Sport : Politik, Randale und Schönwetterfan Hitler

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Fotografen waren zwar 1908 zwar nicht vor Ort, aber die Fußballer: In Mariendorf fand damals das erste Heimspiel der deutschen Nationalmannschaft statt. Es blieb nicht das einzige Spiel in Berlin mit historischem Wert.

KANTERPREMIERENSIEG

Seit 1936 haben im Olympiastadion 32 Länderspiele mit deutscher Beteiligung stattgefunden. Das erste Spiel im Rahmen der Olympischen Spiele gewann die Nationalmannschaft am 4. August 1936 9:0 gegen Luxemburg.

BELEIDIGTE NAZIS (I)

Nur ein Fußballspiel hat Adolf Hitler gesehen, und das ging prompt verloren. Am 7. August 1936 – bei den Olympischen Spielen – unterlagen die Deutschen im Poststadion Norwegen 0:2. Hitler verließ wütend die Holztribüne vor Abpfiff. Schönwetterfan!

BELEIDIGTE NAZIS (II)

Hitlers Kollege Goebbels war ähnlich cholerisch. Der war 1942 Augenzeuge des 2:3 gegen Schweden im Olympiastadion – und ließ den Sport wenige Tage später mal eben verbieten.

NACHKRIEGSJUBEL

Nach dem Krieg mussten die Deutschen ihr Land aufbauen, Fußball stand nur an zweiter Stelle. Erst am 17. Juni 1951 tritt eine deutsche Mannschaft wieder in Berlin an. Sie verliert vor 90 000 Zuschauern 1:2 gegen die Türkei.

GETRENNTER JUBEL

Nur wenige Tage nach dem Mauerbau, am 10. September 1961, lässt die DDR ihr erstes Länderspiel hinter Stacheldraht austragen – natürlich in Berlin. Ungarn gewinnt 3:2, nur 25 000 Fans sind dabei.

DDR IM WESTEN

Vier Tage vorher hieß der Gegner BRD, am 18. Juni 1974 dann DDR: Chile spielte bei der WM gegen beide Deutsche Staaten im Olympiastadion: 0:1 gegen den Westen und 1:1 gegen den Osten, bei dessem einzigen Länderspiel in „Berlin (West)“.

EINSAMER JUBEL

Absurd wird’s am 29. März 1990, im ersten Heimspiel der DDR nach dem Mauerfall. Den 3:2-Sieg gegen die USA wollen nur noch 4000 Fans sehen. Dreifacher Torschütze: Ulf Kirsten. Ebenfalls im Kader: Andreas Thom, Matthias Sammer, Rico Steinmann und Thomas Doll.

ANGST VOR RANDALE

Ein Länderspiel gegen England, das erste nach dem Mauerfall – das wäre doch was, oder? Was die Truppe um Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) übersah: Das Spiel sollte am 20. April stattfinden – an Hitlers Geburtstag, in Hitlers Stadion.Die Engländer sagten lieber selbst ab. Und die Polizei atmete auf.

UNVERGESSEN

72 000 Menschen starren still auf den Rasen, es ist der 30. Juni im Jahr der WM 2006 – Viertelfinale gegen Argentinien. Cambiasso läuft an und schießt, Lehmann hält. Ja! Ein brachial-fröhlicher Jubelschrei geht durchs Land, die Spieler jubeln (Foto). Unvergesslich. Und einmalig.AG

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