Pokalüberraschung I : Cottbus schlägt Hoffenheim 1:0

Die Pokalparty von Energie Cottbus geht weiter. Mit einem 1:0 gegen 1899 Hoffenheim schalteten die Lausitzer den dritten Bundesligisten aus und stehen nun im Halbfinale - zum ersten Mal seit 14 Jahren.

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Claus-Dieter Wollitz (l.) steht dank des Treffers von Jiayi Shao (r.) im Halbfinale des DFB-Pokals. Foto: dpa
Claus-Dieter Wollitz (l.) steht dank des Treffers von Jiayi Shao (r.) im Halbfinale des DFB-Pokals.Foto: dpa

Eine sanfte Eingewöhnung sieht definitiv anders aus. Sein letztes Fußballspiel hat Ryan Babel vor drei Wochen in Old Trafford vor knapp 75.000 Zuschauern bestritten. Mit dem FC Liverpool, einem Global Player des internationalen Fußballs, verlor der Holländer bei Manchester United 0:1 im FA-Cup. Am Mittwochabend machte Babel Bekanntschaft mit der ostdeutschen Provinz: Stadion der Freundschaft statt Anfield Road, dazu ein Platz, der vom Brandenburger Winter und den Brandenburger Maulwürfen doch arg mitgenommen ist. Größer hätte der Praxisschock kaum ausfallen können.

Mit dem ambitionierten Dorfverein TSG Hoffenheim, seinem neuen Arbeitgeber, traf Babel im Viertelfinale des DFB-Pokals auf den Zweitligisten Energie Cottbus. Eins aber hat sich nicht geändert. Im Pokal hat Babel in dieser Saison wenig Glück. Nach dem FC Liverpool ist er nun auch mit Hoffenheim ausgeschieden. Die TSG verlor durch ein spätes Tor von Jiayi Shao 0:1 (0:0). Zum zweiten Mal nach 1997 steht Energie Cottbus im Halbfinale des DFB-Pokals.

"Wir haben ein bisschen Glück gehabt. Für uns ist das wie ein Traum. Unser Ziel ist Berlin", sagte Matchwinner Shao. "Wir haben uns das verdient, haben einen Riesenkampf geliefert", sagte Torwart Thorsten Kirschbaum. "Das ist ein emotionaler Moment, ich bin
total stolz. Besser können wir nicht spielen", meinte Wollitz.

Für Ryan Babel war es ein frustrierender Einstand. Erst am Dienstag hatten die Hoffenheimer den Sieben-Millionen-Euro-Transfer letztinstanzlich abgewickelt, und obwohl der Holländer seine neuen Kollegen vermutlich noch gar nicht alle mit Namen gekannt hat, stand er in Cottbus bereits in der Startelf. Eine lange Phase der Eingewöhnung benötigte der Neuzugang aus den Niederlanden nicht. Im Gegenteil. So wie sich die Hoffenheimer nach dem Abgang von Ralf Rangnick präsentieren, ist der 24 Jahre alte Babel fast zu gut für diese Mannschaft.

Der Holländer leitete nach einer Viertelstunde die erste gute Gelegenheit für die TSG ein, als er in der Mitte Gylfi Sigurdsson bediente. Dessen Drehschuss aber wurde von der Cottbuser Abwehr noch geblockt. Die besseren Chancen hatte Energie. Der Zweitligist, der bereits die beiden Bundesligisten Freiburg und Wolfsburg aus dem Wettbewerb geworfen hatte, spielte ohne Angst. Cottbus attackierte früh, die Viererkette stand sehr hoch, und obwohl das Kombinationsspiel nicht so funktionierte wie gewohnt, kamen die Cottbuser zu guten Möglichkeiten. Marc-André Kruska verfehlte schon in der vierten Minute mit einem schneidigen Fernschuss nur knapp das Hoffenheimer Tor.

Nur zwei Minuten später kam Emil Jula im Strafraum der TSG zum Schuss, nachdem sich Marvin Compper und Andreas Ibertsberger gegenseitig behindert hatten. Die Abwehr der Hoffenheimer wirkte nicht nur in dieser Situation wieder gefährlich fahrig. Mitte der ersten Hälfte konnte Jula den Ball gegen drei Gegenspieler behaupten und sich irgendwie vors Tor schummeln, nur der Abschluss wollte dem Rumänen nicht mehr gelingen. Jula war es auch, der kurz vor der Pause die größte Chance zur Führung hatte. Torhüter Tom Starke hatte er schon umspielt, seinen Schuss aber konnte Isaac Vorsah kurz vor der Linie noch abwehren.

Nach der Pause änderte sich zunächst das Bild: Die Cottbuser kombinierten zu Beginn der zweiten Halbzeit besser – und die größeren Gelegenheiten hatte Hoffenheim: Tobias Weis verfehlte mit einem Distanzschuss genauso knapp das Tor wie David Alaba, nach Vorarbeit von Babel. Kurz sah es so aus, als könnte Hoffenheim die Kontrolle des Spiels übernehmen, aber Cottbus ließ sich nicht kontrollieren. Der Zweitligist befreite sich immer wieder und ging sechs Minuten vor Schluss durch den eingewechselten Shao verdient in Führung. Einmal hatte Cottbus noch Glück, als Torhüter Thorsten Kirschbaum einen Schuss von Sigurdsson an die Latte lenkte.

"Wir waren einmal unaufmerksam und haben den Gegentreffer zugelassen. Uns hat die letzte Durchschlagskraft in der Offensive gefehlt. Das ist ärgerlich", urteilte 1899-Coach Marco Pezzaiuoli. "Wir haben unsere Überlegenheit nicht in Tore umgemünzt. Das ist unendlich bitter und enttäuschend", klagte Gäste-Torwart Tom Starke - und musste den Cottbuser Jubel mitansehen.

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