocker Fischer später, „ich wollte zeigen, dass ich doch noch richtig Volleyball spielen kann.“ Das konnten die Polen auch, die den endlosen vierten Satz nach vergebenem Volleys-Matchball für sich entschieden. Es ging in den Tie-Break, der am Ende große Dramatik kulminierte. Die Berliner vergaben sieben Matchbälle, die Polen drei. Als die Gastgeber den achten Matchball zum 23:21 verwandelten, brach der Jubel los.

Das Final Four war vielleicht das letzte Hurra einer Spielergeneration

„Wir haben gezeigt, dass wir die Qualität haben, auf diesem Niveau zu spielen“, sagte Trainer Lebedew stolz über seine Mannschaft, die sich als Gastgeber erstmals für das Finalturnier qualifiziert hatte. Die Volleys haben aber noch weitere Ziele. „Wir werden heute nur ein bisschen feiern, denn am Donnerstag spielen wir ja schon wieder“, sagte Paul Carroll. Am Dienstag trifft sich das Team wieder, um sich auf das erste Halbfinale gegen Düren vorzubereiten. „Wir haben drei Titel gewonnen, irgendwann wollen wir Friedrichshafen als Serienmeister überholen“, sagte Fischer über den Rivalen, der zuvor sieben Meisterschaften in Folge gewann. Auch sonst ist unklar, wie es mit den Volleys weitergeht nach diesem Höhepunkt. „Das Turnier hat viel Kraft gekostet“, sagte Coach Lebedew, „aber ich habe noch ein bisschen Energie.“ Die Bronzemedaille könnte aber auch einen Schub für die Bundesliga-Play-offs geben. Und danach?

Das Final Four war vielleicht das letzte Hurra einer Spielergeneration, „die mehr ist als nur eine Familie“, wie Kapitän Scott Touzinsky sagte. „Das Budget wird nächstes Jahr leicht sinken, einige Spieler haben sich hier auf höchster Ebene präsentiert und könnten gehen.“ Paul Carroll zum Beispiel. Der Diagonalangreifer spielte ein starkes Turnier, sein Vertrag läuft nach der Saison aus. „Wir sprechen nach der Saison“, sagte Carroll. Und verschwand im orangenen Jubel um ihn herum.

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