Play-off-Start : Meister! Was sonst?

Die Eisbären gehen mit großem Erwartungsdruck in das erste Play-off-Spiel gegen die Hamburg Freezers. Alle Konkurrenten sehen die Berliner in der Favoritenrolle.

Katrin Schulze
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Duell der Gegensätze. Freezers gegen Eisbären.Foto: dpa

Ungewissheit kann quälend sein. Für die Eisbären Berlin war sie in den vergangenen zwei Wochen vor allem aber auch anstrengend. Dass der Klub so lange wie kein anderer auf den Viertelfinalgegner für die Endrunde um die deutsche Eishockey-Meisterschaft warten musste, hatte besonders für Kotrainer Hartmut Nickel unangenehme Nebenwirkungen: Gleich drei ausführliche Pläne für die potenziellen Kandidaten fertigte er an. Das Pamphlet über Augsburg verlor am Montag seine Gültigkeit. Der zweite Plan für Frankfurt: zerrissen. Seit Mittwoch steht fest: Die Eisbären treffen auf die Hamburg Freezers. Genauer gesagt treffen sie wieder auf die Hamburg Freezers. Schon im vergangenen Jahr spielten beide Teams in der ersten Play-off-Runde gegeneinander – unter nahezu identischen Voraussetzungen wie in dieser Saison.

Schon 2008 kam es zu diesem Viertelfinal-Duell

Auch damals qualifizierten sich die Hamburger erst im letzten Spiel für die Runde der letzten Acht, während sich die Berliner fast zwei Wochen erholen durften. Den rhythmischen Vorteil wandelten die Freezers damals im ersten Spiel in einen Sieg um. „Natürlich hat man das im Kopf“, sagt Eisbären-Stürmer Stefan Ustorf vor der heutigen Auftaktpartie der „Best-of-seven“-Serie (19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof). „Es ist eben nicht einfach, nach so einer langen Pause richtig in Schwung zu kommen.“ Ustorfs Wortwahl kommt einem bekannt vor – sie hat verdächtige Ähnlichkeit mit der Rhetorik der vergangenen Spielzeit.  Es ist ein bisschen so, als befänden sich die Berliner in einer Zeitschleife. Als wäre das alles nur eine Neuauflage der vergangenen Saison.

Und doch hat sich etwas Entscheidendes verändert: die Erwartungshaltung. Im ersten Jahr unter Coach Don Jackson spielten die Eisbären befreit auf und holten sich die Meisterschaft nach einer verkorksten Vorsaison mit einer Mischung aus jugendlicher Aufsässigkeit und starkem Willen. In diesem Jahr hingegen galten sie von Beginn an als Topfavorit und waren daher mit einer „total veränderten Ausgangslage“ konfrontiert, sagt Jackson. „Jedes Team sieht in uns die große Herausforderung und bereitet sich besonders hart auf uns vor.“

Ustorf steht vor seinem Comeback

Doch die Eisbären können damit umgehen, dass sie inzwischen so etwas wie das Bayern München des deutschen Eishockeys sind. „Wir empfinden keinen zusätzlichen Druck, weil wir Favorit sind“, sagt Ustorf. Der 35-jährige Angreifer verkörpert die Einstellung seiner Mannschaft wie kaum ein anderer. Heute wird er wohl trotz eines Kieferbruchs, des Verlusts von sieben Zähnen und eines deutlich eingeschränkten Artikulationsvermögens auflaufen – ein spezielles Gitter am Helm macht’s möglich. Somit fehlt den Berlinern voraussichtlich nur Richie Regehr (Unterleibsverletzung).

Dass Jackson im Gegensatz zum vergangenen Jahr zunächst auf fast alle Profis in den Play-offs zurückgreifen kann, schmälert die Erwartungen an seine Mannschaft nicht unbedingt. Alles andere als der Meistertitel wäre für die Eisbären ein Rückschlag. Die Fallhöhe ist hoch. Auch für den Trainer, der immer noch keinen Vertrag für die kommende Spielzeit unterzeichnet hat. Jackson muss sich nun an seinen Aussagen messen lassen. „Wir wollen beweisen, dass wir das beste Team der Liga sind“, sagt er. Und: „Ich bin sicher, dass wir dem gerecht werden können.“

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