Sport : Pöbeln gegen den Nachbarn

Portugal fiebert dem Halbfinale entgegen – und rechnet sich gegen Spanien einen Sieg aus.

Ob das eine gute Idee war? Den aktuellen Welt- und Europameister sollte man eigentlich nicht ohne Not provozieren. Portugals Verteidiger Ricardo Costa freute sich nach dem 2:0 der Spanier gegen Frankreich trotzdem öffentlich über den Halbfinalgegner seines Team. „Die sind im Angriff ungefährlicher als Frankreich“, spottete der Profi des FC Valencia über die Spanier. „Die können wir leichter ausschalten. Während sich Portugals Kapitän Cristiano Ronaldo, der am Mittwoch auf viele Kollegen von Real Madrid trifft, mit provokanten Äußerungen zurückhielt, übten sich Zeitungen in Portugal schon einmal in verbaler Kraftmeierei. Das Sportblatt „Record“ titelte am Sonntag: „Portugal hat keine Angst vor den Spaniern.“

Dass es im Halbfinale nicht unbedingt freundschaftlich zugehen wird, ließ auch Spaniens Mittelfeldspieler Sergio Busquets durchblicken: „Wenn unsere Madrider gegen Ronaldo hart einsteigen müssen, dann werden die Portugiesen das auch tun“, warnte er. Die portugiesische Sportzeitung „O Jogo“ druckte die Worte prompt an prominenter Stelle ab.

Viele Portugiesen sind allgemein nicht besonders gut auf ihre iberischen Nachbarn zu sprechen. Die David-Goliath-Rivalität ist groß. Die vorwiegend zurückhaltenden Portugiesen empfinden die feierlustigen Nachbarn seit jeher als ein bisschen vorlaut. Dass in den vergangenen Jahren zudem immer mehr spanische Firmen in Portugal eine beherrschende Rolle eingenommen haben, wird als „Kolonialisierung“ wahrgenommen. „Bei der EM will ich am liebsten Spanien schlagen“, hatte vor ein paar Tagen auch der konservative Politiker Manuel Monteiro gesagt.

Die Tatsache, dass Spanien von 34 Duellen 16 gewonnen hat und Portugal nur sechs, dient als zusätzliche Motivation. „Wenn jemand gezeigt hat, dass Spanien nicht unschlagbar ist, dann Portugal“, schrieb die Zeitung „Público“ in Anspielung auf den 4:0-Testspiel-Triumph im November 2010. Am Samstag kam es im Training zu einem Streit zwischen Ricardo Quaresma und Miguel Lopes – selbst das konnte die Stimmung im Quartier im polnischen Opalenica nicht trüben. „Das ist doch normal unter Männern“, meinte Costa und fügte an: „Wir träumen alle. Wenn wir 100 Prozent Leistung bringen, können wir den Titel holen.“ Nach dem dritten Platz bei der WM 1966 und Platz zwei bei der EM 2004 im eigenen Land soll jetzt endlich der erste große internationale Titel her.

Gegen Spanien könnte die große Stunde des ehemaligen Bremers Hugo Almeida schlagen. Im Halbfinale muss Trainer Paulo Bento nämlich auf Stammmittelstürmer Helder Postiga verzichten, der wegen einer Oberschenkelverletzung fehlen wird. Almeida soll deshalb erstmals im Turnier von Anfang an auflaufen. „Ich bin bereit, will spielen und Portugal helfen“, hatte der Besiktas-Profi nach seinem 50-Minuten-Einsatz im Viertelfinale gegen Tschechien gesagt. dpa

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