• Positive A-Probe: Muss Reiter Ahlmann den teuren Pferde-Transport jetzt selbst zahlen?

Positive A-Probe : Muss Reiter Ahlmann den teuren Pferde-Transport jetzt selbst zahlen?

Für Springreiter Christian Ahlmann könnte seine Teilnahme an den Spielen in China im Nachhinein teuer werden. Bei seinem Pferd war die verbotene Substanz Capsaicin festgestellt worden. Als Strafe muss er eventuell alle Kosten selber tragen.

Vom Juliane Schäuble
Ahlmann
Aufgefallen. Christian Ahlmann mit Cöster.Foto: dpa

Wie der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, Tagesspiegel Online am Freitag bestätigte, muss Ahlmann möglicherweise seine "Entsendungskosten" aus eigener Tasche zahlen, also Transport- und Unterkunftskosten - vorausgesetzt, der Verdacht erhärtet sich. Das Ergebnis der B-Probe des 15-jährigen Hengstes, die am heutigen Freitag im Veterinär-Labor des Hongkong Jockey Clubs geöffnet wurde, soll in den nächsten Tagen vorliegen.

Ahlmann war wie drei andere Reiter von den Olympischen Spielen in Hongkong suspendiert worden, nachdem bei ihren Pferden jeweils in der A-Probe Rückstände des verbotenen Wirkstoffes Capsaicin gefunden worden waren. Bestätigt sich nun der Verdacht, kann der Reiter aus dem westfälischen Marl laut einer Vereinbarung, die der DOSB vor diesen Olympischen Spielen zum ersten Mal mit seinen Athleten getroffen hat, rückwirkend zur Kasse gebeten werden. "Das ist eine der möglichen Sanktionsformen, die in der Athletenvereinbarung festgehalten sind", sagte Vesper. Und die hatte auch Christian Ahlmann unterschrieben.

Kosten im fünfstelligen Bereich

Allein für den Pferde-Transport fallen Kosten in einem fünfstelligen Bereich an, heißt es. Pro Athlet werden nochmals schätzungsweise 7500 Euro berechnet. Eine Bestätigung für diese Summen gab es am Freitag aber vom DOSB nicht.

Dazu kommt, dass ein positiv getesteter Reiter monatelang nicht reiten und damit Geld verdienen darf. Christian Ahlmann droht zudem der Rausschmiss aus dem A-Kader. Dass Ahlmann im Kader bleibe sei „nicht vorstellbar“, sagte Hanfried Haring, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN): „Man kann davon ausgehen, dass die Gremien Konsequenzen ziehen.“ Haring betonte weiter: „Wir werden das richtig geradeaus und streng verfolgen.“

Verwirrung über Transportkosten

Unklar ist allerdings, in welcher Höhe der DOSB tatsächlich an den Kosten der Pferde-Transporte beteiligt ist. So sagte Martin Atock, der Chef der Pferde-Spedition Peden Bloodstock, die sämtliche Pferde-Transporte bei den Olympischen Spielen organisiert, Tagesspiegel Online am Freitag: "Die Luftfahrtkosten trägt komplett das chinesische Organisationskomitee Bocog." Auch bei den Olympischen Spielen in Sydney hätten die australischen Organisatoren die Transportkosten aller Olympia-Pferde übernommen.

Gerd Graus, Sprecher von DOSB-Generaldirektor Vesper, bestreitet das. Er sagte Tagesspiegel Online: "Es ist wie bei der Fußball-WM: Da haben die Organisatoren und die Fifa auch zu einem gewissen Teil die Kosten übernommen." Aber eben nicht ganz. Welche Kosten bei Christian Ahlmann genau angefallen sind und ob und wie viel davon er möglicherweise zurückzahlen muss, wird nun geprüft. "Allerdings sprechen wir noch von einem hypothetischen Fall: Wir müssen jetzt erst einmal die Ergebnisse der B-Probe abwarten", sagte Graus.

Ahlmann schweigt zu den Vorwürfen

Christian Ahlmann schweigt zu allem erst einmal und ist am Donnerstag umgehend aus Hongkong abgereist. Dagegen gab der Ire Denis Lynch zu, das bei Rennpferden übliche Mittel Equi-Block angewandt zu haben. Er benutze dies seit langem zur Behandlung des Pferderückens und sei bei zahlreichen Doping-Tests negativ gewesen.

Auf der Packung des Herstellers steht, dass es Capsaicin enthält. Zudem heißt es seitens des Herstellers. „Racehorse Strength Equi-Block wird keinen Schorf oder Blasen bilden und wird auf keinen Fall positiv getestet.“ Das Mittel sei „die Nummer eins bei den weltweit verkauften Pferde-Schmerzmitteln“.

Capsaicin wird aber als Doping-Mittel eingestuft, wenn es wegen seiner hypersensibilisierenden Eigenschaften benutzt wird.
Das bedeutet, dass die Schmerzempfindlichkeit des Pferdes durch Auftragen einer entsprechenden Salbe erhöht wird - wenn es dann an eine Stange stößt, schmerzt es mehr. Beim nächsten Mal wird das Pferd folglich höher springen, so der perfide Plan.

Zwei Reiter geben Verwendung der Salbe zu

Während neben Lynch auch der Brasilianer Bernardo Alves die Benutzung von Equi-Block zugab, sagte der Norweger Tony Andre
Hansen: „Ich bin total geschockt und habe keine Erklärung dafür, wie das Pferd auf diesen Stoff positiv getestet werden konnte. Es wurde vor dem Wettbewerb mit absolut nichts eingeschmiert. Ich hoffe, dass mich niemand für einen Betrüger hält, denn ich habe nicht betrogen.“

Auch Ahlmann wird schon bald Rechenschaft ablegen müssen: Für die Woche nach der Bekanntgabe der B-Proben-Ergebnisse hat der Welt-Reiterverband FEI eine Anhörung mit ihm und den anderen drei Reitern angesetzt. Bis spätestens Anfang Oktober könnten dann mögliche Strafen ausgesprochen werden.

Ahlmanns Pferd Cöster befindet sich indes noch in Hongkong. "Alle Pferde reisen zusammen, die deutschen Springpferde fliegen am Sonntag zurück", sagte Spediteur Martin Atock. Vorausgesetzt, der Taifun, der dort derzeit wütet, hat sich bis dahin beruhigt.

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