Potenziertes Selbstvertrauen : Serena Williams triumphiert in Wimbledon

Serena Williams ist in Wimbledon mal wieder unschlagbar und gewinnt locker ihren vierten Titel. Das ohnehin schon riesige Selbstvertrauen der Favoritin potenzierte sich auf dem Center Court zu einem nie gefährdeten 6:3 und 6:2-Sieg.

Petra Philippsen

Erst krachte der Schmetterball unerreichbar ins Feld, dann flog der Schläger von Serena Williams durch die Luft, und so kam es, wie es schon vor dem Halbfinale vermutet worden war. Die Weltranglistenerste würde sich mühelos ihren 13. Grand-Slam-Titel sichern und nach 2002, 2003 und 2009 zum vierten Mal beim bedeutendsten Turnier der Welt triumphieren. Als sie strahlend die goldene Venus-Rosewater-Trophäe in die Höhe reckte, sagte sie: „Ich bin glücklich, dass ich gewonnen habe gegen Wera Zwonarewa, die so viel durchgemacht hat.“

Unter die letzten Vier vom Wimbledon hatten sich in Zwetana Pironkowa, Petra Kvitova und Wera Zwonarewa neue Gesichter auf der großen Bühne gezeigt, dennoch bestand kein Zweifel daran, dass sich das unbarmherzige Powertennis der Titelverteidigerin auf dem schnellen Rasen durchsetzen würde. Keinen einzigen Satz hatte Williams bis ins Finale abgegeben, sie sollte es auch an diesem Samstagnachmittag gegen Zwonarewa nicht tun. Das ohnehin schon pralle Selbstvertrauen der Favoritin potenzierte sich auf dem Centre Court zu einem nie gefährdeten 6:3 und 6:2-Sieg, der lediglich eine gute Stunde dauerte. „Ich habe mir immer nur gesagt, dass ich ruhig bleiben muss, wenn ich das hier gewinnen will“, sagte Williams, „ich wollte immer vorlegen, falls ich doch nervös werde.“

Für Zwonarewa war es das erste Grand-Slam-Finale ihrer Karriere, und auch wenn sich die 25-jährige Russin die Nervosität nicht anmerken ließ, so vermochte sie dem Dauerdruck des Williamsschen Schlaggewitters nicht lange standzuhalten. Die Winner schlugen rechts und links neben Zwonarewa ein, die sich trotz ihrer Schnelligkeit nicht aus der Misere befreien konnte. Martina Navratilova, die neunmalige Wimbledonsiegerin, hatte es vorhergesagt: „Serena hat den besten Aufschlag aller Zeiten im Damentennis. Ihr erster ist unglaublich schnell und der zweite kaum angreifbar. An ihr kommt hier niemand vorbei.“ Mit insgesamt 89 Assen, die Williams im Turnierverlauf mit durchschnittlichen 200 Stundenkilometern ins Feld hämmerte, verbesserte die 28 Jahre alte US-Amerikanerin ihren eigenen Rekord. Ob von der Grundlinie, mit dem Volley am Netz oder dem Aufschlag – Williams hatte in jedem Moment die absolute Kontrolle.

Während ihre ältere Schwester Venus überraschend im Viertelfinale ihren Traum vom sechsten Wimbledontitel begraben musste, wurde Serena Williams ihrer Rolle gerecht. Und die extrovertierte Diva gefiel sich sichtlich darin. Ob sie über ihren sechsten Platz in der Bestenliste der Grand-Slam-Siegerinnen nachgedacht hätte? „Ich liebe meine Hunde, meine Familie, Filme, Bücher, Shoppen – das ist auf meiner Liste. Sonst nichts“, gab sie an. Ausgiebig gab sie im Turnierverlauf auch Auskunft zu ihren neuen, kunstvoll verzierten Nägeln, deren Farbkomposition sie den Titel „Erdbeeren und Sahne“ gegeben hatte. Ob ihr diese zu mehr Erfolg verholfen hätten, wusste sie jedoch nicht. Aber nach dem Sieg, würde sie sie abschneiden, kündigte Williams an.

Für derartiges Geplänkel ist Zwonarewa nicht zu haben, lange Leidensmonate haben ihr den Fokus auf das Wesentliche gegeben. Nach ihrem ersten Halbfinale bei den Australian Open, wurde Zwonarewa in Charleston von einer schweren Knöchelverletzung ausgebremst. Dass sie sich zurückkämpfte, wurde nun mit der Rückkehr auf Rang acht der Weltrangliste belohnt, auch wenn der Triumph ihr noch verwehrt blieb. „Du bist ein großer Champion, Serena. Du hast den Sieg heute verdient“, sagte Zwonarewa – und verdrückte dabei ein paar Tränen.

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