Sport : Portland zählt zu den Favoriten der heute startenden NBA-Saison

Benedikt Voigt

Das letzte Bild der NBA-Saison 1998/99 war ein seltsames: Es zeigt Tim Duncan mit einer Handkamera vor dem Gesicht, wie der Centerspieler der San Antonio Spurs die Freudentänze seiner Mitspieler über den einige Sekunden vorher gewonnenen NBA-Titel filmt. Wie ein Kameramann oder Außenstehender. Dabei war Duncan mit 31 Punkten im fünften Finale gegen die New York Knicks einmal mehr der entscheidende Mann gewesen. Doch warum soll eine solche Saison gewöhnlich enden, vor der Michael Jordan zurücktrat, die wegen der Aussperrung nur über 50 Spiele ging und in der die Chicago Bulls nach drei Titeln in Folge das drittschlechteste Basketball-Team stellten?

Wenn heute die NBA in ihre 54. Saison startet, kehrt wieder ein bisschen Normalität in die nordamerikanische Basketball-Profiliga ein. Die Saison hat wieder 82 Spiele - und der alte Meister San Antonio Spurs könnte auch der neue werden. Neu ist, dass die NBA in den USA die Fans mit einem eigenen Pay-TV-Sender 24 Stunden lang mit Informationen, Spielen und Hintergründen rund um den Basketball versorgt. Nur den Chicago Bulls droht mangels eindrucksvoller Verstärkungen erneut eine Pleitensaison. Zu den Favoriten zählen neben dem Titelverteidiger aus San Antonio auch der letztjährige Finalist New York Knicks und die Los Angeles Lakers, die in Phil Jackson den Trainer mit der besten Bilanz (74 Prozent Siege) aller NBA-Coaches engagiert haben.

Auch die Portland Trailblazers sind ein heißer Titelkandidat. Dort bekommt Detlef Schrempf in seiner 15. NBA-Saison noch einmal die Chance, den klobigen Meisterschaftsring zu erobern, den er vor drei Jahren mit Seattle im Finale gegen Chicago knapp verpasst hatte. "Ich bin motiviert wie selten zuvor", sagt Schrempf. Der Deutsche wechselte in der Sommerpause von den Seattle SuperSonics zu den Trailblazers, wo er einen Zwei-Jahres-Vertrag für 4,2 Millionen Dollar unterschrieb. Seattle hatte dem 36-Jährigen nur einen Vertrag über 1,1 Millionen Mark angeboten. Schrempf, der noch in Seattle wohnt, fühlte sich schlecht behandelt. "Es ging nicht um das Geld, sondern um Respekt", sagte der Flügelspieler. Der Wechsel könnte sich in jeder Hinsicht auszahlen. Denn Portlands Trainer Mike Dunleavy verpflichtete in Scottie Pippen und Steve Smith neben Schrempf zwei weitere All-Star-Spieler. Pippen zählt zu den großen Stars der Liga und kam mit Chicago auf sechs Meisterschaften. Schrempf wird sich in Portland mit der Rolle als Auswechselspieler abfinden müssen. Kein Problem, findet der Routinier: "Ich kann nicht erwarten, jede Partie 35 oder 40 Minuten zu spielen."

Andere Probleme hat derzeit der zweite Deutsche in der NBA, Dirk Nowitzki. Der 21-Jährige steht vor der zweiten Spielzeit bei den Dallas Mavericks, doch in den Vorbereitungsspielen konnte der Würzburger noch nicht überzeugen. Mit einer Wurfquote von nur 39 Prozent, konnte Nowitzki nicht an seine Leistungen in der US-amerikanischen Sommerliga anknüpfen. Damit der Deutsche zu Saisonbeginn besser trifft, flog nun sein Basketball-Mentor und Würzburger Privattrainer Holger Gschwindner nach Dallas, um seinem Schützling das lockere Händchen beim Wurf wieder beizubringen. Gegenwärtig besitzt Cedric Ceballos bessere Chancen als Nowitzki, in der Anfangsformation der Mavericks zu stehen. Dallas verpasste in der vergangenen Spielzeit die Play-offs knapp, nun soll sich das ändern.

Am Ende der Saison 1999/2000 könnte es durchaus passieren, dass auf dem letzten Bild in Detlef Schrempf auch ein deutscher Basketballer zu sehen ist. Besonders schön wäre es dann, wenn er die Handkamera in der Sporttasche ließe. Und dann richtig feierte.

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