Post aus Peking : Durchatmen vom Schreiberspeed

Einsichten und Ansichten unserer Paralympics-Reporter. Heute hat sich Annette Kögel ausnahmsweise einen freien Tag gegönnt.

Annette Kögel[Peking]
Annette Kögel
Annette Kögel berichtet aus Peking für den Tagesspiegel von den Paralympics.

Das Leben in Peking besteht aus tagtäglichen Sprints zwischen Hotel und Main Press Center, Leichtathletikstadion und dessen Kellerräumen, in denen man sich zwischendurch mal mit Äpfeln, Birnen, Keksen und Kaffee stärken kann. Die Entfernungen sind riesig, die Gebäude wie der German Paralympic Club teils weiträumig abgesperrt. Bei der Terminkoordination sind stets zusätzliche Zeiten für Um- und Irrwege einzukalkulieren. Jetzt aber gönnt sich auch eine Paralympic-Berichterstatterin eine Auszeit, um das China abseits der Sportevents kennenzulernen.

Wiederum punkten die Chinesen: Touristenkurztrip Nummer eins führt zur Red Capital Residence, dem wohl schönsten und ungewöhnlichsten Hotel mitten in einer alten Pekinger Hutong-Gegend. Der Name klingt nach kapitalistischer Siegermentalität, das Haus wird ja auch von einem Amerikaner geführt. Urig, romantisch und friedlich ist es im Innenhof. Wellensittiche singen im Käfig, zum Frühstück gibt es Croissants, die Zimmer sind original erhalten, kein Wunder, dass das Haus in der Dongsi Jiutiao im Dongcheng District mit der „The Chairman Mao’s Suite“ gut gebucht ist. Der Kaiser von China hat auch nicht schlecht gewohnt. Der Sommerpalast am Kunming Lake erfüllt jedes Klischee eines China-Reisenden: prachtvolle Paläste, liebliche Seenlandschaft, gepflegte Gärten.

Durchatmen, runterkommen vom Schreiberspeed. Die Chinesen haben schon immer geklotzt bei ihren Bauten, früher bei den Palästen, heute bei den kreativ-individuell hochgezogenen Wolkenkratzern im Bankendistrict mit nächtlicher Disko-Fassadenbeleuchtung. Der Sommerpalast jedenfalls erfüllt die Besucherin noch mehr als die Große Mauer. Ja, die stand auch auf dem Pausentags-Programm, und Peking-Ente essen, was sonst. Schnell noch die Fotos brennen – und dann wieder sportlich weiter machen. Die Finals im Rollstuhltennis starten gleich, und Marianne Buggenhagen verabschiedet sich mit ihrem letzten Auftritt auf paralympischen Parkett. Auf die Plätze, fertig, los.

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