Sport : Playback und Plastikbecher Bei der Eröffnungsfeier

wirkt vieles bescheiden

Stefan Hermanns

Frankfurt am Main - Joseph Blatter erlebte gestern eine ungewohnte Situation: Der Präsident des Weltverbandes Fifa und damit die mächtigste Figur im internationalen Fußball scheiterte bei dem Versuch, sich Gehör zu verschaffen. Das lag weniger daran, dass einige Fans im Frankfurter Waldstadion pfiffen, als Blatter auf dem Rasen vorgestellt wurde, auch nicht daran, dass die Anhänger der heimischen Eintracht während der Rede des Fifa-Präsidenten an den geglückten Aufstieg ihres Teams erinnerten („Nie mehr Zweite Liga!“), sondern daran, dass Blatter über die Lautsprecheranlage des neuen Stadions kaum zu verstehen war, als er in Frankfurt den Confed-Cup feierlich eröffnete.

Als gut 200 Kilometer weiter nördlich mit dem Spiel zwischen Argentinien und Tunesien der sportliche Auftakt des Turniers gerade zu Ende gegangen war, folgte in Frankfurt die offizielle Zeremonie zum Beginn des Confed-Cups, eine sehr zurückgenommene Eröffnungsshow, die laut offiziellem Zeitplan wenig mehr als eine Viertelstunde (19.51.00 Uhr bis 20.06.40 Uhr) dauern sollte. Im Vergleich zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr ist eben alles ein bisschen bescheidener. Man muss schon eine Menge Symbolik bemühen, um den Balanceakt des Seiltänzers David Dimitri in 22 Meter Höhe über dem Spielfeld als Ausdruck für die hochfliegenden Pläne des Fifa-Chefs Blatter zu werten, der den Confed-Cup immer noch als sportliches Größtereignis zu verkaufen versucht.

Ein bisschen soll dieses Turnier auch so sein wie der große Bruder Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Deshalb gibt es einiges, was es bei einem Bundesligaspiel nicht gibt: Der Stadionsprecher macht seine Ansagen zuerst auf Englisch, das komplette Spiel wird auf den Videowänden im Stadion gezeigt. Auch die Durchkommerzialisierung des Spiels hat schon fast weltmeisterliche Züge. Selbst die Münze, die der Schiedsrichter zur Seitenwahl wirft, freut sich über einen eigenen Sponsor. Und trotzdem tut dieser Cup manchmal eben doch nur so, als ob … Zur Eröffnungszeremonie war das Orchester der Oper Frankfurt zwar in vollem feierlichen Ornat im Stadion erschienen, Ravels Bolero, die Begleitmusik für Dimitris Spaziergang über das Hochseil, kam aber nur vom Band. So ähnlich war es auch an den Verpflegungsständen im Stadion. Das vermeintlich frisch gezapfte Bier wurde aus Flaschen in die Plastikbecher eingeschenkt.

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