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Politische Unruhen : Formel-1-Rennen in Bahrain abgesagt

Jetzt steht es fest: Wegen der politischen Unruhen wird es am 13. März in Bahrain kein Formel-1-Rennen geben. Bei den Rennställen begrüßt man die Entscheidung.

Weil die politische Lage zu instabil ist, wird es in anders als 2010 kein Formel-1-Rennen in Bahrain geben.
Weil die politische Lage zu instabil ist, wird es in anders als 2010 kein Formel-1-Rennen in Bahrain geben.Foto: picture-alliance

Berlin - Ursprünglich wollte Bernie Ecclestone die Entscheidung erst am Dienstag offiziell werden lassen – aber dann wurde die Entscheidung, den Formel-1-Auftakt am 13. März in Bahrain abzusagen, doch schon am späten Montagnachmittag bekannt. Nachdem die Teams intern informiert waren und damit, fast logisch, bei den derzeit in Barcelona stattfinden Testfahrten die Absage auch nach draußen durchsickerte, kam auch aus Bahrain die offizielle Bestätigung. „Wir meinen, dass es für unser Land im Moment am Wichtigsten ist, uns auf die drängendsten Fragen des nationalen Interesses zu konzentrieren“, sagte Kronprinz Scheich Salman bin Hamad bin Isa Al-Khalifa, der Mann, der die Formel 1 auch nach Bahrain geholt hat, „nach den Ereignissen der letzten Woche ist es die Priorität für unser Land, die Tragödie zu überwinden, Trennungen aufzuheben und unser Land gemeinsam neu zu entdecken, um der Welt wieder das Beste zu zeigen, zu dem Bahrain als Nation in der Lage ist, sobald es wieder geeint ist.“

Der Saisonauftakt der Formel 1 findet jetzt am 27. März in Melbourne statt. Ob das Rennen in Bahrain eventuell gegen Saisonende im November nachgeholt wird, ist noch nicht entschieden. Allerdings soll Ecclestone sich dagegen ausgesprochen haben.

Der ehemalige Formel-1-Pilot und RTL-Experte Christian Danner, der den Kronprinzen persönlich kennt und ihn als einen moderaten, westlich orientierten Mann beschreibt, hält die Entscheidung für richtig. „Ich bin immer sehr gern nach Bahrain gefahren, habe das Land und die Menschen dort als sehr gastfreundlich empfunden. Es ist richtig, ihnen dort jetzt erst einmal die Chance zu geben, in Ruhe ihre eigenen Probleme zu lösen und dann später einmal wieder dort hinzugehen.“ Er glaubt, dass ein Auftritt der Formel 1 in der momentanen Situation ein falsches Signal gesetzt hätte.

Bernie Ecclestone wollte das offizielle Handeln den Verantwortlichen in Bahrain überlassen, um den Gesichtsverlust für alle Seiten so gering wie möglich zu halten. Hätte sich die Formel 1 der Situation gegenüber blind gestellt, wäre ein Imageschaden entstanden. Mal ganz abgesehen davon, dass man Mitglieder des Formel-1-Trosses einer Gefährdung ausgesetzt hätte. Wenn etwas passiert wäre, dann hätte erst einmal das Königshaus und die Regierung für Schäden aufkommen müssen. Keine Versicherung ist derzeit bereit, dieses Risiko abzusichern. Das kann im schlimmsten Fall dreistellige Millionensummen kosten. Dazu kommt noch ein zweiter, völlig eigennütziger Gesichtspunkt aus Sicht der Formel-1-Bosse: Sobald die Autos und das Material erst einmal in Bahrain wären, könnte beim Ausbruch neuer Unruhen dort alles Material blockiert werden. Würde aber die komplette Formel-1-Fracht in Bahrain festgehalten, drohten auch die folgenden Rennen in Australien, Malaysia und China auszufallen.

Bei den meisten Teams ist man über die Absage erleichtert. Ob Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der darauf hinwies, dass es erfahrungsgemäß in solchen Situationen „ja meistens nicht besser, sondern eher schlimmer wird“, oder Red-Bull-Chef Christian Horner, der schon im Vorfeld mit Rücksicht auf seine Mitarbeiter für eine Absage plädiert hatte. Die Fahrer selbst wollten sich nicht so recht äußern. Man könnte sich ja mit einer eigenen Meinung in die Nesseln setzen. Da hält man es lieber wie Fernando Alonso, der „denen vertraut, die solche Entscheidungen zu treffen haben“. Bei McLaren geht man gleich auf Nummer sicher. Dort hat man seinen Piloten verboten, über das Thema zu sprechen. 42 Prozent des Rennstalls gehören der Mumtalakat Holding aus Bahrain, hinter der die Königsfamilie steckt.

Ein paar wohltuende Ausnahmen gab es aber unter den Piloten. „Wenn man hört, dass dort Menschen ihr Leben verlieren, dann ist das eine Tragödie. Da ist die Formel 1 nebensächlich“, sagte etwa Mark Webber. Und Nick Heidfeld, der von Anfang an eine klare Meinung hatte, sagte: „Die Bilder aus Bahrain sind schon erschreckend. Wenn es nicht sicher ist, will ich da nicht fahren.“ dpa

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