Play-off-Halbfinale : Den kenn’ ich doch

Trainer Don Jackson trifft mit den Eisbären im Play-off-Halbfinale gegen Düsseldorf auf seinen einstigen Lehrling Jeff Tomlinson. Beide sehen den Anderen in der Rolle des Favoriten.

von
Zum Pott geht’s über Düsseldorf. 2009 stemmte Verteidiger Frank Hördler nach dem vierten Finalspiel die Meistertrophäe in die Höhe, zwei Jahre später geht’s für die Eisbären wieder zur DEG.
Zum Pott geht’s über Düsseldorf. 2009 stemmte Verteidiger Frank Hördler nach dem vierten Finalspiel die Meistertrophäe in die...Foto: ddp

Berlin - Diese eine Sache konnte ihm sein Chef nicht beibringen. Jeden Aspekt der Trainingsmethodik und sonstige Einzelheiten hat er von ihm gelernt, nur das mit der Ausgeglichenheit, das kriegt Jeff Tomlinson einfach nicht auf die Reihe. „Ich rege mich noch zu oft auf“, sagt er mit einem verhaltenen Lächeln. „Und Don bleibt immer ruhig, selbst in Extrem-Situationen, das bewundere ich.“ Don ist Don Jackson, und der zeigte seinem Assistenzcoach Jeff Tomlinson bei den Eisbären jahrelang, wie man sich als hauptverantwortlicher Trainer eines Eishockeyvereins am besten anstellt.

Jetzt muss Don Jackson beinahe hoffen, dass sich sein Schüler Jeff Tomlinson nicht zu viel von ihm abgeschaut hat, denn inzwischen hat sich der 40 Jahre alte Deutsch-Kanadier von emanzipiert und trifft als Cheftrainer der Düsseldorfer EG im Play-off-Halbfinale auf die Eisbären – und Don Jackson. Den besonderen Reiz dieses Duells versuchen die beiden Trainer erst gar nicht zu leugnen; es wäre auch ein einigermaßen hoffnungsloses Unterfangen. „Alle reden davon, natürlich ist das ein spezielles Duell“, erzählt der 54 Jahre alte Coach der Berliner. Immerhin „steht da ein Freund auf der anderen Seite hinter der Bande“.

Ein Freund? Natürlich haben sie sich angenähert, die beiden, bildeten sie in ihrer gemeinsamen Zeit bei den Eisbären doch ein recht erfolgreiches Duo. Tomlinson war in Berlin der Mann für nächtelange Videoanalysen, Jackson der Mann für die Spiele und der Mann fürs Grobe. Wenn der Puck ab dem heutigen Sonntag im ersten Akt der Best-of-five-Serie in Düsseldorf ins Spiel kommt (18.35 Uhr, live bei Sky), bleibt für Freundschaften und emotionale Anwandlungen allerdings keine Zeit. Düsseldorfs Trainer sagt: „Dann geht’s ums Gewinnen.“

Und dabei scheint es gar nicht so unmöglich, dass der frühere Assistent seinen Meister am Ende sogar seinerseits belehrt – die Bilanz jedenfalls spricht für ihn.

Gleich bei seiner ersten Anstellung als Cheftrainer hat es Jeff Tomlinson mit Düsseldorf bis auf Platz zwei der Tabelle geschafft – und landete damit einen Platz vor den Eisbären. Obendrauf kommt, wenn man die Berliner fragt, auch noch ein taktischer Vorteil. „Er kennt jeden Spieler von uns und kann das Team bestens auf uns einstellen“, sagt Kapitän Stefan Ustorf. Und tatsächlich, mit einigen Profis, die heute noch um die Meisterschaft spurten, hatte Tomlinson einst sogar zusammen gespielt, ehe er Nachwuchs- und schließlich Kotrainer der Eisbären wurde.

Trotzdem will der Düsseldorfer Tomlinson nichts wissen von einem Wettbewerbsvorteil. Ganz im Gegenteil. Nicht nur, dass Don Jackson Düsseldorf aus seiner Amtszeit als Trainer (2005-2007) dort ebenfalls kenne. Nein, die Eisbären stellen ja zudem die „beste Mannschaft Europas“. Auch das berühmte Play-off-Spielchen um das gegenseitige Weiterschieben der Favoritenrolle hat der 40-Jährige ganz offensichtlich von Jackson gelernt – wie so einiges anderes. „Er hat einige Methoden von mir übernommen“, berichtet sein ehemaliger Boss. Als Beispiel sei nur die offensive Ausrichtung des Teams genannt.

Aber auch sonst fällt es Jeff Tomlinson manchmal schwer, seinen Faible und die Zuneigung für den Ex–Klub und dessen Coach zu verbergen. „Ich freue mich, wenn einer von uns beiden ins Finale kommt“, sagt er und lacht diesmal schon ausgiebiger. „Sollten wir die Eisbären nicht schlagen können, bin ich im Finale natürlich Berliner.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar