Sport : Podolski? Makaay!

Bei den Bayern beginnt der WM-Star auf der Bank, der Holländer erzielt beim 2:0 über Dortmund das erste Tor der neuen Saison

Daniel Pontzen[München]

Der vermeintliche Hauptdarsteller musste sich mit einem sehr überschaubaren Auftritt begnügen. Rund zweieinhalb Minuten nach Dienstbeginn reichte er am Freitagabend dem Schiedsrichter die Hand, winkte dem Publikum zu und stapfte auf direktem Weg Richtung Kabine. Lukas Podolski, das große Versprechen für die Zukunft des Bayern-Sturms, war nur Randfigur bei Münchens 2:0-Sieg zum Bundesliga-Auftakt gegen Borussia Dortmund. Ganz im Gegensatz zu einem Sturmkollegen, der beinahe schon zur Vergangenheit des FC Bayern gezählt hätte: Roy Makaay. Er erzielte den Führungstreffer, war ständig torgefährlich und erfüllte nebenbei eine völlig ungewohnte Aufgabe mit Bravour.

Vor dem Anpfiff waren viele Beobachter vor allem auf den Auftritt des neuen Angriffsduos Podolski/Makaay gespannt gewesen. In den letzten vier Testspielen der Bayern hatte es die deutsch-niederländische Zweckgemeinschaft auf eine kumulierte Trefferzahl von null gebracht und angesichts der ähnlichen Spielweise der Partner die Frage aufgeworfen, ob diese Sturmformation überhaupt erfolgreich harmonieren könne.

Das Spiel gab keine Antwort darauf, Podolski schaute seinen neuen Kollegen 88 Minuten lang von außen zu, „weil ich glaube“, so Trainer Felix Magath, „dass er jetzt noch nicht in der Verfassung ist, um uns weiterzuhelfen. Lukas war nach der Rückkehr von der WM erst am kürzesten im Training.“ Dass die gleichzeitig mit Podolski zurückgekehrten Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger spielten (und dabei nur drei Tage nach dem desaströsen 0:3 im Test gegen 1860 München verblüffend vital wirkten), hing vor allem mit fehlenden Alternativen auf ihren Positionen zusammen. Im Angriff dagegen hatte Magath trotz des verletzungsbedingten Fehlens von Claudio Pizarro mit Santa Cruz eine weitere Option, die er der Variante Podolski/Makaay vorzog. Wann Podolski als vollwertige Kraft für die Startformation in Frage kommt, mochte Magath nicht vorhersagen: „Weiß ich noch nicht.“

Aufmunterung erhielt Podolski vom Mann des Abends. „Mit Roque spiele ich seit drei Jahren zusammen, mit Lukas gerade mal drei Wochen“, sagte Roy Makaay. Die Laufwege des Paraguayers kenne er wie im Schlaf, und es sei „nur eine Frage der Zeit, bis das mit Lukas genauso gut funktioniert.“

Dass Makaay kurz vor Mitternacht noch jene Rolle des Trostspenders zuteil wurde, war die fraglos erstaunlichste Pointe des Auftaktabends. In den vergangenen Wochen hätte der Holländer selbst Zuspruch vertragen können. Die angestrebte Verpflichtung Ruud van Nistelrooys ließ sich aus seiner Sicht kaum als Vertrauensbeweis vonseiten der Klubführung interpretieren. Ehe ihm Manager Uli Hoeneß nun das Prädikat „überragend“ verlieh, hatte er den Stürmer noch wenige Tage zuvor daran erinnert, gefälligst mehr auf dem Platz zu arbeiten.

Wie jüngst aus dem Verein drang, hätten die Bayern-Bosse im Sommer durchaus Bereitschaft gezeigt, den Niederländer bei einem passablen Angebot abzugeben. Doch angeblich habe es nur Offerten im niedrigen einstelligen Millionenbereich gegeben, was angesichts der 18,75 Millionen Euro, die die Bayern vor drei Jahren für ihn an La Coruña überwiesen, ein herbes Minusgeschäft bedeutet hätte.

So war es wohl auch den Gesetzen der konservativen FC-bayerischen Finanzpolitik geschuldet, dass es zu diesem ersten Mittelfeldexperiment der Nach-Ballack-Ära kam: Makaay spielte leicht zurückgezogen hinter Santa Cruz, wich regelmäßig auf die Außen aus, bot sich zum Direktspiel an und schlug Flügelwechsel. „Das hat ganz gut geklappt“, befand Makaay, zumal ihn die neue Aufgabe kräftemäßig nicht daran hinderte, immer wieder in die Spitze zu stoßen und den Abschluss zu suchen – wie schon nach 25 Spielsekunden, als er den Ball von der Strafraumkante an den Pfosten schoss.

„Ich bin topfit, ich habe die letzten fünf Wochen optimal genutzt“, sagte Makaay. Wahrscheinlich ist das eine späte Form der Gerechtigkeit: Der Stürmer war im Gegensatz zur Mehrzahl seiner Kollegen nicht für die WM nominiert worden und konnte daher die komplette Vorbereitung absolvieren. An seiner Stelle hatte in der holländischen Elftal bekanntlich unter anderem van Nistelrooy gestürmt, und man kann sich vorstellen, wie erfreut Makaay gewesen wäre, denselben Kollegen im eigenen Klub zu begrüßen.

Die Anwerbeversuche des Münchner Managements habe er jedoch gelassen hingenommen, behauptete Makaay selbstbewusst, bevor er in die Münchner Nacht entschwand: „Mir war klar, dass ich immer spielen werde, wenn ich meine Leistung bringe. Die einzige Frage ist dann, wer neben mir spielt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben