Sport : Podolski trifft und will seine Ruhe

André Görke

Berlin - Lukas Podolski hat sich schnell ein frisches T-Shirt übergezogen und die Haare gegelt, da wird ihm schon ein Mikrofon unter die Nase geschoben: Endlich ein Tor erzielt, große Erlösung, jetzt ist Ruhe, oder? „Bitte!?“, blafft Podolski zurück. Na, ob jetzt wieder Ruhe um seine Person ist? „Ich habe immer meine Ruhe.“

Das war Szene zwei nach dem WM-Spiel gegen Ekuador. In Szene eins, während des Spiels, haben 72 000 Zuschauer im Olympiastadion gesehen, wie erleichtert Podolski ist. Bernd Schneider hat in die Mitte geflankt, Podolski kommt vom Elfmeterpunkt, macht einen letzten langen Schritt und stößt den Ball mit der Fußspitze zum 3:0 in die linke Ecke. Auf der Bank springen die Ersatzspieler auf und nehmen Podolski in den Arm, dann läuft der Schütze zu Bundestrainer Jürgen Klinsmann, ein befreiendes Lachen zeichnet sein Gesicht. Wirklich keine Erlösung? „Mir ist’s egal, was die Experten alles über mich reden“, sagt Podolski und grinst dann doch. „Ich habe mich aber zumindest nicht über mein Tor geärgert.“

Es ist bis zum Dienstag eine anstrengende WM gewesen für den Stürmer, einen gerade 21-Jährigen, der zur neuen Saison vom 1. FC Köln zum FC Bayern München wechselt und schon deshalb unter hohem Erwartungsdruck steht. In den ersten beiden Spielen traf er nicht, und Angriffskollege Miroslav Klose richtete kritische Worte an den glücklosen Kollegen: Er wirke irgendwie verkrampft und müsse mehr aus der Bewegung kommen.

Parallel dazu hat Podolski noch Ärger mit seinem Kölner Haussender WDR. Der strahlt während der Weltmeisterschaft „Lukas’ Tagebuch“ aus – eine Satire, in der Podolski als Fußball-Prolet dargestellt wird. Das gehe unter die Gürtellinie, „ich verstehe ja Spaß, aber das geht zu weit“. Podolski kündigt rechtliche Schritte an, der ARD gibt er bis auf Weiteres keine Interviews. Als er nach dem Spiel gegen Ekuador zum Mannschaftsbus geht, ignoriert er das blaue Mikrofon.

Miroslav Klose bemüht sich nach dem Spiel noch einmal, seine Aussagen zu relativieren. Seine Kritik sei konstruktiv gewesen, sagt der Bremer. „Ich habe mich riesig gefreut, dass er das Tor erzielt hat. Ich bin überzeugt, dass er jetzt das totale Selbstvertrauen hat.“ Hatte er das vorher nicht? Doch, doch, sagt auch Stürmerkollege Mike Hanke, „er musste nur eben ein Tor schießen“.

Die Berliner Zuschauer feiern Lukas Podolski schon nach wenigen Minuten. Der Stürmer quält sich durch die Nachmittagshitze, er rennt und schießt und verfehlt kurz nach der Pause nur knapp das Tor. Klose hat zu diesem Zeitpunkt schon zwei Tore geschossen, das macht die Situation nicht gerade entspannter. Aber Podolski setzt nach und wird nach knapp einer Stunde für seine Arbeit belohnt.

Lukas Podolski ist mit dreizehn Toren der erfolgreichste Stürmer in der Ära von Jürgen Klinsmann. „Lukas findet langsam seinen Rhythmus, wir waren immer überzeugt, dass er sein Tor irgendwann machen wird“, sagt der Bundestrainer nach dem Sieg gegen Ekuador. Zu diesem Zeitpunkt steht Podolski noch in den Katakomben des Berliner Olympiastadions und redet davon, „dass wir uns noch steigern können“. Dann steigt er in den Mannschaftsbus und fährt mit den Kollegen zurück zum Hotel. Jetzt hat er wirklich seine Ruhe.

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