Polizeieinsätze beim Fußball : Wer soll das bezahlen?

Als erstes Bundesland will Bremen den Fußball für Polizeieinsätze bei Risikospielen in der Bundesliga zur Kasse bitten. Ein überfälliger Impuls, meint unsere Autorin.

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Polizisten im Einsatz.
Polizisten im Einsatz.Foto: dpa

Jedes Mal, wenn ich in meiner Mietswohnung ein Fest feiere, kommen Gäste hinzu, die mir nicht recht sind und die sich nicht benehmen. Die demolieren dann das Treppenhaus und treten Wohnungstüren ein. Deshalb habe ich meine Nachbarn aufgefordert, sich bei meinem nächsten Fest an den Kosten für einen Sicherheitsdienst zu beteiligen, den ich für die Feier engagieren würde. Ein guter Plan, oder?

Aber die Nachbarn lehnten ab. Sie sagten, wenn meine Feiern regelmäßig in Katastrophen endeten, dann dürfe ich nicht mehr feiern.

Wer hat hier den Knall? Meine Nachbarn oder ich? Die Antwort ist vermutlich sonnenklar.

Für den Fußball gilt diese Sonnenklarheit nicht.

Problem erkannt, Geld gefordert

Die Fußballfunktionäre und -verbände sind in der Gesellschaft eindeutig mächtiger als ich in meinem Mietshaus. Sie sorgen erfolgreich dafür, dass die Gemeinschaft für die Sicherheit von Fußballspielen bezahlt: die Kosten für polizeiliche Großbewegungen quer durchs Land und Sonderschichten für Beamte. Wenig ist das nicht.

Eine Begründung dafür wäre mal schön. Aber sie wird nicht kommen. Es ist Gewohnheit geworden, bei jeder Rechnung, die am Horizont auftaucht, eine größere Organisationseinheit zum Zahlen aufzufordern. Sogar die Kirchenfrau Margot Käßmann offenbarte dieses Denken, als sie gerade vorschlug, dass Krankenkassen Gesangskurse bezahlen sollten, weil Singen gesund sei. Wo es doch heißt: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Teil eins der Parole gerät irgendwie in Vergessenheit. Stattdessen heißt es: Problem erkannt, Geld gefordert.

Kaum hat jemand etwas vor, wird vom Staat oder aus anderen Masseneinnahmetöpfen Unterstützung erfordert. Global Player wie BMW lassen sich beim Entwickeln von Elektroautos von Väterchen Staat aushelfen. Um bei Gelingen privaten Profit zu generieren. Von den milliardenschweren Banken- und Schuldenstaatenrettungspaketen mal ganz abgesehen. Der Sangeskurs auf Kassenschein ist ein Vorschlag, Elektroautos liegt ein Konjunkturprogramm mit Staatsdoktrin (Energiewende) zugrunde und der Euro-Rettung eine – zumindest gefühlte – Weltkrise. Beim Fußball ist es anders. Seine Organisationen sind reich, das hat die Weltmeisterschaft wieder gezeigt. Reich, aber nicht gewinnorientiert. Wie der milliardenschwere Weltfußballverband Fifa mit Sitz in der Schweiz sind auch der Deutsche Fußballbund und der Ligaverband als gemeinnützige Vereine eingetragen, also steuerbegünstigt. Bereits ein Zugeständnis, möchte man meinen.

Bremen schert aus

Nun schert das kleine Land Bremen aus dem Gewohnheitsprinzip „Einer macht, alle zahlen“ aus. Es nennt Bundesligaspiele „gewinnorientierte Veranstaltungen“ und sagt: „Einer macht, einer zahlt.“ Das ist ein überfälliger Impuls. Er mischt eine Situation auf, die vollkommen eingefahren zu sein scheint. Fußballfunktionäre und Fansprecher machen es sich mit dem Argument bequem, sie könnten auch nichts für die Gewalt, und alle Zuschauer seien ja nicht so.

Und wenn die Schläger die Ausnahme sind, was sicher stimmt, bleibt doch der Umstand, dass sie regelmäßig bei den Fußballspielen auftauchen. So regelmäßig, dass man die Uhr danach stellen kann. Am morgigen Sonnabend beginnt die Dritte Liga, in der diesmal einschlägige Vereine aus Rostock, Dresden und Cottbus aufeinandertreffen. Die Polizei sei deshalb in Alarmbereitschaft, meldet das Portal 3-liga.com.

Für die Kassenwarte der Länder dürfte dasselbe gelten.

Bremen war schon einmal Impulsgeber. 1981 wurde in der Hansestadt das erste deutsche Fanprojekt gegründet. Mit engagierter Sozialpädagogik rückte man den Schlägern nahe, lernte die Fanszenen kennen, integrierte, vermaß und untersuchte sie, weil man zu wissen glaubte, dass zu viel Repression nur schaden würde. Weitere Fanprojekte in anderen Städten folgten, öffentliche Gelder flossen auch dort, eine Koordinationsstelle wird gefördert, der Bundestag machte Gewalt in Stadien zum Thema, Tagungen, Kongresse fanden statt, aber geholfen hat das alles nicht.

Es ist an der Zeit, etwas anderes zu versuchen. Etwas, das mehr Verantwortungsgefühl der Fußballfunktionäre für ihren Sport beweist: Okay, wir bekommen das Gewaltproblem nicht in den Griff, aber wir sehen ein, dass das eher unser Problem ist als das der Allgemeinheit, also lassen wir uns die Spiele mehr kosten. Wir uns – nicht wir euch.

Und sollten die Verbandsmillionen wider Erwarten nicht reichen, muss vielleicht intern über die Verteilung des Geldes gestritten werden. Es sollte genug da sein.

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