Play-off-Start der Eisbären : Meister der Serie

Die Eisbären starten am Mittwoch gegen den ERC Ingolstadt in die Play-offs um die deutsche Eishockeymeisterschaft. Ihnen steht ein brisantes Duell bevor.

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Ab an den Puck. Frank Hördler (rechts) und seine Kollegen von den Eisbären wollen endlich mal den ERC Ingolstadt besiegen.
Ab an den Puck. Frank Hördler (rechts) und seine Kollegen von den Eisbären wollen endlich mal den ERC Ingolstadt besiegen.Foto: p-a/ City-Press

Berlin - Bestimmte Dinge lassen sich einfach nicht einstudieren. Die Play-offs zum Beispiel, dieses Serienduell Mannschaft gegen Mannschaft kann man auch mit den qualifiziertesten Profis kaum simulieren – nicht in einer Vorrunde und erst recht nicht im Training. Aber man kann trotzdem alles dafür tun, um bestmöglich vorbereitet zu sein. So wie ein paar Eishockeyspieler in Berlin, die sich in den zurückliegenden Tagen schindeten als ginge es um ihre nackte Existenz. „Es war so ziemlich die härteste Woche, die ich jemals bei den Eisbären erlebt habe“, sagt Steve Walker, und der ist mittlerweile im elften Jahr beim führenden Berliner Eishockeybetrieb beschäftigt. Er spurtete und ackerte und kämpfte zusammen mit seinen Kollegen, weil er am Ende der heute beginnenden Play-offs wieder diesen Silberpott in den Händen halten will, der für die Deutsche Meisterschaft steht.

Man sollte meinen, Steve Walker und die Eisbären wissen genau, was in den kommenden Wochen auf sie zukommt. Keine andere Mannschaft hat die Deutsche Eishockey-Liga im zurückliegenden Jahrzehnt so dominiert wie sie, keine andere Mannschaft hat so viel Erfahrung in Sachen Play-offs gesammelt. Allerdings haben die Berliner auch erleben müssen, dass selbst eine erfahrene Mannschaft wie sie verwundbar ist. Das vergangene Jahr bildete den vorläufigen Höhepunkt einer bemerkenswerten Serie, in der auf zwei Meisterjahre jeweils ein Jahr des Rückschlags folgte. Nach den Titeln 2005 und 2006 qualifizierten sich die Eisbären 2007 nicht mal für die Endrunde, nach den Triumphen 2008 und 2009 hatte sich das Unternehmen Meisterschaft 2010 bereits nach Runde eins erledigt.

Wenn es nach dem Gesetz der Serie geht, dann stünden die Eisbären im April des Jahres 2011 wieder als jubelnder Sieger auf dem Eis. Und so geben sich die Berliner in diesen Tagen auch. „Wir haben ein einziges Ziel vor Augen und das heißt Meistertitel“, sagt der Kapitän Stefan Ustorf. „Die Mannschaft brennt darauf, die Play-offs zu spielen.“ Vor allem brennt Ustorfs Mannschaft aber wohl darauf, endlich dieses ominöse Team aus Ingolstadt zu schlagen, gegen das es in dieser Saison noch kein wirksames Mittel gefunden hat.

Zwar gibt der Berliner Trainer Don Jackson bekannt, dass es ihm mal „überhaupt nichts bedeutet, die Ingolstädter noch nicht bezwungen zu haben“, dennoch ist die Bilanz natürlich ein Indiz für die Qualität des Gegners in der Viertelfinalserie – und für die etwas schwierige Spielzeit der Berliner. „Die Eisbären werden hart arbeiten müssen, um uns zu schlagen“, glaubt jedenfalls auch der Ingolstädter Coach Rich Chernomaz. Und sowieso habe er genug Erfahrung gesammelt, „um zu wissen, wie man gegen Berlin spielt“.

Diese Kompetenz ist Rich Chernomaz nicht abzusprechen, blieb er doch bislang noch in jeder Play-off-Paarung gegen die Eisbären der Gewinner: 2004 mit den Frankfurt Lions im Finale, 2007 in der Qualifikation. Die Mittel, denen sich der kantige Kanadier dabei bediente, sind den Berlinern noch in bester Erinnerung. „Ich hoffe, dass unsere jungen Spieler nicht wackeln, wenn der eine oder andere ihnen mal mit einem blöden Spruch kommt“, sagt Hartmut Nickel, aber nicht nur deshalb geht der Berliner Kotrainer von einer „haarigen Angelegenheit“ aus.

Wie ungewiss der Ausgang des Duells ist, erkennt man schon alleine daran, dass sich beide Parteien in feinster Endrunden-Rhetorik die Favoritenrolle gegenseitig zuschieben. „Wir sind diesmal der Außenseiter, damit müssen wir umgehen können“, sagt Steve Walker. „Die Eisbären sind im Vorteil, weil sie schon sehr lange in der Konstellation zusammenspielen. Sie wollen beweisen, dass sie wieder die Besten sind“, sagt Rich Chernomaz.

In Wirklichkeit geht es für die Eisbären diesmal sogar um mehr als den Pokal. Neben Trainer Don Jackson, der in dieser Spielzeit nicht mehr unumstritten war, spielen auch einige Profis in der Endrunde um ihre Zukunft – und um neue Verträge. Das könnte die Spieler zusätzlich anspornen, auch wenn das dem Kapitän zufolge gar nicht mehr nötig ist. Stefan Ustorf sagt: „Wer zu dieser Jahreszeit nicht motiviert ist, kann zu Hause bleiben.“ Bei den Eisbären Berlin jedoch bleibt zum Play-off-Start niemand daheim. Sie sind – bis auf den Langzeitverletzten Denis Pederson – komplett. Und austrainiert wie lange nicht.

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