Play-offs im Basketball : Alba: Wenig Leib und wenig Seele

Alba Berlin benötigt im zweiten Viertelfinalspiel am Mittwoch Leistungssteigerung, sonst könnte die Play-off-Serie zwischen Bayern München und Berlinern schon im dritten Spiel am Sonntag in München beendet sein.

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Wieder zu spät. Albert Miralles (r.) greift in der Verteidung gegen Bayerns Tyrese Rice ins Leere.
Wieder zu spät. Albert Miralles (r.) greift in der Verteidung gegen Bayerns Tyrese Rice ins Leere.Foto: dpa

Es war nicht ganz klar, was Steffen Hamann gemeint hat, als er sagte: „An den unschönen Aktionen auf Seiten der Berliner haben wir gesehen, worauf wir uns am Mittwoch einstellen können.“ Womöglich hatte sich der Basketball-Nationalspieler von Bayern München an der Schlussszene gestört, in der Heiko Schaffartzik von Alba Berlin so tat, als wollte er die Spieluhr bis zur Schlusssirene herunterlaufen lassen – und dann doch noch zu einem für das Endergebnis völlig bedeutungslosen Korbleger ansetzte. Noch mehr aber empörte sich Heiko Schaffartzik, der bei dieser Aktion von Chevon Troutman klar gefoult wurde – und trotzdem keinen Pfiff erhielt. Die Schiedsrichter hatten ihren Dienst einige Sekunden vor dem offiziellen Ende offenbar schon eingestellt.

Schaffartzik eilte von Schiedsrichter zu Schiedsrichter, weil er gar nicht fassen konnte, dass dieses Foul an ihm ungesühnt bleiben sollte. Doch vielleicht kann er sich ein bisschen Wut noch für das zweite Viertelfinalspiel am Mittwoch aufsparen. Dann würde die Einstellung besser zum offiziellen Play-off-Motto von Alba Berlin passen: Mit Leib und Seele. Bei der Niederlage (67:88) im ersten Play-off-Viertelfinalspiel in München boten die Spieler von Alba Berlin spätestens in der zweiten Halbzeit nur wenig Leib und wenig Seele.

Schon in der Anfangsminute war offensichtlich, welche Mannschaft heißer war. Zweimal klaute Bayernspieler Steffen Hamann den Ball und kam zu leichten Punkten. In der zweiten Halbzeit ging Alba unter. „Wir haben unter Druck nicht immer besonders gut reagiert“, sagt Albas Trainer Sasa Obradovic, „das dritte Viertel war sehr schlecht von uns, wir haben den Schlüssel der Bayern nicht mehr stoppen können: die Fastbreak-Punkte.“ Während die Bayern 40 Minuten lang hochprozentig (54,9 Prozent) trafen, sank die Quote der Berliner (38,5 Prozent) deutlich ab. „Alba hat gemerkt, dass heute bei uns nicht viel zu holen ist“, sagte Steffen Hamann.

Im zweiten Viertelfinalspiel am Mittwoch wird es einer deutlichen Leistungssteigerung der Berliner bedürfen, sonst könnte die Play-off-Serie zwischen dem Tabellenvierten München und dem Fünften Alba nach dem Modus „Best of five“ schon im dritten Spiel am Sonntag in München beendet sein. 10 000 Karten sind für das für die Berliner Basketballer so vorentscheidende Spiel bereits vergriffen. „Der Druck liegt jetzt bei uns“, sagte Albas Centerspieler Yassin Idbihi, der auf acht Punkte und drei Rebounds kam. „Wir müssen gewinnen, dann wird es wieder eine Serie.“

Aus der doch beeindruckenden Höhe des Sieges wollte kein Akteur eine besondere Bedeutung ziehen. „Ob wir jetzt mit einem Punkt oder mit 20 gewinnen“, sagte Steffen Hamann, „es steht 1:0, da ändert sich nichts.“ Und auch Yassin Idbihi sagte: „Glücklicherweise ist es in einer Serie egal, wie hoch man verliert.“ Möglicherweise haben die Schiedsrichter, die das letzte Foul nicht mehr pfeifen wollten, ebenso gedacht. Am Mittwochabend in Berlin wird das sicherlich wieder ganz anders sein.

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