Pokalheld : Julian Draxler: Schalkes neuer Thon

Nach seinem Siegtreffer im Pokal gegen den 1. FC Nürnberg prophezeit Schalke-Trainer Felix Magath Julian Draxler eine große Zukunft.

Statt auf die Schule, soll sich Julian Draxler nun auf den Fußball konzentrieren.
Statt auf die Schule, soll sich Julian Draxler nun auf den Fußball konzentrieren.Foto: AFP

Gelsenkirchen - Erst sank er auf die Knie und schlug die Hände vors Gesicht, dann wurde Julian Draxler vom Teamkollegen Kyriakos Papadopoulos auf Schultern durch die Arena getragen. „Ich habe immer davon geträumt, hier zu spielen. Dann komme ich rein und mache sogar das Tor. Das ist unglaublich“, schwärmte der 17 Jahre alte Pokalheld des FC Schalke 04. Mit einem Traumtor in der 119. Minute zum 3:2-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg schoss der Jungprofi sein Team ins Halbfinale, danach musste er gar gegen die Tränen kämpfen. Im anschließenden Interview-Marathon fand er schnell die passenden Worte: „Das Tor habe ich aus dem Instinkt heraus gemacht. Erst wusste ich nicht, wie ich das verarbeiten sollte.“

Felix Magath, der das Supertalent erst in der 116. Minute eingewechselt hatte, sagt dem Youngster eine große Karriere voraus: „Julian ist ein toller Junge, hat großen Zug zum Tor. Er wird in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten in den ersten Ligen spielen“, prophezeite Schalkes Trainer, der das „außergewöhnliche“ und umworbene Mittelfeldtalent erst vor wenigen Tagen mit einem Profi-Vertrag bis 2014 ausstattete. Dieser wird aber erst an Draxlers 18. Geburtstag, am 20. September wirksam.

Im Wintertrainingslager in der Türkei hatte der U-18-Nationalspieler überzeugt und bereits als viertjüngster Bundesliga- Debütant im Alter von 17 Jahren und 117 Tagen zum Rückrundenauftakt gegen den Hamburger SV Geschichte geschrieben. Beim 1:0 in Hannover stand der ehemalige A-Jugendliche erstmals in der Startelf. Bei seinem dritten Profi-Einsatz sicherte er seinem finanziell angeschlagenen Verein eine Millionen-Einnahme, die Aussicht auf den fünften DFB-Pokalsieg und die Europa-League- Qualifikation. „Wir wollen ins Finale“, stellte Magath klar.

Draxlers Karriere verläuft rasant. Erinnerungen werden wach an Olaf Thon und dessen Auftritt im Mai 1984, beim legendären 6:6 im Pokal-Halbfinale gegen Bayern München. Thon erzielte damals einen Tag nach seinem 18. Geburtstag mit seinem dritten Tor den Ausgleich in der Nachspielzeit.

Sein Trainer Magath teilt zwar die Sorge, dass der Medienrummel für Draxler nun zu groß werden könnte. „Aber Julian ist klar im Kopf. Ich hoffe, dass er vorbereitet ist auf das, was auf ihn zukommt.“ Benedikt Höwedes hat da keine Zweifel. „Wir werden schon aufpassen, dass er nicht abhebt. Aber Julian ist ein bodenständiger Junge.“ Seine Schullaufbahn hat Draxler (11. Klasse) auf Anraten Magaths zumindest vorläufig ad acta gelegt. „Erstmal für ein halbes Jahr, mal schauen wie es läuft“, betonte der Schüler, der bis zum Jahresende noch das Gymnasium in seiner Heimatstadt Gladbeck besuchte. In zwei Gesprächen, so Magath, habe er die Eltern überzeugen können, dass es besser sei, wenn Julian sich ganz auf den Fußball konzentriert. „Die Entscheidung hat die Familie nur mit Mühe getroffen“, räumte der Trainer ein. Aber er findet: „In 15 oder 20 Jahren braucht er kein Abitur mehr.“

Nürnberg reiste dagegen deprimiert ab. „Es ist schon bitter, so auszuscheiden“, sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking. (dpa)

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben