Sport : Playstation und Golfplatz

Bei den Eisbären müssen zwei Generationen miteinander spielen – was nicht immer einfach ist

Claus Vetter

Berlin - Als die Eisbären zum heutigen Auswärtsspiel in Kassel aufbrachen, bot sich im Innern des Mannschaftsbusses die gewohnte Sitzordnung. „Früher hockten die Spieler nach Nationalitäten sortiert zusammen“, erzählt Manager Peter John Lee. In dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gebe es aber ein anderes Kriterium für Cliquenbildung. „Das Alter“, sagt Lee. „Wen wundert es“, sagt Sven Felski, „schließlich fehlt bei uns das Mittelfeld.“ Von der Altersstruktur her gesehen natürlich.

Stürmer Felski wird bald 31 Jahre alt. Damit gehört er bei den Berlinern zur Fraktion der sechs Spieler, die das 30. Lebensjahr vollendet haben. Dahinter klafft eine Lücke. Es gibt nur noch zwei weitere Profis, die älter als 23 sind. Ein großer Teil der anderen ist noch im Teenageralter. Das ist nicht immer einfach, sagt Felski, ist doch die Interessenslage außerhalb des Eishockeys sehr unterschiedlich. Väter und Teenager haben eben andere Hobbys: „Playstation spiele ich nicht mehr.“ Felskis Kollege Denis Pederson, 30 Jahre alt, findet die Konstellation im Team „merkwürdig“, wie er sagt. „So etwas habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt. Mehr Balance würde uns gut tun, vielleicht spielt mancher junge Spieler schon eine Liga zu hoch.“

Der Saisonstart der verjüngten Mannschaft ist mit einer Niederlage und einem Sieg aber ordentlich gewesen. Auch weil der erst 17-jährige Marcel Müller ein Tor geschossen hat. Müller sagt: „Für uns Jüngere ist das bei den Eisbären ideal, wir können viel lernen von den Älteren.“ Und zum Golfen hätten die erfahrenen Profis ihre jungen Kollegen auch schon mitgenommen. Warum nicht, findet Sven Felski. „Normalerweise hast du drei junge Spieler im Team, um die kann sich der Trainer kümmern. Wenn es aber so viele sind wie bei uns, musst du als älterer Spieler helfen. Nicht nur im Spiel.“

Das hört sich fast schon zu harmonisch an. Gibt es hier und da nicht doch einmal einen Generationenkonflikt bei den Eisbären? Regt sich mancher erfahrenere Profi nicht auf, wenn ein 17-Jähriger wie Müller nach einem Tor von den Medien mit Lob überschüttet wird? „Nein, bei uns regt sich keiner auf“, sagt Lee. Dann zögert der Manager ein wenig. „Wir haben Glück, dass die älteren Spieler alles ordentliche Jungs sind, da dreht keiner durch.“ Und doch sehnen sich die „ordentlichen Jungs“ noch nach zwei, drei älteren Kollegen, wie Pederson sagt: „Dann wären wir konkurrenzfähiger.“

Natürlich sei die jetzige Konstellation nicht einfach, gibt Trainer Pierre Pagé zu. „Aber wir wollen nicht nur gewinnen, sondern auch junge Spieler in ihrer Entwicklung unterstützen.“ Da ist eine straffe Sitzordnung im Mannschaftsbus noch das geringste Problem. Die Arbeit mit einer jungen Mannschaft sei aufwändig, bringe manche schlaflose Nacht mit sich. „Aber dass nun viele Menschen in unserem Umfeld erfahrene Ausländer als Verstärkung fordern, verstehe ich trotzdem nicht“, sagt Pagé. Dieselben Leute hätten nach dem Abstieg der Nationalmannschaft bei der WM gefordert, dass mehr für den deutschen Nachwuchs getan werden müsse. „Und wir machen das nun“, sagt Pagé. „Was also ist verkehrt daran?“

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