Pokal gegen Eintracht Frankfurt : Viertligist Viktoria Berlin hadert mit dem DFB

Das Duell mit Eintracht Frankfurt ist für den Berliner Regionalligist FC Viktoria der sportliche Höhepunkt des Jahres. Auch finanziell könnte sich der DFB-Pokal für den ambitionierten Klub lohnen - wenn da nicht die vielen Auflagen wären.

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Läuft doch! Viktorias Team ist zum ersten Mal seit 61 Jahren wieder im DFB-Pokal dabei.
Läuft doch! Viktorias Team ist zum ersten Mal seit 61 Jahren wieder im DFB-Pokal dabei.Foto: imago/Sebastian Wells

Für den Tag der Auslosung hatte sich Christoph Schulte-Kaubrügger einen Wunschzettel zurechtgelegt. Große Namen zierten das Blatt: Bayern München, Schalke, Dortmund. Alles Klubs, gegen die Deutschlands Amateurvereine in der ersten Runde des DFB-Pokals am liebsten spielen. Diese Gegner garantieren viele Zuschauer. Und viele Zuschauer sind gleichbedeutend mit hohen Einnahmen. Weil es dann oft aber doch nichts wird mit dem Traumlos, hat sich Schulte-Kaubrügger, der Präsident des FC Viktoria 1889 Berlin, heimlich Eintracht Frankfurt gewünscht, den Klub seiner Kindheit. Seit vielen Jahren ist er Eintracht-Fan und so ist es für Schulte-Kaubrügger ziemlich aufregend, dass sein Klub am heutigen Sonnabend tatsächlich im DFB-Pokal als krasser Außenseiter auf die Eintracht trifft (20.30 Uhr).

So sehr er sich zuerst auch gefreut hatte, inzwischen ist die Euphorie etwas gewichen bei Schulte-Kaubrügger. Das liegt weniger am Gegner als an den vielen Auflagen, die der Berliner Verein erfüllen muss. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verlangt von allen Teilnehmern das Gleiche, egal in welcher Liga sie spielen. So kommt es, dass der Viertligist Viktoria dem Bundesligisten Eintracht Frankfurt zu einem nicht geringen Teil die Anreise und die Kosten für die Unterkunft erstatten muss. Auch das Stadion muss fernsehtauglich sein, sprich es muss genügend Platz bieten für all die Kameras und die Leute, die sie bedienen. Weil das im Stadion Lichterfelde nicht der Fall ist, muss Viktoria das Spiel im Jahnsportpark in Prenzlauer Berg austragen. Fernab des Südwestberliner Einzugsgebiets. Obwohl der Kartenvorverkauf gut anlief und Schulte-Kaubrügger mit rund 10 000 Zuschauern rechnet, ist er eher skeptisch, was den Gewinn angeht. „Das ganze Regelkonvolut ist größer geworden, was sehr schade ist. Es belastet Amateurvereine wie uns. So müssen wir nach dem Spiel erst einmal Kassensturz machen und sehen, ob überhaupt was übrig bleibt.“ Deshalb gibt es auch noch keine konkreten Überlegungen, wie der Klub die 140 000 Euro Antrittsprämie, die der DFB garantiert, ausgeben will.

Teure Neuverpflichtungen scheinen indes ausgeschlossen. „Wir wollen unsere kontinuierliche Arbeit der letzten sechs Jahre fortsetzen und langsam wachsen“, sagt Schulte-Kaubrügger. Gewachsen ist Viktoria in der jüngeren Vergangenheit eher schnell. Von der Landesliga führte der Weg erst in die Berlin-Liga, dann in die Oberliga und vor einem Jahr in die Regionalliga. Zwischendurch gab es noch die Fusion mit dem Lichterfelder FC, was zur Umbenennung des BFC Viktoria zum FC Viktoria 1889 Berlin führte.

Unter dem neuen Namen sicherte sich der Klub gleich den Berliner Pokal durch ein 2:1 im Finale gegen Tasmania. Die damit verbundene erste Teilnahme am DFB-Pokal seit 61 Jahren möchte Viktoria nutzen, um wieder ins Blickfeld zu rücken. „Wir versprechen uns einen Imagegewinn von dem Spiel und wollen Berlin mitnehmen“, sagt Schulte-Kaubrügger. So ähnlich formulierte auch Mehmet Ali Han, der Präsident des Berliner AK, die Vorstellungen seines Klubs vor zwei Jahren. Mit dem BAK und dem BFC Dynamo konkurriert Viktoria im Berliner Fußball um Aufmerksamkeit hinter den beiden Profiklubs Hertha und Union. „Wichtig ist, dass der Name Viktoria wieder auftaucht“, sagt Schulte-Kaubrügger.

Das war lange nicht der Fall. Viktorias große Zeit liegt so weit zurück, dass die Erfolge in Vergessenheit geraten sind. In den Jahren 1908 und 1911 war der Verein Deutscher Meister. Später ging es runter bis in die Bezirksliga. Nun also DFB-Pokal und Vierte Liga. Dort wollen sich die Berliner weiter behaupten. Der Aufstieg in die Dritte Liga ist momentan noch unrealistisch. Mit den Favoriten 1. FC Magdeburg, Carl-Zeiss Jena oder TSG Neustrelitz kann Viktoria sportlich und finanziell noch nicht mithalten. In absehbarer Zeit soll sich das aber ändern.

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