Pokal-Viertelfinale : Cottbus war das bessere Hoffenheim

Im Pokal-Viertelfinale erweist sich Energie Cottbus als das bessere Hoffenheim. Das Spiel hatte schnell historische Ausmaße angenommen.

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Komm zu Pele! Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz (l.) freut sich mit dem Torschützen Jiayi Shao. Foto: dapd
Komm zu Pele! Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz (l.) freut sich mit dem Torschützen Jiayi Shao. Foto: dapdFoto: dapd

Der Abend endete mit einer tektonischen Verschiebung von ungeahntem Ausmaß. „Wir sind heute ein ganzes Stück an Berlin herangerückt“, verkündete Thorsten Kirschbaum, der Torhüter des Fußball-Zweitligisten Energie Cottbus, über die Stadionlautsprecher. „Berlin ist nur noch hundert Kilometer entfernt.“ Fast fünfzig Kilometer hätte sich Cottbus demnach innerhalb von gerade mal 90 Minuten und dem 1:0-Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Hoffenheim Richtung Westen bewegt.

In Fachkreisen hat es sich zwar rumgesprochen, dass da hinten in Cottbus, kurz vor der Grenze zu Polen, recht ansehnlicher Fußball gespielt wird, aber die ganz große Öffentlichkeit bekommen die Cottbuser und ihr Trainer Claus-Dieter Wollitz in der Zweiten Liga eben nicht.

Seit anderthalb Jahren trainiert Wollitz Energie, und die Ergebnisse seiner Arbeit sind inzwischen durchaus präsentabel. „Ich habe heute Spieler gesehen, die auch in einer anderen Liga Topniveau erreichen können“, sagte Wollitz, in einer höheren, meinte er natürlich. Zum Beispiel der überragende Jules Reimerink, Kapitän Marc-André Kruska oder Nils Petersen, der beste Torschütze der Zweiten Liga. Neben der individuellen Klasse hat Wollitz in seiner Mannschaft aber auch „eine gruppendynamische Qualität“ ausgemacht. „Man sieht, dass ein Plan dahinter steckt“.

Es ist noch nicht lange her, da galt die TSG Hoffenheim als erfolgreichste Planwirtschaft Deutschlands, und ironischerweise begann deren Aufstieg im August 2008 im Stadion der Freundschaft. Bei Energie bestritt die TSG ihr erstes Bundesligaspiel überhaupt, sie gewann – locker flockig – 3:0 und brachte es anschließend zur größten fußballerischen Attraktion des Landes. Am Mittwoch, wieder in Cottbus, trat das Projekt Hoffenheim in eine neue Phase ein. Man könnte auch sagen: Das Projekt ist fürs Erste zu Ende.

Die TSG ist eine ziemlich konventionelle Fußballmannschaft geworden. Das zeigt sich vor allem an ihrer aktuellen Personalpolitik. In Cottbus spielte Ryan Babel zum ersten Mal für Hoffenheim. Der Holländer kommt vom großen FC Liverpool und galt einmal als eines der heißesten Talente Europas.

Sieben Millionen Euro soll der Transfer gekostet haben. „Das ist der Etat, den wir im ganzen Jahr haben“, sagte Energies Präsident Lepsch. Talente entdecken, sie ausbilden und besser machen – das war einmal das Hoffenheimer Modell. Jetzt holen sie neben Babel den 27 Jahre alten Edson Braafheid, der bei den Bayern derart unerwünscht ist, dass die nicht einmal eine Ablöse verlangen. Die Transfers der TSG hatten schon mal mehr Charme.

Für ihr Spiel gilt das Gleiche. Es ist bezeichnend, dass Babel aus dem Stand auffälligster Spieler seiner Mannschaft war. Laut Hoffenheims Trainer Marco Pezzaiuoli befindet sich seine Mannschaft gerade „wieder in der Findungsphase“, die neuen Spieler brauchten noch Zeit. Andererseits weist der Trend deutlich ins Negative. Hoffenheim hat in diesem Jahr gegen die beiden Abstiegskandidaten Bremen und St. Pauli nur einen Punkt geholt, ist zudem im Pokal an einem Zweitligisten gescheitert.

Für Marvin Compper ist das alles „kein Grund zur Besorgnis“. Aber Hoffenheims Innenverteidiger meinte, dass das Spiel auch drei oder vier zu eins hätte ausgehen können – für Hoffenheim. „Das ist ja Schwachsinn“, entgegnete Markus Brzenska darauf. „Wir waren die klar bessere Mannschaft.“ Energies Innenverteidiger kam der Wahrheit damit deutlich näher als sein Pendant auf Hoffenheimer Seite.

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