Porträt : Der mächtige Mann beim DFB

Anfangs war Theo Zwanziger als DFB-Präsident umstritten. Einige Stimmen bezeichneten ihn als "Königsmörder". Doch er verfeinerte seine diplomatischen Fähigjkeiten immer mehr.

Eric Dobias,Arne Richter

MainzNach seiner Wiederwahl zum mächtigsten Mann des größten Sportverbandes Deutschlands ließ DFB-Präsident Theo Zwanziger seinen Emotionen freien Lauf. Erst umarmte er innig seinen langjährigen Freund Egidius Braun, dann dankte er seiner Ehefrau. "Dass ich diese Aufgabe machen kann, habe ich in hohem Maße ihr zu verdanken. Sie bringt meine Ungeduld durch ihre Ruhe und Ausgeglichenheit ins richtige Maß", sagte der sichtlich gerührte Zwanziger.

Als der 62 Jahre alte Jurist aus dem rheinland-pfälzischen Altendiez 2004 aus der zweiten Reihe an die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) drängte, galt er den einen als Hoffnungsträger, für andere war er der "Königsmörder" des damaligen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder. Drei Jahre später ist Zwanziger unumstritten und geht mit der Rückendeckung des gesamten Verbandes in seine zweite Amtszeit bis 2010. Die am Freitag auf dem Bundestag in Mainz ohne Gegenstimme erfolgte Wiederwahl zum DFB-Chef hat die Macht Zwanzigers, der sich selbst als Teamspieler bezeichnet, zementiert.

Kein Sonnenkönig

Die Rolle eines "Sonnenkönigs", in der sich sein Vorgänger gerne gerierte, ist ihm fremd. "Wenn Du eine solche Aufgabe übernimmst, musst du wissen, dass du nicht jeden Tag Lorbeeren ernten kannst. Man muss auch mal akzeptieren, dass man etwas falsch gemacht hat. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die behaupten, dass sie alles richtig machen, sondern ich prüfe sehr genau, ob Dinge zu korrigieren oder zu verbessern sind", sagt Zwanziger über sich selbst.

Seine diplomatischen Fähigkeiten hat er zunehmend verfeinert. Der Zwist mit UEFA-Präsident Michel Platini wurde beigelegt, die Dissonanzen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei einem Gespräch hinter verschlossenen Türen ausgeräumt. "Ich bin kein Machtmensch", sagt der stets freundlich, aber bestimmt auftretende DFB-Präsident.

Sprosse für Sprosse auf der Karriereleiter

Die Karriereleiter im DFB hat der langjährige Vorsitzende des Fußballverbandes Rheinland als stets loyaler Mitarbeiter Stück für Stück erklommen. 1992 wurde Zwanziger, der als Mann der Basis gilt, als Beauftragter für soziale Integration in den Vorstand berufen. 2001 übernahm er den Posten des Schatzmeisters, ehe er ab 2004 zwei Jahre lang als geschäftsführender Präsident Teil der mittlerweile legendären Doppelspitze mit Mayer-Vorfelder war. Im Vorjahr wurde er erstmals allein an die DFB-Spitze gewählt.

Als Präsident hat sich Zwanziger vor allem den Kampf für Fairness und Integration auf die Fahnen geschrieben. "Von einem Fritz Walter wird man noch lange nach seinem Tod sprechen, von Maradona nicht. Die Hand Gottes war Betrug, Fairplay ist es nicht", sagt Zwanziger, der vehement gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt eintritt. "Der Verband darf nicht mehr unpolitisch sein", lautet seine Forderung. Besonders am Herzen liegt Zwanziger die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs: "Meine Liebe dazu ist bekannt. Der Gewinn des WM-Titels unserer Frauen in Schanghai war der schönste Moment meiner bisherigen Amtszeit." (mit dpa)

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