Pokalfinale in Berlin : Nicht gewollt und doch so erfolgreich

Als der DFB vor 27 Jahren so etwas wie ein deutsches Wembley schaffen wollte, war das ein hoher Anspruch. Aber Berlin ist ihm gerecht geworden - das hat man am vergangenen Wochenende gesehen.

von
Fahnen, überall Fahnen und Menschen. Das Finale war allgegenwärtig.
Fahnen, überall Fahnen und Menschen. Das Finale war allgegenwärtig.Foto: dpa

Die Bayern sind im Urlaub, Borussia Dortmund feierte in den vergangenen Wochen überall, nur nicht in Berlin, und das Endergebnis sagt genug über die Qualität des Spiels. Ja, es war nur Schalke gegen Duisburg. Aber um wie viel ärmer wäre dieses Wochenende gewesen ohne die zehntausenden Sympathisanten aus dem Ruhrgebiet, ohne die allgegenwärtigen Fahnen, ohne die ständige Präsenz eines einzigen Themas. Als der DFB vor 27 Jahren so etwas wie ein deutsches Wembley schaffen wollte, war das ein hoher Anspruch. Berlin ist ihm gerecht geworden. Das wird immer dann besonders deutlich, wenn der sportliche Wert des Pokalfinales eher bescheiden ist.

Es war in den finalen Jahren des Kalten Krieges eine politische Entscheidung, Berlin zum ständigen Endspielort zu machen. Große Freude hat das damals nirgendwo ausgelöst, erst recht nicht in Berlin. Die Stadt bekam das Finale als Kompensation für ihre Ausbootung vor der Europameisterschaft 1988. Mit Spielen in der nach östlicher Lesart „selbständigen politischen Einheit Westberlin“ wäre die deutsche Bewerbung am Widerstand des Ostblocks gescheitert. Der DFB gab nach, koppelte diesen Verzicht aber an die Vergabe des Pokalfinales für zunächst fünf Jahre nach Berlin. In ein dem Verfall entgegenbröckelndes Stadion, in eine Stadt, die großen Fußball nur noch aus der Sportschau kannte. Das klingt nicht nach dem Beginn einer Erfolgsgeschichte. Es ist eine geworden.

Als Klaus Wowereit vor bald fünf Jahren beim Bundesverfassungsgericht durchfiel mit seinem Begehren, den Landeshaushalt auf Bundeskosten zu sanieren, wurde Berlin mit Häme und Schadenfreude aus dem ganzen Land übergossen. Sollte nun der DFB-Präsident Theo Zwanziger, aus welchen abenteuerlichen Gründen auch immer, der Idee verfallen, den Berlinern nach dem Auslaufen des Vertrages 2015 das Finale wegzunehmen – er würde einer vereinten Front von Wutfans aus Nord und Süd, aus Ost und West gegenüberstehen. So stark ist der Fußball, und so stark profitiert Berlin heute von einem politischen Junktim, gegen das es sich einst heftig gewehrt hat. Aber zwei, drei EM-Vorrundenspiele wären nichts gewesen gegen den Wert dieser natürlich gewachsenen Imagekampagne, wie sie keine Werbeagentur besser hätte inszenieren können: Berlin, Berlin, sie fahren nach Berlin!

Autor

14 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben