Play-offs : Alba Berlin: Kein Gedanke an die Apokalypse

Alba Berlin beschäftigt sich vor dem Play-off-Endspiel heute Abend gegen Paderborn nicht mit einer Niederlage. Für den Deutschen Meister 2008 zählt nur die erfolgreiche Titelverteidigung.

Helen Ruwald,Lars Spannagel
BBL 09 09 - Paderborn Baskets vs. Alba Berlin
Schwerer Gang. Alba Berlins Basketballer.Foto: nordphoto

BerlinBerlin - Wer auf Alba Berlins Homepage klickt, sieht geballte Fäuste, jubelnde Fans, in letzter Sekunde abgeblockte Bälle und toll herausgespielte Körbe. Der Schriftzug „3 Runden, 9 Siege, ein Team“, springt dem Leser entgegen und dazu das Play-off-Motto der Basketballer: „Ein Team. Ein Ziel.“ Für den Deutschen Meister 2008 zählt nur die erfolgreiche Titelverteidigung, das hat er sehr offensiv von Saisonbeginn an kundgetan. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung – doch heute kann es dazu kommen. Auf der Startseite der Homepage lag Alba im Play-off-Viertelfinale gegen Paderborn gestern Nachmittag noch mit 2:1 in Führung, doch die Realität sah längst anders aus. Nach Paderborns 85:80-Sieg am Dienstagabend zum 2:2 muss Alba das fünfte Aufeinandertreffen heute Abend unbedingt gewinnen (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof), um ins Halbfinale gegen Bonn einzuziehen.

Eine Niederlage bedeutet das frühe Saisonende. Nach dem Pokalsieg und dem Einzug in die Zwischenrunde der Europaliga mit streckenweise begeisternden Auftritten würde sich das Team monatelange Arbeit über Nacht kaputtmachen.

Alba vor dem Aus? Geschäftsführer Marco Baldi musste sich gestern stundenlang von allen Seiten „apokalyptische Szenarien“ anhören. „Lasst uns doch erst einmal spielen“, fordert er. Was das Aus bedeuten würde, damit will er sich erst beschäftigen, wenn es tatsächlich so weit ist. „Ich weiß nicht, ob es eine Wild Card gibt, und ich weiß nicht, wo wir im Europa-Ranking stehen“, behauptet Baldi. Fakt ist: Nur der Deutsche Meister qualifiziert sich für die Europaliga, die Alba allerdings eine von zwei Wild Cards für die kommende Saison spendieren könnte. Sollte Alba heute verlieren, würden die Berliner maximal auf den zweiten Platz des Europa-Rankings der Bundesliga abrutschen. Die in dieser und der vergangenen Saison gewonnen Punkte garantieren Alba einen Platz im Eurocup, dem zweitwichtigsten kontinentalen Wettbewerb.

Dort allerdings könnte man kaum mehr so viele Fans in die Großarena locken wie in dieser Europaliga-Saison. Mehr als 11 000 Zuschauer kamen im Schnitt – mehr als zu jedem anderen Europaligateam. Der Umzug von der Max-Schmeling-Halle in die neue Arena im vergangenen Sommer sollte einhergehen mit dem sportlichen Aufstieg in Europa. Dieser wäre nach nur einem Jahr zunächst einmal unterbrochen.

Zuletzt ist Alba 2007 im Viertelfinale gescheitert, mit 0:3 Niederlagen an Quakenbrück. Trainer Henrik Rödl musste gehen, Luka Pavicevic kam und brachte den Erfolg zurück. Dafür, dass die Berliner auch heute zum Erfolg zurückfinden, spricht ihre Heimstärke: In der Bundesliga verloren sie nur ein Heimspiel, gegen Bamberg. Allerdings stehen die Berliner unter enormem Druck, während Paderborn laut Trainer Doug Spradley schlicht „ganz viel Spaß“ haben will. Für die Baskets ist es schon ein Riesenerfolg, Alba in ein fünftes Spiel gezwungen zu haben.

Baldi wehrt sich nicht gegen die Favoritenrolle des stärker besetzten Hauptrundenersten gegen den Tabellenachten, pocht aber darauf, „dass nicht Millionarios gegen wackere Paderborner spielen, die gerade die Insolvenz überstanden haben“. Die Westfalen, die in Finanznot stecken, seien stärker als Platz acht vermuten lasse, „das ist ein Team mit viel Qualität“. Am Dienstag traf Spradleys Team von Beginn an äußerst sicher, nach einem 16:0-Lauf der Gastgeber gelang es Alba nicht mehr, das Selbstbewusstsein der Paderborner zu erschüttern. Mit mehr als 64,4 Prozent lieferten die Baskets eine überragende Trefferquote, die 20 Prozent über ihrem Saisondurchschnitt lag.

Albas Trainer Luka Pavicevic musste anerkennen, dass Paderborn „mit viel Intensität gespielt“ hatte. „Wir haben den Baskets nicht den nötigen Respekt entgegengebracht“, sagte Pavicevic. Damit hat sich sein Team ein Endspiel eingehandelt, in dem es um alles oder nichts geht. „Wir alle können unter Druck stark spielen“, sagt Center Adam Chubb. Hat er denn gar keine Zweifel? So sei es nicht, sagt Chubb, aber die dürfe man nicht an sich heranlassen, sonst würde man unruhig. „Wir müssen einfach aufs Feld gehen und spielen.“ Und siegen.

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