Sport : Plötzlich prominent

Friedrichshafens Volleyballer sind die besten Europas

Felix Meininghaus

Berlin - Stelian Moculescu hat rund 40 Titel im Volleyball gesammelt, seit er bei den Olympischen Spielen 1972 in München aus Rumänien geflüchtet ist – als Spieler, Spielertrainer und Trainer. Ein großer internationaler Triumph war dem Mann, der aktuell die deutsche Nationalmannschaft und den Serienmeister VfB Friedrichshafen trainiert, aber bislang nicht vergönnt. Bis Sonntag. An diesem Tag haben die Friedrichshafener in Moskau die Champions League gewonnen. Im Finale schlugen sie vor 14 000 Zuschauern das favorisierte Team von Tours VB (Frankreich) mit 3:1 und sicherten sich damit den wichtigsten Vereinstitel des Kontinents.

Es ist der größte Erfolg, den jemals ein deutscher Klub verbuchen konnte. 1990 hatte der Moerser SC den CEV-Pokal - vergleichbar dem Uefa-Pokal im Fußball - gewonnen, 1964 holte der SC Leipzig den Europapokal der Landesmeister. Nun also der VfB Friedrichshafen: Als der VfB den Matchball verwandelt hatte, vollführte Moculescu, immerhin schon 56 Jahre alt, den „Diver“ in angedeuteter Klinsmann-Manier.

Viermal hatte Moculescu seine Klubs aus Dachau und Friedrichshafen in die Champions-League-Endrunde geführt, zum Gewinn hatte es nie gereicht. Nun krönte er sein zehnjähriges Wirken bei einem Klub, den er in Deutschland mit sieben Meisterschaften und neun Pokalsiegen zum unumschränkten Branchenführer gemacht hat. Moculescu stellte nach dem triumphalen Ende in Moskau bewegt fest: „So etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben.“ Er empfand auch eine „besondere Genugtuung“ darüber, die italienische und französische Konkurrenz, die auf Klubs aus Deutschland oft mit Geringschätzung herabschaut, auf die Plätze verwiesen zu haben.

Herausragend war beim VfB Diagonalangreifer Jochen Schöps, der zum wertvollsten Spieler gewählt wurde und längst die Begehrlichkeiten der reichen italienischen Klubs geweckt hat. „Wir haben die beste Mannschaft Europas, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen“, frohlockte Thorsten Endres, Geschäftsführer der Deutschen Volleyball-Liga (DVL). Kurios mutet dabei an, dass sich der VfB derzeit in der Liga schwerer tut als auf internationalem Terrain. Nach Niederlagen gegen Wuppertal, SC Charlottenburg und Düren konnte sich die Mannschaft erst auf der Zielgeraden als Spitzenreiter für die anstehenden Play-offs qualifizieren. Kotrainer Ulf Quell hat dafür Verständnis, „weil du als Spieler im Kopf immer deine Prioritäten setzt, ob du willst oder nicht“.

Für Werner von Moltke, den Präsidenten des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), war der Sieg von Moskau ein Meilenstein. „Dieser Titel bringt uns bei unseren Bemühungen, uns international prominenter zu positionieren, unheimlich weit nach vorn“, sagte von Moltke, „man nimmt uns in Europa jetzt ganz anders wahr“. Für Torsten Endres sind die Spieler weiterhin in der Pflicht, „denn nur wenn wir dauerhaft solche sportlichen Erfolge erzielen, können wir mit der Vermarktung nachziehen“.

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