Play-off-Halbfinale : Alba bricht ein

Die Berliner Basketballer verlieren auch das zweite Halbfinale in Bonn 72:75 und können nun schon am Sonnabend ausscheiden. Alba führte zur Halbzeit mit elf Punkten, dann verloren die Berliner die Nerven.

Lars Richter[Bonn]
Basketball-Playoff - Telekom Baskets Bonn - Alba Berlin
Abgeblockt. Für Ansu Sesay (links) gab es kein Durchkommen.Foto: dpa

Die vor einem Jahr eröffnete Halle in Bonn ist ein Ort, der bei den Basketball-Profis von Alba Berlin gemischte Gefühle hervorruft. Im Sommer 2008 beendete der Klub mit dem permanenten Anspruch auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft dort eine fünfjährige Zeit ohne Titel und feierte nach den Seriensiegen zwischen 1997 und 2003 den Gewinn seiner achten Deutschen Meisterschaft. Eine schöne Erinnerung.

Weitaus weniger angenehm war es für die Mannschaft von Trainer Luka Pavicevic im Rheinland im Hauptrundenmatch der Spielzeit 2008/2009, denn beim 66:80 gab es die höchste Auswärtsniederlage der Bundesligasaison. Und auch beim gestrigen Besuch in Bonn gab es für die Berliner keinen Grund zur Freude: Alba verlor das zweite Halbfinale nach Verlängerung 72:75 (64:64, 42:31) und liegt nun in der Best-of-five-Serie 0:2 hinten.

Der Druck auf Alba war nach der Heimniederlage enorm

In Bonn gaben sich gestern alle gleich von Beginn an Mühe, dem Favoriten einen unangenehmen Abend zu bereiten. „Schlagt Berlin“ sangen die einheimischen Fans enthusiastisch und von der Anzeigetafel leuchtete ein pathetischer Merksatz aus dem reichen Repertoire der Sportweisheiten: „Die Hauptrunde liefert Stoff für Anekdoten, die Play-offs Stoff für Legenden.“

In der ersten Partie der Halbfinal-Serie hatten die Baskets mit ihrem 73:71 in Berlin einen Teil zur eigenen Geschichtsbildung beigetragen und den Kontrahenten unter Druck gesetzt. Alba hielt dieser Belastung nicht stand. Nun stehen die Berliner im Heimspiel am Sonnabend (20 Uhr)  in der Arena am Ostbahnhof enorm unter Druck.

Die Anfangsphase am gestrigen Abend war auf beiden Seiten von wenig gelungenen Offensivaktionen geprägt. Berlin kam nach drei und Bonn sogar erst nach fünf Minuten zu den ersten Punkten. In erster Linie Rashad Wright sorgte mit zehn Punkten im ersten Viertel für wichtige Entlastung des zuletzt sehr auf sich allein gestellten Berliner Top-Scorers Julius Jenkins.

Alba setzte auf eine physisch intensiven Verteidigung, die sich stets am Rande des Erlaubten bewegte, aber selten darüber hinausging. Das Konzept ging zunächst auf und so zog Alba nach zwölf Minuten auf 27:15 davon. Die Baskets hatten große Mühe, sich durchzusetzen und weil auch die Freiwurfquote nicht zufriedenstellend war (69 Prozent), benötigten sie Verzweiflungswürfe wie jenen von Winsome Frazier zum 22:29 in der 15. Minute – zur Pause lag Alba auch dank des diesmal besten Werfers Blagota Sekulic (insgesamt 24 Punkte) recht komfortabel mit elf Punkten in Führung.

In der zweiten Halbzeit verloren die Berliner die Nerven

Der ansehnliche Berliner Vorsprung war nach dem Seitenwechsel aber schnell wieder dahin. In der 25. Minute stand es plötzlich 45:44, weil Bonns Frazier, EJ Rowland und Brandon Bowman nacheinander ihre Dreier verwandelten. Innerhalb weniger Minuten war Alba die Souveränität aus der ersten Halbzeit wieder abhanden gekommen – ein Phänomen, das auch schon beim hart erkämpften 3:2 im Viertelfinale gegen Paderborn aufgetaucht war.

Das Spiel blieb in der zweiten Halbzeit stets knapp und war deshalb hart umkämpft. In der 38. Minute stand es 61:60, dann verloren die Berliner die Nerven. Nach einem Foul leistete sich Albas Trainer Luka Pavicevic ein Technisches Foul, er hatte sich zu heftig über die Entscheidung beschwert, was vier Freiwürfe und Ballbesitz für Bonn zur Folge hatte. Frazier verwandelte alle Versuche und die Baskets lagen erstmals vorn (64:61). Berlin konnte sich nur noch in die Verlängerung retten und musste sich dort dem kämpferisch stärkeren Gegner geschlagen geben. Die letzte echte Chance auf den Sieg hatte Dragan Dojcin mit seinem verfehlten Dreipunktewurf 2,6 Sekunden vor dem Ende vergeben.

„Es ist immer schwer in Bonn zu gewinnen. Gerade jetzt, da die Bonner Rückenwind aus dem ersten Sieg mitgenommen hatten“, sagte Sportdirektor Henning Harnisch nach dem Spiel.

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