Polizeieinsatz : Doping-Razzia bei Österreichern

Österreichische Sportler sind am Samstagabend bei den Olympischen Winterspielen in Turin Ziel einer Doping-Razzia der italienischen Behörden geworden.

Sestriere - Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) am frühen Sonntagmorgen bestätigte, erfolgte die Untersuchung der Unterkünfte von Biathleten und Langläufern auf Grund der Anwesenheit eines für Olympia gesperrten Trainers. Die Häuser in San Sicario und Pragelato waren auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Turin von Carabinieri umstellt und nach verbotenen Substanzen durchsucht worden.

Das IOC war von der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) darüber informiert worden, dass sich der Langlauf-Trainer Walter Mayer im Quartier der österreichischen Langläufer bei den Winterspielen in Turin aufhält. Der Coach von Christian Hoffmann war vom IOC wegen seiner Verstrickung in die Doping-Affäre um die österreichischen Langläufer 2002 in Salt Lake City bis zu den Spielen 2010 gesperrt worden. Im Quartier der Sportler waren nach den Spielen vor vier Jahren Blutbeutel und Injektionsnadeln gefunden worden. Nach einer Klage vor Gericht war Mayer erst kürzlich freigesprochen worden und arbeitete seitdem wieder für den Österreichischen Skiverband.

Beim Versuch, die Langläufer aus Österreich unmittelbar vor den Winterspielen in Turin zu kontrollieren, habe man keine Sportler angetroffen, sei dafür aber auf Mittel für Blutdoping gestoßen, erklärte WADA-Chef Richard Pound. Den Fund habe man mit dem Namen Mayer in Verbindung bringen können und erfahren, dass sich der Coach mit dem österreichischen Team in Italien aufhalte. «Wir waren besorgt, dass dort irgendetwas im Gange ist», erläuterte Pound.

Im österreichischen Lager rief die Untersuchung zu nächtlicher Stunde große Verärgerung hervor. «Wir haben alles versucht, dies zu stoppen», sagte Hainz Jungwirth, der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), im Österreichischen Fernsehen ORF. «Die Sportler sind sich keiner Schuld bewusst. Wir haben mit den Ärzten Rücksprache genommen. Es gibt absolut keine Verdachtsmomente.»

Die Betreuer und das Personal durften die Räume in ihren Unterkünften während der Durchsuchung nicht verlassen. «Das habe ich noch nie erlebt. Wir haben uns noch über die Springermedaillen gefreut, und dann stehen plötzlich 30 Leute vor der Tür», schilderte Biathlon-Direktor Markus Gandler die Razzia im ORF. (tso/dpa)

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