Play-off-Finale : Eine Frage der richtigen Antwort

Die Eisbären setzen in der Best-of-five-Finalserie gegen die Düsseldorfer EG auf ihre Reaktionsstärke. Eine Qualität, die auch ihr Gegner beherrscht.

Katrin Schulze
Rob Zepp, Frank Hoerdler, Ryan Ramsay
Guten Rutsch! Die Berliner Zepp und Hördler im Tor. Düsseldorfs Ramsay davor.Foto: AP

Berlin - Wirklich verbergen konnte er seine Emotionen diesmal nicht. Ein verschmitztes Grinsen gab der sonst so regungslosen Fassade des groß gewachsenen Mannes mit dem schütteren Haupthaar einen frischen Anstrich. Und dann sprudelte es aus ihm heraus. „Ein paar Sekunden ist es mir in den Sinn gekommen, dass es schöner wäre, die Meisterschaft am Freitag in Berlin zu feiern“, sagte Don Jackson. Aber jeder Gedanke daran verbiete sich eigentlich. Natürlich. Bloß nichts planen, was sich ohnehin nicht voraussehen lässt. Das ist das Motto der Eisbären. Deshalb hätten sie wohl letztlich nichts dagegen, den großen Silberpokal heute schon in den Luft zu strecken – nach dem vierten Finalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft bei der Düsseldorfer EG (19.30, live auf Premiere).

Etwaige Feierlichkeiten in Düsseldorf sind aber noch nicht vorbereitet. Warum auch? Die Berliner sind schließlich nicht nur amtierender Eishockeymeister. Sie sind auch meisterlich im Improvisieren. In der vergangenen Saison stemmten sie von Köln aus innerhalb weniger Stunden eine spontane Sause im Berliner Sportforum. Damals holten sie ihren dritten nationalen Titel in der vierten Partie der Best-of-five-Serie. Es spricht vieles für ein ähnliches Szenario in diesem Jahr. Allen voran der Trend, denn Berliner sind mittlerweile so etwas wie Spezialisten für die zweite Auswärtspartie einer Serie: Auch in diesem Jahr entschieden die Eisbären bereits das Halbfinale gegen die Adler Mannheim für sich – im vierten Spiel.

Der Grund dafür ist ganz einfach, findet Don Jackson: „Wir sind bis zu einem gewissen Grad in der Lage, uns dem Spiel unserer Kontrahenten anzupassen.“ Wie kaum ein anderes Team lernen die Eisbären aus den Niederlagen, die sie oft im zweiten Serienspiel ereilen: Gegen Köln in der letzten Spielzeit, gegen Mannheim in dieser Saison und eben jetzt gegen Düsseldorf. „Selbst in der Hauptrunde haben wir nie mehr als zwei Spiele hintereinander verloren. Das zeichnet uns aus“, sagt Jackson. Die Schlagfertigkeit seiner Mannschaft auf dem Eis liegt vor allem an der Fernsehlust ihres Coaches. In seinem Zimmerchen spult Jackson die Bänder mit den Spielen seiner Mannschaft immer wieder ab, um die Stärken und Schwächen der Gegner auszuloten. Vor dem dritten Spiel der Best-of-five-Serie präsentierte er seinen Profis so per Video über eine Stunde lang das gefährliche Konterspiel der DEG, das die Berliner bei der zweiten Begegnung zu Fall gebracht hatte. Das Resultat: ein 5:1-Sieg der Eisbären am Montag. Antwort geglückt.

Trotz der Stärke der Eisbären warnt Jackson vor den Düsseldorfern – mehr als vor jeder anderen Mannschaft, „weil sie nach einem sehr cleveren Plan vorgehen“. Und vom Laufpensum und der Spielanlage das Beste überhaupt seien. Neben den Eisbären, versteht sich.

Der Faktor Düsseldorfer EG: Er könnte tatsächlich gegen eine Entscheidung der Finalserie in Spiel vier sprechen. Die DEG ist bislang das einzige Team überhaupt, das die Berliner in einer Play-off-Serie über die volle Distanz gefordert hat – im Halbfinale des vergangenen Jahres war das. Und auch dieses Mal erzählen die Eisbären fast gleichstimmig von den Comeback-Qualitäten des Kontrahenten. Immer wieder wird da auf die vorigen Serien der Düsseldorfer verwiesen:  Im Viertelfinale kämpften sie sich nach zwei Rückständen gegen die Krefeld Pinguine wieder zurück. Und gegen Hannover waren sie in der Vorschlussrunde im Prinzip schon so gut wie ausgeschieden, als sie quasi im Reservemodus irgendwie doch noch den Finaleinzug perfekt machten.

Aus dem  Kampf um die beste deutsche Eishockeymannschaft ist also längst auch ein Wettbewerb um das reaktions- und willensstärkste Team der Liga geworden. Ein Wettbewerb, der vor gegenseitigem Respekt nur so strotzt. Düsseldorfs Coach Harold Kreis redet – gefragt nach den Berlinern – unentwegt von der besten Mannschaft Deutschlands. Und bei den Eisbären spricht Verteidiger Brandon Smith das aus, was alle denken: „Die Düsseldorfer werden es uns sehr schwer machen.“ Doch allen Warnungen vorm Gegner zum Trotz. „Wir wollen kein einziges Spiel mehr vergeuden“, sagt Brandon Smith.

Egal, wenn die Party anlässlich des vierten Meistertitels dann erst mal nicht in Berlin steigt.

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