Sport : Potsdams Fußballerinnen kurz vor dem Ziel

Helen Ruwald

Berlin - Von Busfahrten quer durch die Republik haben Turbine Potsdams Fußballerinnen langsam genug. Wenn sie heute Abend von Frankfurt (Main) zurück nach Hause fahren, dürften aber alle Reisestrapazen vergessen sein – sofern Turbine beim 1. FFC Frankfurt, dem Meister der vergangenen drei Jahre, am letzten Bundesligaspieltag mindestens unentschieden spielt und sich so erstmals die deutsche Meisterschaft sichert (14 Uhr, RBB live). Es wäre zwei Wochen nach dem DFB-Pokal-Sieg der nächste große Erfolg – und den Einzug in den Uefa-Cup hätten die Potsdamerinnen damit auch geschafft.

Vier Spiele innerhalb von acht Tagen? „Männer würden einem den Vogel zeigen“, sagt Nationalspielerin Conny Pohlers. Potsdams Frauen hingegen ist ein solches Programm zuzumuten, wie der Deutsche Fußball-Bund bei der Terminierung von zwei Nachholspielen beschloss. Anstrengender noch als die Spiele an sich war der Reisestress, „der steckt uns noch in den Gliedern“, sagt Trainer Bernd Schröder. Am Pfingstsamstag gewann seine Mannschaft mit begeisterndem Offensivfußball den DFB-Pokal durch ein 3:0 im Finale gegen den 1. FFC Frankfurt. Am Pfingstmontag siegte Potsdam 7:0 in Saarbrücken, drei Tage später 6:0 beim FSV Frankfurt. Dazwischen lagen lange Zug- oder Busfahrten und zwei Arbeits- oder Uni-Tage in Potsdam. „Aus Frankfurt sind wir am Freitagmorgen um halb vier wiedergekommen“, erzählt Pohlers, beim 3:0 am Sonntag gegen den FCR Duisburg „haben wir deshalb nicht unseren besten Fußball gespielt“.

Dennoch ist ihr Team nach dieser Serie von vier Siegen und 19:0 Toren physisch stärker als der heutige Gegner. Beim DFB-Leistungstest Anfang der Woche in Köln erzielten die acht Potsdamerinnen einige Bestwerte – im Gegensatz zum 1. FFC Frankfurt, dem erstmals seit seiner Gründung 1998 eine Saison ohne Titel droht. Ein echtes Endspiel wie dieses hatte es auch vor einem Jahr gegeben. Frankfurt ging mit einem Zähler Vorsprung ins Spiel und sicherte sich durch ein 0:0 in Potsdam die Meisterschaft. Diesmal könnte es genau umgekehrt sein. Trainer Schröder hat sich noch einen Ansporn ausgedacht: Er will die Glückwunschfaxe zum Pokalsieg als Lektüre verordnen.

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