Play-offs in der Volleyball-Bundesliga : BR Volleys: Der letzte Versuch

Volleys-Trainer Serniotti will sich nicht mit einer Niederlage gegen Friedrichshafen aus Berlin verabschieden.

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Dickes Brett. Roberto Serniotti hat Friedrichshafen bisher noch nicht entschlüsselt – umso motivierter ist er vor dem nächsten Duell am Mittwoch. Foto: imago/Conny Kurth
Dickes Brett. Roberto Serniotti hat Friedrichshafen bisher noch nicht entschlüsselt – umso motivierter ist er vor dem nächsten...Foto: imago/Conny Kurth

Es war eine besondere Überraschung, die Roberto Serniotti zu seinem 55. Geburtstag bekam. Als der Trainer der BR Volleys am Montag mit seiner Mannschaft vom Final Four der Champions League in Rom zurückkehrte nach Berlin, erwarteten ihn einige Volleys-Fans am Flughafen Schönefeld – sie sangen ihm ein Geburtstagsständchen und schenkten ihm Blumen. Serniotti war davon sichtlich gerührt, er filmte die singenden Fans sogar mit seinem Smartphone.

Der Italiener nahm den Auftritt des Volleys-Anhangs als eine willkommene Ablenkung an. Nach dem laut Serniotti „intensiven Finalwochenende“ mit den beiden Spielen gegen den alten und neuen Champions-League-Sieger Zenit Kasan im Halbfinale und gegen das italienische Spitzenteam Civitanova im Spiel um Platz drei bleibt derzeit kaum eine ruhige Minute, um alles Revue passieren zu lassen. Denn an diesem Mittwoch steht für die Berliner in der Max-Schmeling-Halle das nächste wichtige Spiel an: die zweite Partie der Play-off-Finalserie um die deutsche Meisterschaft gegen den VfB Friedrichshafen (19.30 Uhr/live auf sportdeutschland.tv).

„Wir wollen verhindern, dass Friedrichshafen in Berlin die Meisterschaft feiert"

Es könnte das letzte Spiel der Saison sein. In der Serie Best of three liegen die Volleys mit 0:1 zurück. Verlieren sie also ihr Heimspiel, würden die Friedrichshafener ihnen nach dem Pokal auch diesen Titel wegschnappen.

Dieses Szenario will Serniotti auf gar keinen Fall erleben. „Wir wollen verhindern, dass Friedrichshafen in Berlin die Meisterschaft feiert. Dazu müssen wir nun alle Energie mobilisieren“, sagt er. Allerdings muss seine Mannschaft dann auch eine komplett andere Leistung zeigen als beim ersten Finalduell vor zehn Tagen am Bodensee. Da schwächelten die Berliner im Aufschlag, hatten große Probleme in der Annahme – und waren beim 0:3 absolut chancenlos.

Selbst nach den erhebenden Erfahrungen in Rom gegen Europas Topteams gibt Diagonalangreifer Paul Carroll daher zu: „Es ist hart, nicht mehr an das 0:3 in Friedrichshafen zu denken.“ Von all den fünf Niederlagen, die die Berliner in dieser Saison bisher gegen die Mannschaft von Trainer Vital Heynen hinnehmen mussten, war die letzte die deutlichste. Das bereitet auch Carroll Kopfzerbrechen. „Diese Saison haben wir gegen jedes Team unglaublich gut gespielt, nur nicht gegen Friedrichshafen“, sagt der Australier. „In der Champions League haben wir den richtigen Ansatz: Wir spielen frei auf – und zeigen unser bestes Volleyball. Wir brauchen diesen Ansatz am Mittwoch auch gegen Friedrichshafen.“

Serniotti wurde zuletzt von Niroomand kritisiert

Bislang zeigten sich er und seine Teamkollegen jedoch immer gegen den VfB besonders dünnhäutig. „Wenn wir gegen Friedrichshafen mal ein paar Punkte verlieren, wird der Trainer nervös, das Team verändert gleich etwas und wir finden keinen Rhythmus“, betont Carroll.

Auch wegen seiner Taktiken und Wechsel in Spielen gegen Friedrichshafen musste sich Serniotti zuletzt immer mal wieder Kritik von Kaweh Niroomand anhören. Der Manager der Volleys war mit einigen Entscheidungen des Trainers beim Champions-League-Halbfinale gegen Kasan ebenfalls nicht einverstanden. So deutet vieles darauf hin, dass Serniotti nach dieser Saison nicht mehr Trainer in Berlin sein wird, zumal ihm auch schon Angebote aus Polen vorliegen sollen. „Ich werde über meine Zukunft in Berlin erst nach der Saison sprechen“, sagt Serniotti. „Es ist eine schwierige Situation für mich – ich mag es auch nicht.“ Zu anderen Interessenten ergänzt er nur: „Ich habe bisher noch keinen richtigen Vertrag unterschrieben. Aber ich glaube, ich werde Trainer eines anderen Vereins sein.“

Ein Titel zum Abschied?

Vor dem Final Four hatten Serniottis Schilderungen bei einem Medientermin schon fast etwas Bilanzierendes. Er sprach davon, wie sehr er besonders den Auswärtssieg in Moskau in der Champions League genossen habe. Eine der besten Erfahrungen seiner Trainerkarriere sei dies gewesen, sagte er – und dass er diese Mentalität der Mannschaft unbedingt noch einmal sehen möchte.

Umso mehr treibt ihn nun die Motivation an, sich mit einem Titel zu verabschieden. Nachdem er die Volleys in der vergangenen Saison zum Triple geführt hatte, schaffte er es nun zwar wieder in die Finals – und in der Champions League mit Platz vier auch deutlich weiter als die Berliner erwartet hatten –, doch dass er bisher Friedrichshafen und Heynen nicht entschlüsseln und bezwingen konnte, will er nicht auf sich sitzen lassen. Eine Niederlage im letzten Heimspiel empfände Serniotti zudem als sehr schmerzhaft.

All dem Druck begegnet er aber mit Gelassenheit: „Wir haben oft genug gegen Friedrichshafen gespielt und wissen, was uns erwartet. In diesem Duell gibt es so gut wie keine Geheimnisse mehr.“

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