Sport : Prämie aus der Unterwelt

Im Manipulationsfall soll Schiedsrichter Robert Hoyzer 13 Personen belasten – gestanden hat erst einer

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Für ein Spiel war Thijs Waterink wohl Erfüllungsgehilfe von Robert Hoyzer. Der Kapitän des FußballRegionalligaklubs SC Paderborn hatte sich im Pokalspiel gegen den Hamburger SV im Strafraum fallen lassen, Hoyzer entschied auf Elfmeter. Zuvor hatte Waterink 10 000 Euro erhalten, die er nach dem Spiel unter seinen Mannschaftskollegen in 500 Euro-Beträgen aufteilte. Waterink ist der erste Spieler, dessen Verstrickung in den Manipulationsskandal bekannt wurde.

Alles andere blieb am Montag Vermutung. Bei seiner Vernehmung soll Hoyzer außer Waterink noch die Namen von acht Spielern, drei Schiedsrichtern und einem Funktionär genannt haben. Einige von ihnen haben die Vorwürfe schon mit eidesstattlichen Erklärungen bestritten, darunter der Schiedsrichter Jürgen Jansen, der Cottbuser Torwart Tomislav Piplica, der ehemalige Cottbuser Laurentiu Aurelian Reghecampf, der jetzt für Aachen spielt, sowie Ignjac Kresic und Torsten Bittermann von Dynamo Dresden.

Dafür ist nun Waterink aufgeflogen. „Waterink hat den Sachverhalt sofort bestätigt“, sagte der Paderborner Vereinspräsident Wilfried Finke gestern. Danach traf sich der 36 Jahre alte Abwehrspieler „drei oder vier Stunden vor dem Anstoß im Umkreis des Stadions mit einem ihm unbekannten südländisch anmutenden Mitbürger“. Der Mann habe Waterink 10 000 Euro übergeben und ihn aufgefordert, diese Zuwendung im Falle eines Sieges als Sonderprämie unter seinen Mitspielern aufzuteilen und die Kollegen über diese Absprache zu informieren.

Der bisher nicht identifizierte Überbringer handelte mit dem Spieler eine Art Geld-zurück-Garantie aus: Sollte Paderborn die Partie nicht gewinnen, müsse Waterink das Geld zurückgeben. Nach Finkes Darstellung hielt sich Waterink in einem Punkt nicht an die Absprache: Der Mannschaftskapitän bestreite, seine Kollegen vor dem Anpfiff in Kenntnis gesetzt zu haben. Vielmehr habe er das Geld einen Tag später an die Mannschaft ausgegeben mit dem Hinweis, es handele sich um die zusätzliche Leistungsprämie verschiedener Sponsoren.

Finke teilte außerdem mit, dass alle Spieler eidesstattlich erklärt hätten, vor dem Anstoß nichts von „dieser außergewöhnlichen Zuwendung“ gewusst zu haben. Der Verein habe Waterink fürs Erste von seinen arbeitsrechtlichen Pflichten freigestellt, halte eine Kündigung aber für verfrüht. Zumal es keinen Anhaltspunkt für eine Straftat des Spielers gebe.

Die Aufmerksamkeit nutzte der Möbelhändler Finke gestern auch, um sich mit dem Hamburger SV anzulegen. Natürlich wolle er den Hanseaten „nichts unterstellen“, behauptete Finke. Er könne jedem nur empfehlen, sich die Video-Aufzeichnung des Spiels genau anzusehen. „Laufwege, Mimik und Gestik“ der HSV-Profis ließen auf ein schwaches Interesse schließen, das Spiel zu gewinnen. Wer hohe Summen wette, müsse bestrebt sein, „den Einsatz nach allen drei Seiten abzusichern“, also beim Schiedsrichter und beiden Mannschaften.

Mit vor Aufregung und Wut zitternder Stimme wertete der Hamburger Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann die Anschuldigung als „glatte Unverschämtheit, da gießt einer in Form dieser haltlosen Vorwürfe neues Öl ins Feuer“. Der HSV prüfe nun, ob er mit rechtlichen Mitteln gegen die Anschuldigungen vorgehen könne. Ausdrücklich schloss der HSV aus, von seinen Spielern eidesstattliche Erklärungen zu verlangen. „Dazu besteht keinerlei Veranlassung“, sagte Hoffmann. Vom DFB ist inzwischen zum HSV durchgesickert, dass es hinsichtlich des Pokalspiels in Paderborn „irgendeine Form der Entschädigung“ geben werde. Die Hamburger fordern nach wie vor eine Neuansetzung der Pokalpartie, eine Forderung, die auch der SC Paderborn nach den jüngsten Erkenntnissen durchaus selbst für sinnvoll erachtet.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt vor diesem Hintergrund das Zweitliga-Spiel Dynamo Dresden – Energie Cottbus (0:1) am Montag. Tomislav Piplica spielte trotz der Vorwürfe gegen ihn. Der Cottbuser Torwart hatte bereits am Sonntag eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, „weder an illegalen Wettabsprachen beteiligt“ gewesen zu sein noch „von dritter Seite Geld angenommen“ zu haben. „Zwei Freunde aus Bosnien haben im Café King gearbeitet“, sagte Piplica. Mit denen habe er sich getroffen, wenn er in Berlin gewesen sei. „Das ist doch nicht verboten.“

Der Dresdner Torwart Ignjac Kresic saß dagegen auf der Bank. Seinen Stammplatz hatte er aber schon vor dieser Saison verloren. Kresic habe sich mehrmals mit dem Hauptbeschuldigten unterhalten und ihm seine Telefonnummer gegeben, sagte er der „Sächsischen Zeitung“. „Ich wette zwar, aber nie auf Spiele von Dynamo. Ich habe kein Spiel manipuliert.“ Am Montag unterzeichnete er wie alle Spieler seines Vereins, darunter auch der ebenfalls belastete Torsten Bittermann, eine eidesstattliche Erklärung. ben/chh/ct/kad/ril/teu

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