Pokal-Aus : Hannover 96: Zusammen gegeneinander

Das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal verdeutlicht, wie zerstritten Hannover 96 weiterhin ist. Und wie schon zum Ende der vergangenen Saison, stellen die Fans ihre vermeintlichen Lieblinge frustriert zur Rede.

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Gruppenverzweiflung. Die Spieler von Hannover 96 können ihre Niederlage gegen den SV Elversberg nicht fassen.
Gruppenverzweiflung. Die Spieler von Hannover 96 können ihre Niederlage gegen den SV Elversberg nicht fassen.Foto: ddp

Ihr Ausflug zur Fankurve wurde vorzeitig abgebrochen. Christian Schulz und ein paar weitere, traurige Profis von Hannover 96 wollten sich im Stadion des SV Elversberg auf den Weg zu ihren aufgebrachten Anhängern machen. Es wurde ihnen aber schnell klar, dass es cleverer war, nach der Pokalpleite bei dem Regionalligisten lieber still und heimlich zum Duschen zu verschwinden. Nach 120 torlosen Minuten und einem Fehlschuss von Mikael Forssell im verlorenen Elfmeterschießen (4:5) war das peinliche Pokal-Aus des Erstligisten vor 2700 Zuschauern besiegelt. „Das war eine Katastrophe“, meinte Emanuel Pogatetz, der österreichische Neuzugang im Trikot von Hannover 96, voller Selbstkritik.

Vieles von dem, was die Situation in Hannover schon wieder so angespannt macht, kommt einem fürchterlich bekannt vor. Im Vorjahr waren die Niedersachsen in der ersten Runde des DFB-Pokals an Viertligist Eintracht Trier gescheitert und danach im Bundesliga-Alltag von einer Pleite zur nächsten geeilt. Und wie schon zum Ende der vergangenen Saison, als der Klassenerhalt erst am letzten Spieltag gelang, stellen die Fans ihre vermeintlichen Lieblinge frustriert zur Rede. Bevor der Mannschaftsbus am späten Samstagabend zur langen Rückreise vom Saarland in den Norden aufbrechen durfte, verlangten die mitunter streitlustigen Fans, die mit bengalischem Feuer im Stadion schon eine kurze Spielunterbrechung erzwungen hatten, eine offene Diskussion mit der Mannschaft.

Es galt die Frage zu klären, warum es schon wieder nicht für Hannover reichte. „Wir können lang und breit darüber diskutieren, was die Ursache für diese Niederlage ist“, meinte der genervte Sportdirektor Jörg Schmadtke, verzichtete aber auf detaillierte Schuldzuweisungen. Die Spieler wurden nach ihrem Disput mit den Fans mit Applaus auf die Heimreise geschickt – in der Hoffnung, dass bis zum Bundesligastart am Samstag gegen Eintracht Frankfurt irgendwie doch noch ein kleines Wunder geschieht.

Trainer Slomka muss jetzt um seinen Job fürchten.
Trainer Slomka muss jetzt um seinen Job fürchten.Foto: ddp

Was Hannover 96 dabei helfen könnte, dem Abgrund zur Zweiten Liga fern zu bleiben, wäre eine neue Geldquelle. Präsident Martin Kind, der den Verein mit viel Engagement und seinem Privatvermögen lange Zeit über Wasser gehalten hat, mochte in diesem Sommer keine Ablösesummen mehr abzeichnen. Seinen Sportdirektor, der deshalb mehrheitlich nur Spieler der Güteklasse B verpflichten durfte, bringt das in große Verlegenheit. Schmadtke sucht verzweifelt nach günstigen Lösungen und zieht sich dabei auch noch den Zorn von Trainer Mirko Slomka zu. „Wir sind mit dieser Mannschaft wettbewerbstauglich. Aber wir sollten auf dem Transfermarkt noch etwas tun“, sagt der ehrgeizige Übungsleiter, der mit Schmadtke einfach keine gemeinsame Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit findet.

Zu den wenigen Konstanten, die es nach acht Jahren Bundesligafußball am Stück in Hannover zu bestaunen gibt, gehören Streit und Missgunst. Wer Schmadtke und Slomka beim Ausfechten ihrer persönlichen Antipathien beobachtet, fühlt sich sofort an frühere Pärchen in der sportlichen Führung mit ähnlichen Problemen erinnert. Klubchef Kind hatte schon mit Ilja Kaenzig und Ewald Lienen sowie mit Christian Hochstätter und Dieter Hecking Männer zusammengebracht, die bei 96 keine Freundschaften fürs Leben schließen konnten. Schmadtke und Slomka hat er zuletzt ein „gegenseitiges Miteinander“ bestätigt, das er als Gefahrenpotenzial für den Verein betrachtet. In der Rangliste jener Trainer, die gleich zu Beginn der am Freitag startenden Bundesligasaison um ihren Job fürchten müssen, nimmt Slomka eine Spitzenposition ein. Seine zur Verfügung stehenden Spieler haben im beschaulichen Elversberg wenig bis gar nichts getan, um daran etwas zu ändern.

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