Sport : Postsaisonales Trauma

Leverkusens Geschäftsführer Holzhäuser mag nicht mehr für Calmunds Fehler büßen

Erik Eggers

Leverkusen. Natürlich ist das verhandelte Angebot aus Frankfurt reizvoll. Wechselt Wolfgang Holzhäuser, der fürs Monetäre zuständige Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen, tatsächlich als neuer Vorstandsvorsitzender zum Aufsteiger Eintracht Frankfurt, dann böten sich ihm viel versprechende Perspektiven. Da ist vor allem die Aussicht, einen angeschlagenen Bundesligaklub vom finanziellen Chaos der letzten Jahre zu befreien und in einen seriös geführten Wirtschaftsbetrieb zu überführen. Gelänge dies – der Name Holzhäuser, der ohnehin als Synonym für Solidität steht im ökonomisch oft mit halsbrecherischen Methoden operierenden Fußballgeschäft, würde für lange Zeit strahlend leuchten, nicht nur in Frankfurt.

Dass die Spekulationen um den bevorstehenden Wechsel aber auch andere Gründe haben, ließ auch Holzhäuser in den letzten Tagen durchblicken: „Es hat immer einen Reiz, etwas zu machen, bei dem man gestalten und allein entscheiden kann.“ Allein. Dieses Wort kündet von den tiefen Gräben, die sich in der letzten Saison aufgetan haben zwischen ihm und seinem formal gleichberechtigten Kollegen Reiner Calmund. Nichts dokumentierte die Krise in der Führungsetage Bayers besser als die grundverschiedenen Auffassungen der beiden entscheidenden Figuren in puncto Krisenmanagement. Auf der einen Seite war da die Panik in Person von Calmund, der auf die abstrusesten Ideen kam, um den Untergang zu vermeiden. Der zuerst Rehhagel vorschlug und zum Schluss Lattek als vermeintlichen Retter vorsah. Und der zwischenzeitlich sogar mit Christoph Daum verhandelte, obwohl der Bayer-Konzern schon bei Erwähnung dieses Namens nervös wird. Ja, und auf der anderen Seite stand stets Holzhäuser und wunderte sich darüber, dass Calmund jeden dieser Namen und auch interne Zwistigkeiten sogleich an die Zeitungen gab und so einen Skandal nach dem anderen produzierte.

Es liefen viele unschöne Dinge in Leverkusen, und Holzhäuser hat gesagt, dass sich „in Leverkusen einiges ändern muss, damit ich es noch mit mir und meiner Familie vereinbaren kann“. Er mag nicht mehr verantwortlich gemacht werden für Fehler in der Führungsetage, für die er offenkundig nicht verantwortlich war. Nicht selten nämlich verbreitete der von Calmund sensationell gut versorgte Boulevard in großen Lettern, dass angeblich alles besser war, bevor Betriebswirt Holzhäuser 1998 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach Leverkusen kam. Derzeit droht der 53-Jährige mit seinem Sparkurs an Calmund zu scheitern, obwohl der dringend notwendig ist: Sogar Calmund hat verkündet, dass dem Klub rund 30 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen.

In Leverkusen honorieren jedenfalls nur wenige die Arbeit des Finanzexperten, dessen Ruf auf Grund seiner 25-jährigen Arbeit beim DFB so gut ist, dass auch andere Vereine von Zeit zu Zeit um seinen Rat in Lizenzierungsfragen bitten. Meinolf Sprink, der Sportbeauftragte von Bayer, etwa schätzt das Engagement und die Diskretion Holzhäusers und dessen „immer saubere und faire Art“. Sicherlich befinde sich der Geschäftsführer, räumte Sprink ein, „momentan vielleicht in einer gewissen Frustphase“.

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