Sport : Pokal aus Fimo

Nach 86 Minuten in Unterzahl und dem Sieg in Düsseldorf platzen die Dortmunder fast vor Stolz.

von
Komm her, du Held! Trainer Klopp bedankt sich bei Torwart Weidenfeller. Foto: Reuters
Komm her, du Held! Trainer Klopp bedankt sich bei Torwart Weidenfeller. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Irgendwann, wenn das letzte Geschenk ausgepackt ist, geht auch die schönste Weihnachtszeit einmal zu Ende; für die Spieler von Borussia Dortmund aber könnte Weihnachten zum Dauerzustand werden. Patrick Owomoyela hat unmittelbar vor Urlaubsbeginn angekündigt, dass er sich in den Weihnachtsferien eine Überraschung für seine Kollegen überlegen werde, weil er „tierisch stolz und tierisch dankbar“ sei. Was genau ihm vorschwebt, hat der Verteidiger des BVB nicht verraten, aber an Ideen dürfte kein Mangel bestehen. Schwarz-gelbe Schals, selbstgestrickt, wären eher die klassische Variante. Etwas origineller wäre es, wenn Owomoyela Miniaturmodelle des Berliner Olympiastadions für die Belegschaft schnitzte oder für jeden einen kleinen DFB-Pokal aus Fimo formte.

Der frühere Nationalspieler trat am wie ein Büßer auf, dabei musste Owomoyela das gar nicht mehr. Sein Platzverweis nach einem taktischen und einem dummen Foul innerhalb von nur acht Minuten war ohne gravierende Folgen geblieben: 5:4 gewann Dortmund beim Zweitliga-Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf im Elfmeterschießen, nachdem es nach 120 Minuten 0:0 gestanden hatte. Unter normalen Umständen hätte man ein solches Ergebnis als peinlich für den Meister bewertet; angesichts des Verlaufs aber war aus dem Achtelfinale des DFB-Pokals für die Dortmunder ein historisches Ereignis geworden. Trainer Jürgen Klopp sprach von einem Spiel, „das zumindest in unsere Geschichte eingehen wird“.

Es wäre etwas übertrieben zu behaupten, dass der Platzverweis dem BVB in die Karten gespielt hätte. Die Dortmunder hätten auf die besondere Anstrengung am letzten Arbeitstag eines langen Jahres vermutlich gerne verzichtet, aber dass sie der Herausforderung erfolgreich getrotzt hatten und trotz 86 Minuten in Unterzahl als Sieger vom Platz gingen, das machte den Erfolg letztlich wertvoller als ein biederes 2:0 nach regulärer Spielzeit. „Wir haben gefühlt fast eine Woche lang mit zehn Mann gegen elf starke Fortunen gespielt“, sagte Torhüter Roman Weidenfeller.

Der Platzverweis gegen Owomoyela fügte sich für die Dortmunder ins Bild. „Es gab ganz viele Dinge, die gegen uns gesprochen haben“, sagte Klopp. Mit Subotic, Götze, Bender, Schmelzer und Santana fehlten dem BVB fünf wichtige Spieler, und dann meldete sich nach dem Warmmachen auch noch Shinji Kagawa mit Magenproblemen ab. Aber der Meister ließ sich nicht unterkriegen. „Wir nehmen das auf, wir nehmen das mit und werden das nie vergessen“, sagte Klopp. „Es gab selten einen Trainer, der stolzer auf seine Truppe war als ich heute.“

Zum Gefühl der Benachteiligung passte auch, dass Schiedsrichter Manuel Gräfe im Elfmeterschießen zwei Elfmeter wiederholen ließ, beide Male zu Recht. Bei Blaszczykowskis Treffer hatte Gräfe schon vor der Ausführung abgepfiffen, weil Düsseldorfs Torhüter Michael Ratajczak aus dem Tor gestürzt war. Bei Lambertz’ Fehlschuss wiederum war Weidenfeller bei der Ausführung dem Elfmeterpunkt beinahe näher als seiner Torlinie. Dass Düsseldorfs Kapitän im zweiten Versuch traf, ließ Dortmunds Torhüter endgültig die Contenance verlieren. Weidenfeller trat den Ball durch die Gegend und hatte Glück, dass sein Schuss haarscharf am Kopf des Linienrichters vorbeiflog. Sonst wäre er wohl vom Platz geflogen.

Aber Weidenfeller personifizierte mit seiner Wut auch den unbedingten Willen, dieses Spiel zu gewinnen. Während er den Schuss von Thomas Bröker abwehrte, verwandelten seine Kollegen alle fünf Elfmeter mit erstaunlicher Sicherheit. „Wir sind in den letzten beiden Jahren zwei Mal nach so einer Dramaturgie rausgeflogen“, sagte Dortmunds überragender Innenverteidiger Mats Hummels, „jetzt sind wir weitergekommen.“ Und dieses Erlebnis könnte sich für den weiteren Verlauf des Wettbewerbs als durchaus beflügelnd erweisen. Mats Hummels jedenfalls will im DFB-Pokal in dieser Saison „deutlich weiterkommen als 2008“. 2008 scheiterten die Dortmunder erst im Finale.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben